Zim­mer­mäd­chen zieht vor Ge­richt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

Ei­ne 33-jäh­ri­ge Frau hat­te in ei­nem Kö-Ho­tel ge­ar­bei­tet und for­dert 6000 Eu­ro.

Um rund 6000 Eu­ro Lohn sieht sich ei­ne 33-jäh­ri­ge Frau be­tro­gen, nach­dem sie von ei­ner Rei­ni­gungs­fir­ma fast neun Mo­na­te lang als Zim­mer­mäd­chen in ei­nem No­belHo­tel an der Kö ein­ge­setzt war. Ges­tern zog sie vors Ar­beits­ge­richt, kämpft um Rest­lohn, ver­langt ein sau­be­res Ar­beits­zeug­nis und an­geb­lich nicht ab­ge­gol­te­ne Ur­laubs­an­sprü­che. Den Rich­tern fehl­ten zu Pro­zess­be­ginn aber noch zu vie­le Un­ter­la­gen, Be­le­ge und Aus­sa­gen, um ein Ur­teil zu fäl­len.

Ab­ge­rech­net wur­de die Tä­tig­keit der Klä­ge­rin von ih­rem Ar­beit­ge­ber, ei­ner Spe­zi­al­fir­ma für Ho­tel­rei­ni­gung und -ser­vice, über St­un­den­zet­tel. Die Be­le­ge wur­den ab­ge­zeich­net von ihr und ei­ner Vor­ge­setz­ten. Dem­nach soll die 33-Jäh­ri­ge von Fe­bru­ar bis Ok­to­ber 2015 im Kö-Ho­tel durch­schnitt­lich 4,8 St­un­den für je 9,55 Eu­ro brut­to ge­ar­bei­tet ha­ben. Ab­ge­zo­gen wur­den ei­ne Mit­tags­pau­se und ein Pau­schal­be­trag von 3,57 Eu­ro täg­lich fürs Es­sen in der Kan­ti­ne. Die Klä­ge­rin macht aber ei­ne ganz an­de­re Rech­nung auf. Sie ha­be viel mehr ge­leis­tet, näm­lich acht St­un­den täg­lich ge­putzt, für ei­ne Mit­tags­pau­se oder ein Es­sen ha­be sie gar kei­ne Zeit ge­habt. Auch sei sie nicht per St­un­de ver­gü­tet wor­den, son­dern pro Ho­tel­zim­mer.

Und die Zeit­vor­ga­ben für die Zim­mer-Rei­ni­gung (30 Mi­nu­ten für ein nor­ma­les Zim­mer, 45 Mi­nu­ten für ei­ne Sui­te) sei­en viel zu knapp ge­we­sen, um das zu schaf­fen. Ihr ExAr­beit­ge­ber be­haup­tet je­doch, die An­sprü­che der Klä­ge­rin wä­ren laut Ar­beits­ver­trag schon in­ner­halb von drei Mo­na­ten ver­fal­len. Hier schrit­ten die Rich­ter ein. We­nigs­tens der Min­dest­lohn (8,50 Eu­ro pro St­un­de) kön­ne gar nicht ver­fal­len. Un­klar ist auch, in wel­chem Um­fang die Klä­ger als „Teil­zeit­kraft“zur Ar­beit ver­pflich­tet war.

Ob die An­sprü­che der Klä­ge­rin be­rech­tigt sind, sei der­zeit „völ­lig of­fen“, so die Vor­sit­zen­de. Vor ei­nem Ur­teil müs­se noch ge­klärt wer­den, ob und wel­che münd­li­chen Ab­spra­chen es gab, wie das Ar­beits­ver­hält­nis in der Pra­xis aus­sah, wer die St­un­den­zet­tel der Klä­ge­rin ab­ge­zeich­net ha­be und ob Zeu­gen wo­mög­lich be­stä­ti­gen, dass die Klä­ger min­des­tens acht St­un­den täg­lich ge­ar­bei­tet ha­be. Erst dann sei zu klä­ren, ob das Zim­mer­mäd­chen „viel­leicht mehr Ar­beit ge­leis­tet hat, als per St­un­den­zet­tel ab­ge­rech­net wur­de“. Rund um die­se Fra­gen wird am 9. Sep­tem­ber wei­ter ver­han­delt.

FOTO: WUK

Die Klä­ge­rin bei dem Ter­min vor dem Ar­beits­ge­richt.

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