DÜS­SEL­DORF

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF -

Hand­werk be­wegt sich auf schwe­rem Bo­den

Spre­chen wir mal übers Hand­werk. Nein, nicht, um zu nör­geln – da­zu gibt es die­ses Mal kaum An­lass. Al­so: Zu­fäl­lig muss­ten wir neu­lich mehr­mals Fach­leu­te mit un­ter­schied­lichs­ten Ar­bei­ten be­auf­tra­gen. Es gab Schä­den, Re­no­vie­run­gen, Neu­es wur­de an­ge­legt, Al­tes aus­ge­tauscht. Die Ge­wer­ke: Gärt­ner, In­stal­la­teur, Elek­tri­ker, Schrei­ner , Ma­ler– und ein Fri­seur.

Al­len ge­mein­sam: In ei­ner Stadt wie Düs­sel­dorf kön­nen sie sich über feh­len­de Nach­fra­ge nicht be­kla­gen. Au­ßer­dem wa­ren al­le höf­lich, zu­ver­läs­sig, hilfs­be­reit, sau­ber (das Hin­ter­las­sen ver­dreck­ter Räu­me ist Ver­gan­gen­heit!) und – meis­tens – pünkt­lich. Al­ler­dings gab es bis­wei­len Un­stim­mig­kei­ten mit den Ter­min­zu­sa­gen. Ein Pro­blem, das sich schnell stellt.

Ver­mu­tet man Schlam­pe­rei, lern­te man ei­nen zen­tra­len Kon­flikt sol­cher klei­nen Be­trie­be ken­nen: Ha­ben sie ei­nen Auf­trag, bei dem Fris­ten drän­gen, und be­kom­men sie dann die Mög­lich­keit, ei­nen zwei­ten an­zu­neh­men, sind sie in ei­ner Zwick­müh­le: Ak­zep­tie­ren sie den wei­te­ren Auf­trag (was sie aus Grün­den der Exis­tenz­si­che­rung ei­gent­lich müs­sen!), ist der Är­ger mit dem an­de­ren Kun­den ge­wiss, tun sie es nicht, droht der fi­nan­zi­el­le Durch­hän­ger. Al­so schlän­geln sie sei­nem Sohn als Kleinst-Be­trieb, er­spart sich den Stress, ver­zich­tet aber auch auf Um­satz durch grö­ße­re Auf­trä­ge, für die er klei­ne­re ver­nach­läs­si­gen müss­te.

Ganz an­de­re Sor­gen hat der Fri­seur, des­sen El­tern einst aus Grie­chen­land ka­men: Ge­nervt von Mit­ar­bei­tern, die be­vor­zugt frei­tags bei vol­lem Ter­min­ka­len­der die Bro­cken hin­wer­fen, hat er sei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven La­den ge­kün­digt, ei­nen viel klei­ne­ren an­ge­mie­tet und ver­zich­tet auf Ein­nah­men, aber auch auf ei­ne Men­ge Är­ger. Mit sei­ner Frau schmeißt er das Ge­schäft nun al­lein – und schnei­det un­term Strich bes­ser ab, wie er sagt.

Wei­ter: Ei­ner der wich­tigs­ten Leu­te des Gärt­ners ist Mit­te 50, stammt aus Ma­rok­ko und ist so­wohl auf dem Mi­ni-Bag­ger wie beim Gar­ten­ge­stal­ten ein Al­les­kön­ner – un­ver­zicht­bar. Der Elek­tri­ker wür­de gern ei­nen Lehr­ling aus wel­chem Land auch im­mer ein­stel­len, aber er weiß nicht, wie er das ma­chen soll. Und der Ma­ler? Er hat die Ru­he weg, ar­bei­tet in klei­nem Team, hat im­mer sei­nen Mi­ni-Pin­scher (14, nen­nen wir die Da­me Lu­cia) da­bei und gibt gu­te Tipps, auch für an­de­re Ge­wer­ke.

Bleibt die Fra­ge: Hat das Hand­werk gol­de­nen Bo­den? Ant­wort: Ja – aber drü­ber zu ge­hen, ist manch­mal schwer wie Blei.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.