„NRW muss sich um bri­ti­sche Fir­men küm­mern“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON DET­LEV HÜWEL

Die Op­po­si­ti­on im Land­tag for­dert die rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung auf, nach dem Br­ex­it „mehr Tem­po“zu ma­chen.

DÜS­SEL­DORF Auf den Br­ex­it re­ga­giert NRW nach Auf­fas­sung der Op­po­si­ti­on nicht schnell ge­nug. Es sei zu er­war­ten, dass zahl­rei­che bri­ti­sche Un­ter­neh­men nach dem Vo­tum für ei­nen Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der Eu­ro­päi­schen Uni­on ei­nen neu­en Stand­ort in We­st­eu­ro­pa su­chen wer­den. NRW ste­he hier im Wett­be­werb mit an­de­ren Bun­des­län­dern, die längst in Ge­sprä­chen mit der bri­ti­schen Wirt­schaft sei­en, hieß es bei ei­ner Br­ex­it-De­bat­te im Land­tag. Die Lan­des­re­gie­rung müs­se sich mehr um die bri­ti­schen Fir­men küm­mern und sich ih­nen als An­sprech­part­ner an­bie­ten. „Die Un­ter­neh­men kom­men nicht von selbst“, warn­te CDU-Lan­des­chef Ar­min La­schet. Der Vor­sit­zen­de der FDP, Chris­ti­an Lindner, mahn­te die Re­gie­rung von Han­ne­lo­re Kraft (SPD): „Jetzt müs­sen Sie Tem­po zei­gen.“Franz-Jo­sef Ler­schMen­se (SPD), Eu­ro­pa­mi­nis­ter und Chef der Staats­kanz­lei, wie­gel­te da- ge­gen ab. Es sei „viel zu früh, heu­te schon ab­schlie­ßen­de Ant­wor­ten zu prä­sen­tie­ren“. Schließ­lich wis­se man nicht, wie der Br­ex­it kon­kret um­ge­setzt wer­de: „Je­des Drän­gen zur Ei­le ist fehl am Plat­ze.“Er ver­si­cher­te, dass NRW al­les tun wer­de, um die be­ste­hen­den gu­ten Be­zie­hun­gen auf­recht­zu­er­hal­ten. Groß­bri­tan­ni­en sei der viert­wich­tigs­te Han­dels­part­ner des Lan­des.

La­schet ver­wies dar­auf, dass NRW Wa­ren im Wert von rund 14 Mil­li­ar­den Eu­ro nach Groß­bri­tan­ni­en ex- por­tie­re. Da­von pro­fi­tier­ten vor al­lem die Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer, die Be­rei­che Phar­ma und Che­mie so­wie der Ma­schi­nen­bau. Vor die­sem Hin­ter­grund sei un­ver­ständ­lich, wie­so Wirt­schafts­mi­nis­ter Gar­relt Du­in (SPD) in ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me ge­sagt ha­be, der Br­ex­it wer­de kaum Aus­wir­kun­gen auf NRW ha­ben. Er kri­ti­sier­te zu­dem, dass es die Lan­des­re­gie­rung – an­ders als der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) – bis­lang nicht für nö­tig ge- hal­ten ha­be, da­zu ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung ab­zu­ge­ben. Lersch-Men­se ver­wies auf die Er­klä­rung von Kraft un­mit­tel­bar nach Be­kannt­wer­den des bri­ti­schen Ab­stim­mungs­er­geb­nis­ses. Da­rin hat­te sie ge­sagt, dass Eu­ro­pa „noch bes­ser“wer­den müs­se. „Eu­ro­pa muss so­zia­ler, de­mo­kra­ti­scher und ge­rech­ter wer­den“, so auch Mi­nis­ter Ler­schMen­se. Die Lan­des­re­gie­rung be­dau­re zwar den ge­plan­ten Aus­tritt, doch sie re­spek­tie­re das Vo­tum der Mehr­heit: „Aus­tritt ist Aus­tritt.“

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