Ein Hort für Ober­bil­ker Fa­mi­li­en

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STADTTEILE - VON SEMIHA ÜNLÜ

Mit dem Ca­fé Kin­der­wa­gen will die evan­ge­li­sche Fa­mi­li­en­bil­dung vor al­lem El­tern mit Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te er­rei­chen. Da­für zie­hen die Mit­ar­bei­ter mit ei­nen Ba­by­wa­gen, ge­füllt mit Kaf­fee und Fly­ern, durch den Stadt­teil.

OBERBILK Frei­tags um kurz vor 11.30 Uhr gibt es vor dem Ober­bil­ker Stadt­teil-Treff der evan­ge­li­schen Fa­mi­li­en­bil­dung (efa) meist ei­nen klei­nen, aber nett an­zu­se­hen­den Stau: Denn dann reiht ei­ne Mut­ter nach der an­de­ren ih­ren Kin­der­wa­gen ein, um mit ih­rem Ba­by zum Ca­fé Kin­der­wa­gen zu ge­hen. Das Ca­fé ist aber ei­gent­lich kein Gas­tro­no­mie-Be­trieb, son­dern ein gro­ßer, hell und freund­lich ein­ge­rich­te­ter Raum, in dem sich El­tern mit ih­ren Ba­bys bis zu ei­nem Jahr bei ei­ner Tas­se Kaf­fee aus­tau­schen kön­nen und auch fach­kun­di­ge Tipps für Fra­gen rund um Er­zie­hung und Ge­sund­heit er­hal­ten. Denn zum Kon­zept ge­hört es, dass im­mer ei­ne Päd­ago­gin und ei­ne Kin­der­kran­ken­schwes­ter da­bei sind.

Vor ei­nem Jahr hat die efa die­ses kos­ten­lo­se An­ge­bot in Ko­ope­ra­ti­on mit Ju­gend- und Ge­sund­heits­amt in Oberbilk, dem Düs­sel­dor­fer Stadt­teil mit der höchs­ten Dich­te an Zu­wan­de­rern, ge­schaf­fen, um ge­nau die­se zu er­rei­chen. Und wenn man die vie­len Müt­ter mit tür­ki­schen, ma­rok­ka­ni­schen, ja­pa­ni­schen, chi­ne­si­schen oder auch viet­na­me­si­schen Wur­zeln an­sieht, wie sie sich leb­haft un­ter­hal­ten, mit ih­ren Neu­ge­bo­re­nen spie­len, ihr Ba­by wie­gen las­sen oder sich Er­näh­rungs­tipps ho­len, scheint das Kon­zept auf­zu­ge­hen. Doch ein­fach sei es seit der Er­öff­nung vor zwölf Mo­na­ten nicht ge­we­sen, Müt­ter und Vä­ter aus dem Stadt­teil zu er­rei­chen, sagt An­ge­li­ka Weiß, die Lei­te­rin des Ober­bil­ker Fa­mi­li­en­treffs.

Oft müs­se man Hemm­schwel­len ab­bau­en, sagt sie. So ge­be es zum Bei­spiel Fa­mi­li­en mit mus­li­mi­schem Glau­ben, die nicht wüss­ten, dass auch sie in ei­ner Stät­te, die mit evan­ge­lisch über­schrie­ben ist, will­kom­men sei­en. Ei­ni­ge Müt­ter ha­be man so­gar bis zum efa-Fa­mi­li­en­treff be­glei­ten müs­sen, sagt Ra­mo­na Ch­le­big. Sie ist Team­lei­te­rin des So­zi­al­päd­ia­tri­schen Di­ens­tes der Stadt, der si­cher­stel­len will, dass me­di­zi­nisch un­ter­ver­sorg­te und/ oder so­zi­al be­nach­tei­lig­te Kin­der er­reicht und ge­sund­heit­lich, kör­per­lich, see­lisch und geis­tig be­treut und ge­för­dert wer­den.

„Das Ca­fé Kin­der­wa­gen ist ei­ne si­che­re An­lauf­stel­le für Fa­mi­li­en al­ler Na­tio­na­li­tä­ten ge­wor­den. Die­ser Ort ist so kost­bar und be­son­ders, weil wir Men­schen un­ter­schied­lichs­ter Kul­tu­ren und Mi­lieus zu­sam­men­brin­gen und sie er­fah­ren, dass al­le das ers­te Jahr nach der Ge­burt als gro­ße Her­aus­for­de­rung er­le­ben“, sagt An­ge­li­ka Weiß.

„Im­mer wie­der be­ob­ach­ten wir, dass El­tern be­las­tet her­kom­men und uns deut­lich er­leich­tert ver­las­sen“, sagt auch Curt Schulz, Ge­schäfts­füh­rer des Evan­ge­li­schen Bil­dungs­werks Düs­sel­dorf. Ge­ra­de im ers­ten Jahr nach der Ge­burt bräuch­ten El­tern Un­ter­stüt­zung und ei­nen Ort, an dem sie sich un- ge­zwun­gen über Fra­gen und Pro­ble­me aus­tau­schen könn­ten. Dass das An­ge­bot of­fen ist, El­tern sich nicht an­mel­den müs­sen, sei da­bei wich­tig.

Um Fa­mi­li­en mit Neu­ge­bo­re­nen und spe­zi­ell auch sol­che mit Zu­wan­de­rungs­ge­schich­te in Oberbilk zu er­rei­chen, ist das efa-Team im­mer wie­der mit ei­nem Kin­der­wa­gen, der mit Ge­trän­ken, Fly­ern und Pro­gramm­hef­ten be­füllt wird, im ge­sam­ten Stadt­teil un­ter­wegs. Denn nur über Pla­ka­te oder Fly­er, die ir­gend­wo hän­gen, wür­de man die Fa­mi­li­en oft nicht er­rei­chen kön­nen. „Das per­sön­li­che Ge­spräch ist meis­tens ent­schei­dend“, sagt An­ge­li­ka Weiß.

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