Lin­nen­baum be­en­det Drei­sprung-Kar­rie­re

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT - VON CHRIS­TOPH ZABKAR

Eva Lin­nen­baum strahl­te in Lo­ke­ren über das gan­ze Ge­sicht. Das los­ge­lös­te Lä­cheln er­in­ner­te an die schö­nen Zei­ten, als die Drei­sprin­ge­rin bei der Deut­schen Meis­ter­schaft stol­ze 13,72 Me­ter in die Gru­be zau­ber­te und da­mit ih­re Po­si­ti­on im Kreis der na­tio­na­len Eli­te be­stä­tig­te. Im Ver­gleich zu 2014 ka­men die in Bel­gi­en ge­sprun­ge­nen 13,08 Me­ter nicht ganz an die­se Wei­te her­an, doch das Er­geb­nis hat­te auch emo­tio­na­len Wert. Schließ­lich hat Lin­nen­baum ei­nen lan­gen Lei­dens­weg hin­ter sich ge­bracht und wie­der ein­mal zu­rück­ge­kämpft. Den­noch zieht die 27-Jäh­ri­ge mor­gen in Mön­chen­glad­bach ei­nen Schluss­strich.

Es war 2014, als sich Lin­nen­baum in den wohl­ver­dien­ten Kroa­ti­en-Ur- laub be­ge­ben hat­te. Nach­dem sie sich von ei­nem kom­ple­xen Kno­chen­bruch im Fuß zu­rück­ge­kämpft hat­te, schnitt sie bei der DM in Ulm so­gar als Fünf­te ab. Auch be­ruf­lich lief es gut für die Pres­se­re­fe­ren­tin. Doch der Ur­laub soll­te mit ei­nem schwe­ren Ver­kehrs­un­fall mit Kopf­ver­let­zung en­den.

Über den Vor­fall gab es beim ART lan­ge Still­schwei­gen, um die Ath­le­tin zu schüt­zen. Wie sich her­aus­stell­te, war Lin­nen­baums Kurz­zeit­ge­dächt­nis so­wie die Kon­trol­le über die ei­ge­ne Mo­to­rik be­ein­träch­tigt. Doch die Schü­le­rin von Er­folgs­coach Ralf Ja­ros gab nicht auf. Nach drei Mo­na­ten kämpf­te sich Lin­nen­baum all­mäh­lich in den All­tag zu­rück und nahm auch wie­der das Trai­ning auf, um eben da­hin zu­rück­zu­keh­ren, wo man­che für sie schon die Hoff­nung schwin­den ge­se­hen hat­ten, auf den Sport­platz. „Ich glau­be, der Leis­tungs­sport hat mir in vie­ler­lei Hin­sicht ge­hol­fen. Wer Leis­tungs­sport macht, lernt zu kämp­fen“, sag­te die Ath­le­tin nach ih­rem Vor­jah­res­Come­back.

Im Mai 2015 war es so­weit, und mit 12,70 Me­tern er­rang Lin­nen­baum so­gar den West­deut­schen Meis­ter­ti­tel und an­schlie­ßend Platz vier bei der DM (13,24 Me­ter) – ein Rie­sen­er­folg. Doch nach der Jah­res­wen­de folg­te der nächs­te Schock: Aus dem Nichts er­litt Lin­nen­baum ein Mus­kel­bün­del­riss mit Seh­nen­be­tei­li­gung. Al­le vier Wo­chen fliegt die Ath­le­tin zu ih­ren Ärz­ten nach Mün­chen und lässt sich mehr­mals die Wo­che phy­sio­the­ra­peu­tisch be­han­deln. In Bel­gi­en pur­zel­ten nun er­neut die 13-Me­ter-Mar­ke. Den stei­len Berg­gip­fel hat Lin­nen­baum ein wei­te­res Mal er­klom­men und die ei­ge­ne Fah­ne an der Spit­ze der deut­schen Top-Ten ge­hisst. Doch nach­dem sie zu­letzt kein Jahr ver­let­zungs­frei über­ste­hen konn­te, will sie nun auf ih­ren Kör­per hö­ren. Die Ge­schich­te zeigt, dass Lin­nen­baum ei­ne Kämp­fe­rin ist. Den größ­ten Sieg hat sie laut Trai­ner Ralf Ja­ros oh­ne­hin schon er­run­gen: „Der größ­te Er­folg ist, dass Eva wie­der ein ganz nor­ma­les Le­ben füh­ren kann.“

Mor­gen er­folgt bei den West­deut­schen Meis­ter­schaf­ten die Ab­schieds­vor­stel­lung, und ein­mal mehr will Lin­nen­baum noch mal die 13-Me­ter-Mar­ke kna­cken. Wie im­mer soll sie da­bei auch der Ja­ros’schen De­vi­se fol­gen: „Spaß ha­ben und den Wett­kampf ge­nie­ßen.“

FOTO: BIRKENSTOCK

Eva Lin­nen­baum

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.