Düs­sel­dorf fei­ert sei­ne Büd­chen

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON TORS­TEN THISSEN

Am 20. Au­gust soll der ers­te Düs­sel­dor­fer Büd­chen­tag ei­ner rhei­ni­schen In­sti­tu­ti­on hul­di­gen. Vor al­lem aus der Of­fSze­ne be­tei­li­gen sich Künst­ler und Mu­si­ker an der Ak­ti­on in den Stadt­tei­len.

BILK Das Büd­chen über­nimmt ja ei­ne so­zia­le Auf­ga­be im Stadt­teil, sagt Chris­ti­an Düch­tel. Vor dem Ver­kaufs­tre­sen sei­en eben al­le gleich, sagt Chris­toph Doh­men und Tom Mil­ler fügt hin­zu, dass je­der in Düs­sel­dorf ja et­was mit dem Büd­chen ver­bin­de. Sa­scha Ma­te­sic wie­der­um sieht beim Büd­chen vor al­lem die so­zia­le Kom­po­nen­te im Vor­der­grund. Sie sind die Initia­to­ren des ers­ten Düs­sel­dor­fer Büd­chen­ta­ges, der stadt­weit am 20. Au­gust be­gan­gen wer­den soll. Viel Zu­spruch hät­ten sie für die Idee be­kom­men, sa­gen sie. Büd­chen sei­en lo­ka­le Kultur, ein­zig­ar­tig, un­ver­wech­sel­bar.

Be­dri Ponak ser­viert ih­nen Kaf­fee und Ma­te-Tee. Seit fünf Jah­ren ar­bei­tet er 13 St­un­den am Tag in sei­nem Büd­chen an der Bach­stra­ße, das vor­her von sei­nen El­tern be­trie­ben wur­de. Am An­fang hat­te er bis 24 Uhr auf, jetzt aber nur noch bis 22 Uhr, weil er die letz­ten zwei St­un­den eher al­lei­ne ver­brach­te. Ponak freut sich na­tür­lich, wenn sei­ne Be­mü­hun­gen ge­wür­digt wer­den, er hängt die Pla­ka­te zum Büd­chen­tag auf, so dass sie je­der gleich sieht.

Düch­tel ist von Haus aus DJ, je­mand, der sich in der Sze­ne um­treibt, des­sen Be­geis­te­rung so an­ste­ckend ist, dass es so­gar ge­lun­gen ist, die Stadt zum Büd­chen­tag mit ins Boot zu ho­len. Bis­her ma­chen 15 Büd­chen mit. Es kön­nen aber noch mehr wer­den, es ge­he bei der Ak­ti­on ja auch dar­um, die Ei­gen­in­itia­ti­ve der Büd­chen-Be­trei­ber zu för­dern. Nun wol­len Düch­tel und Co. nicht über­all die gro­ße Ak­ti­on, den Rave, die Par­ty, es geht eher dar­um, klei­ne Ak­zen­te zu set­zen. Und wenn ein Büd­chen-Be­sit­zer le­dig­lich die von ver­schie­de­nen DJs ge­mix­ten Son­ga ab­spie­len will, sei das „kein Pro­blem“, so die Initia­to­ren. Auf Sound­cloud kann sich je­der die Lie­der zur Büd­chen­kul­tur be­reits jetzt an­hö­ren (www.sound­cloud.com/ trink­hal­le­ste­h­ca­fe). Das kom­plet­te Pro­gramm steht zwar noch nicht, doch soll an al­len teil­neh­men­den Büd­chen ir­gend­et­was ge­bo­ten wer­den. Vie­le Künst­ler und Ver­an­stal­ter aus der lo­ka­len Sze­ne be­tei­li­gen sich be­reits. An­ge­dacht sind bei­spiels­wei­se ein Büd­chen-Bin­go, Thea­ter­per­for­man­ces, Poe­try Slam, Le­sun­gen, di­ver­se Aus­stel­lun­gen und ein Chor. Auch über ei­ne Büd­chen­füh­rung wur­de ge­spro­chen und ei­ne Schnit­zel­jagd auf Fahr­rä­dern ent­lang der Büd­chen ge­plant. Die Ein­bin­dung von Kunst–, und Kul­tur­ver­ei­nen in die Ak­ti­on ist Teil des Kon­zepts. Es wur­den bis­her Vor­ge­sprä­che mit den Initia­ti­ven am Frie­dens­platz, der Bür­ger­initia­ti­ve Les­sing­platz, Kö­ni­gin­nen und Hel­den und Fin­gern mo­bil ge­führt. Tom Mil­ler meint, dass sich die Büd­chen auch ver­än­dert ha­ben, of­fe­ner sind als frü­her. Auch hier fin­de der- zeit ein Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel statt. Jun­ge Leu­te über­neh­men die Büd­chen ih­rer El­tern oder ma­chen neue auf. Sie wol­len und müs­sen den Kun­den mehr bie­ten als Zi­ga­ret­ten und Fla­schen­bier. Kunst, Kultur, fair ge­han­del­ter Kaf­fee.

Auch Be­dri Ponak hat­te die­se Er­kennt­nis. Am meis­ten ver­kauft er Zi­ga­ret­ten, doch all­zu viel kommt da­bei nicht in die Kas­se. Er hat die Stadt im­mer­hin da­zu ge­bracht, den Platz vor sei­nem Büd­chen neu zu plat­tie­ren. Nun ver­kauft er Milch­kaf­fee und dem­nächst wohl auch Bröt­chen.

RP-FOTO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Chris­ti­an Düch­tel, Tom Mil­ler, Be­dri Po­nik, Sa­scha Ma­te­sic und Chris­toph Doh­men (v.l.) wol­len die Büd­chen­kul­tur stär­ken.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.