IN­TER­VIEW CHRIS­TI­AN „Wir wol­len Rot-Grün ab­lö­sen und nicht ver­län­gern“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Li­be­ra­len über die In­hal­te und Po­si­tio­nen im an­ste­hen­den Wahl­kampf für die Land­tags­wahl 2017.

Wol­len auch Sie wie CDU-Chef Ar­min La­schet das Ta­rif­treue­ge­setz und den NRW-Kli­ma­schutz­plan ab­schaf­fen? LINDNER Ja. Für den Kli­ma­schutz ha­ben wir ei­nen eu­ro­päi­schen Rah­men. Der reicht aus. Wir brau­chen in Deutsch­land und NRW kei­ne zu­sätz­li­chen Vor­ga­ben. Ich ge­he so­gar noch wei­ter: Da wir aus der Kern­ener­gie aus­stei­gen, wird Deutsch­land nicht zugleich auch noch der Vor­rei­ter beim Kli­ma­schutz sein kön­nen. Das heißt? LINDNER Wir soll­ten die Zie­le auf EUNi­veau sen­ken. Bis­her will Deutsch­land die Ein­spar­zie­le zehn Jah­re frü­her als der Rest er­rei­chen. Das ist öko­lo­gi­scher Un­sinn, weil je­de Ton­ne hier ein­ge­spar­tes CO2 in Po­len ver­feu­ert wer­den kann. Lei­der ist selbst die CDU da der ideo­lo­gi­schen Kli­ma­po­li­tik er­le­gen. Den­noch gibt es gro­ße Schnitt­men­gen zwi­schen FDP und CDU. . . LINDNER Bei den Fi­nan­zen schon, we­ni­ger in der Schul­po­li­tik. Die Gym­na­si­en wer­den bei der Leh­rer­und Sach­aus­stat­tung mas­siv be­nach­tei­ligt. Bei der In­klu­si­on ist den Grü­nen Tem­po wich­ti­ger als Qua­li­tät. Und den­noch steht die CDU wei­ter zum Schul­kon­sens mit Rot-Grün, den wir nie mit­ge­tra­gen ha­ben. Wie ste­hen Sie zu G 8/G 9? LINDNER Wenn es gut or­ga­ni­siert wird und die Leh­rer­aus­stat­tung stimmt, dann ist G 8 kei­ne Be­las­tung. Ich bin da­her wei­ter ein An­hän­ger. Aber wir neh­men die Un­ru­he erns­ter als Re­gie­rung und CDU. Des­halb dis­ku­tie­ren wir für un­ser Wahl­pro­gramm, ob nicht je­des Gym­na­si­um selbst ent­schei­den soll­te, ob es G 8 oder G 9 macht. Das stärkt den El­tern­wil­len und die Schul­au­to­no­mie. Da­zu be­fra­gen wir im Som­mer un­se­re Mit­glie­der. Ist die­se Ab­ga­be an Ver­ant­wor­tung nicht ein biss­chen fei­ge? LINDNER Wahl­frei­heit und Ei­gen­ver­ant­wor­tung kann ich nicht als fei­ge an­se­hen. Das ist un­se­re Wel­t­an­schau­ung. Sind 16 ver­schie­de­ne Schul­sys­te­me in den 16 Län­dern nicht arg viel? LINDNER Das ist nicht mehr zeit­ge­mäß. Nord­rhein-West­fa­len steht nicht im Wett­be­werb mit Bay­ern, son­dern Deutsch­land steht im Wett­be­werb mit Nord­ame­ri­ka und Chi­na. Nir­gend­wo wer­den di­gi­ta­le Lern­me­tho­den so sel­ten ein­ge­setzt wie in Deutsch­land. Des­halb bin ich da­für, den Bil­dungs­fö­de­ra­lis­mus zu re­for­mie­ren. Al­so hin zu ei­nem ein­heit­li­chen Schul­sys­tem? LINDNER Für mehr Ver­gleich­bar­keit, Mo­bi­li­tät und Fi­nan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten durch den Bund. Da­zu soll­te man die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz mo­der­ni­sie­ren. In ei­nem neu­en Gre­mi­um soll­ten auch Prak­ti­ker und Wis­sen­schaft­ler sein. Wel­ches Er­geb­nis stre­ben Sie bei der Land­tags­wahl im Mai 2017 an? LINDNER Wir wol­len wei­ter stark im Land­tag ver­tre­ten sein. Sie ha­ben ei­ne Am­pel aus SPD, FDP und Grü­nen aus­ge­schlos­sen. LINDNER Ja, wir wol­len Rot-Grün ab­lö­sen und nicht ver­län­gern. Was ist mit ei­nem Ja­mai­ka-Bünd­nis aus CDU, FDP und Grü­nen? LINDNER: Wir wol­len ei­nen Po­li­tik­wech­sel. Mir fehlt die Fan­ta­sie, wie der mit den NRW-Grü­nen ge­lin­gen kann. Des­halb stre­ben wir kla­re Mehr­hei­ten an. Sonst wä­re auch Op­po­si­ti­on okay, wenn man nur so li­be­ra­le Po­si­tio­nen ver­tre­ten kann. Ist denn ei­ne so­zi­al­li­be­ra­le Ko­ali­ti­on vor­stell­bar? LINDNER SPD und FDP hät­ten mo­men­tan ei­ne Mehr­heit im Land­tag. Die SPD könn­te sich noch heu­te von den Grü­nen tren­nen, wenn sie über so­zi­al­li­be­ral ver­han­deln woll­te. Das wür­den Sie tun? LINDNER Wir sind im­mer ge­sprächs­be­reit, aber dar­über ist die Zeit hin­weg­ge­gan­gen. Sie ge­hen als Spit­zen­kan­di­dat in die Land­tags­wahl, wol­len aber bald dar­auf schon in den Bun­des­tag. Wie sehr wird das die FDP im Wahl­kampf be­las­ten? LINDNER Be­las­ten? Das ist für uns ein Tur­bo. Denn die Bür­ger, die in Düs­sel­dorf und in Berlin ei­ne an­de­re Politik wol­len, kön­nen da­zu mit ih­rer Stim­me für die FDP bei­tra­gen. DET­LEV HÜWEL UND THO­MAS REI­SE­NER FÜHR­TEN DAS IN­TER­VIEW. DER VOL­LE WORT­LAUT: RP-ON­LI­NE.DE/POLITIK

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