Si­cher­heits­kräf­te un­zu­rei­chend ge­schult

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON OLI­VER BURWIG

Die Kon­trol­len am Flug­ha­fen Köln/Bonn ste­hen er­neut in der Kri­tik. Die Ge­werk­schaft Ver­di wirft der Fir­ma Köt­ter vor, die Per­so­nal­not nicht in den Griff zu be­kom­men und die Be­schäf­tig­ten mit ver­al­te­ter Soft­ware aus­zu­bil­den.

KÖLN Beim Flug­ha­fen in Köln stand das Te­le­fon ges­tern nach ei­nem Be­richt nicht mehr still, wo­nach Pas­sa­gier­kon­trol­leu­re der Fir­ma Köt­ter mit ver­al­te­ter Soft­ware aus­ge­bil­det wer­den. Der WDR hat­te aus in­ter­nen Do­ku­men­ten der Es­se­ner Fir­ma zi­tiert. Da­rin heißt es, meh­re­re Be­schäf­tig­te sei­en bei ei­ner an­ge­kün­dig­ten Si­cher­heits­über­prü­fung durch­ge­fal­len. Sie hat­ten ge­fähr­li­che Ge­gen­stän­de an den Bild­schir­men nicht er­kannt.

Köt­ter weist die Schuld dem Be­richt zu­fol­ge der Bun­des­po­li­zei zu, in de­ren Auf­trag das Un­ter­neh­men die Kon­trol­len durch­führt. Die Be­hör­de be­ste­he dar­auf, bei der Aus­bil­dung die ver­al­te­te Soft­ware ein­zu­set­zen. Die so ge­schol­te­ne Bun­des­po­li­zei er­klär­te je­doch, das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um sei da­für ver­ant­wort­lich, neue Aus­bil­dungs­soft­ware zu be­schaf­fen. Dort hieß es, die Soft­ware sei aus­rei­chend. „Die Soft­ware muss un­be­dingt ak­tua­li­siert wer­den“, for- der­te Ver­di-Ge­werk­schafts­se­kre­tär Özay Ta­rim. Köt­ters Per­so­nal leis­te un­ter den ge­ge­be­nen Be­din­gun­gen ei­nen „her­vor­ra­gen­den Job“, es kön­ne aber „nur so gut sein, wie die Aus­bil­dung das auch er­mög­licht“.

Die Fir­ma Köt­ter re­agier­te auf An­fra­gen zu den Vor­fäl­len äu­ßerst zu­ge­knöpft: „Die Pas­sa­gier­kon­trol­len am Flug­ha­fen Köln/Bonn sind si­cher, weil ho­he Si­cher­heits­stan­dards fort­lau­fend an ak­tu­el­le An­for­de­run­gen an­ge­passt wer­den“, hieß es le­dig­lich in ei­ner Er­klä­rung.

Der Är­ger um die Si­cher­heits­lü­cken ist nicht das ein­zi­ge Pro­blem in Köln/Bonn. Seit ei­nem Jahr steht der Flug­ha­fen in der Kri­tik, weil Per­so­nal­man­gel bei der Flug­gast­kon­trol­le im­mer wie­der da­zu führt, dass sich an den Si­cher­heits­schleu­sen Schlan­gen bil­den. Zu­dem häu­fen die ver­blie­be­nen Kräf­te mas­siv Über­stun­den an.

Schuld dar­an ist nach An­ga­ben von Ta­rim Köt­ter selbst. Der Ver­diSe­kre­tär er­klär­te, in ei­nem Ver­trag mit der Bun­des­po­li­zei sei­en so­ge- nann­te Kon­troll­stun­den fest­legt, die der Flug­ha­fen pro Jahr er­war­te. Für die­se müs­se die Si­cher­heits­fir­ma aus­rei­chend Per­so­nal zur Ver­fü­gung stel­len. Für das lau­fen­de Jahr ha­be der der Flug­ha­fen­be­trei­ber die Zahl der Kon­troll­stun­den im Ja­nu­ar nach oben kor­ri­giert. Köt­ter ha­be es in Köln nicht ge­schafft, ge­nü­gend Kräf­te be­reit­zu­stel­len. Zur Be­grün­dung ha­be das Un­ter­neh­men „un­vor­her­ge­se­he­nes Fahr­gast­auf­kom­men“ge­nannt. Die Aus­bil­dung der Si­cher­heits­kräf­te dau­ert Ta­rim zu­fol­ge al­ler­dings nur zwei bis drei Mo­na­te, es sei al­so ge­nü­gend Zeit ge­we­sen, das De­fi­zit ab­zu­bau­en. Er warf der Fir­ma vor, ge­schla­fen zu ha­ben.

Nach In­for­ma­tio­nen des Ver­di-Se­kre­tärs ver­la­ger­te das Un­ter­neh­men ges­tern, pünkt­lich zum letz­ten Schul­tag, 30 Kräf­te von Düs­sel­dorf nach Köln. Ob­wohl es in der Lan­des­haupt­stadt für die der­zei­ti­ge Si­tua­ti­on noch ge­nü­gend Per­so­nal ge­be, be­trach­tet Ta­rim dies nur als ei­ne pro­vi­so­ri­sche Lö­sung: „Was, wenn zu Spit­zen­zei­ten in Düs­sel­dorf statt 50 oder 60 auf ein­mal 90 Leu­te mehr ge­braucht wer­den?“

Der Spre­cher des Köln/Bon­ner Flug­ha­fens ver­wies ges­tern auf die schnel­le Ab­fer­ti­gung der Pas­sa­gie­re an den Si­cher­heits­schleu­sen: „Die War­te­zeit in den Ter­mi­nals lag bei acht bis neun Mi­nu­ten. Das ist ein Traum.“So­wohl er als auch die Bun­des­po­li­zei räum­ten aber ein, dass dies nicht für den ge­sam­ten Fe­ri­en­be­trieb ge­si­chert sei. Laut ei­ner Mit­tei­lung der Bun­des­po­li­zei sei „fest­zu­stel­len, dass es trotz gu­ter Vor­be­rei­tung al­ler Be­tei­lig­ten am kom­men­den Wo­che­n­en­de am Flug­ha­fen ,sehr voll wer­den wird‘ und sich da­mit er­höh­te War­te­zei­ten grund­sätz­lich nicht im­mer ver­mei­den las­sen“.

Der Bun­des­po­li­zei über­ge­ord­net ist das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um, das auf An­fra­ge ges­tern mit­teil­te: „Da ein Si­cher­heits­un­ter­neh­men grund­sätz­lich nur Kräf­te ein­setz­ten darf, wel­che in ei­nem fes­ten Ar­beits­ver­hält­nis ste­hen, kön­nen sol­che Spit­zen­las­ten da­zu füh­ren, dass die War­te­zei­ten für die Pas­sa­gie­re an­stei­gen.“Ein Si­cher­heits­de­fi­zit ent­ste­he nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.