Ba­ro­cker Charme in Bamberg

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - REISE&WELT - VON AN­KE KRO­NE­MEY­ER

Schlös­ser, Alt­stadt und uri­ge Braue­rei­en: So prä­sen­tiert sich die Stadt im frän­ki­schen Stei­ger­wald.

Der wei­ße Pu­der ist noch nicht ganz gleich­mä­ßig im Ge­sicht ver­teilt, die Pe­rü­cke sitzt ein biss­chen schief, aber sonst kommt die­ser Jus­tus zu Eck­stein ta­del­los da­her. Na gut: ein biss­chen alt­mo­disch schon. Sein Aus­druck – häu­fi­ger fällt das Wort „treff­lich” – und sein Ha­bi­tus las­sen auf gu­te Er­zie­hung, aber auch ein et­was hö­he­res Al­ter schlie­ßen. Kein Wun­der: Bei dem Herrn aus der Ba­rock­zeit han­delt es sich um die rech­te Hand des Bi­schofs. Na­tür­lich nur im Spiel. Im rich­ti­gen Le­ben be­glei­tet Tou­ris­ten­füh­rer Jost Loh­mann die Grup­pe in sei­nem ba­ro­cken Ko­s­tüm leicht, lo­cker und kennt­nis­reich durch Bamberg.

Die Stadt ist so sehr „Ba­rock“wie kaum ei­ne an­de­re Stadt in der Re­gi­on. Denn als Lothar Franz Schön­born als Kur­fürst, Erz­bi­schof und Erz­kanz­ler viel zu sa­gen hat­te, emp­fahl er al­len Bam­ber­gern, ih­re Häu­ser in ba­ro­cker Ma­nier zu ver­zie­ren. Er ver­sprach al­len da­für Steu­er­frei­heit – das lie­ßen sich rund um 1700 vie­le nicht zwei­mal sa­gen. Und weil vie­les von dem al­ten Prunk noch er­hal­ten ist, prä­sen­tiert sich die Re­gi­on in vol­ler Ba­rock-Pracht – in­klu­si­ve der zahl­rei­chen Schlös­ser, die es zu be­sich­ti­gen gibt.

Bamberg ist ei­ne pul­sie­ren­de bay­risch-frän­ki­sche Stadt mit gro­ßem tou­ris­ti­schen Zu­lauf. Vier bis fünf Mil­lio­nen Gäs­te kom­men pro Jahr, um das Welt­kul­tur­er­be an der Reg­nitz zu ent­de­cken. Das geht zum ei­nen über die Ar­chi­tek­tur mit ih­ren rund 1500 Ein­zel­denk­mä­lern zwi­schen al­tem Rat­haus und Dom, aber auch durch das Le­bens­ge­fühl der Fran­ken. Al­lein, dass es im­mer noch zahl­rei­che Bier-Braue­rei­en in der Re­gi­on gibt und die­ses Bier flei­ßig aus­ge­schenkt wird, fin­den die Tou­ris­ten nicht nur beim Sou­ve­nir­kauf toll. Die üb­ri­gens auch ger­ne mal ein paar Bam­ber­ger Hörn­le (Kar­tof­feln) oder Süß­holz mit nach Hau­se neh­men – nur zwei von vie­len Spe­zia­li­tä­ten der Stadt. Ne­ben der rus­ti­kal­frän­ki­schen Kü­che na­tür­lich.

Zwei Schlös­ser in der Re­gi­on um Bamberg sind be­son­ders er­wäh­nens­wert: Schloss Reich­manns­dorf und Schloss Weis­sen­stein, bei­de nur 16 Ki- lo­me­ter von­ein­an­der ent­fernt. Bei­de sind von Bau­meis­ter Jo­hann Di­ent­zen­ho­fer (16631726) ge­baut wor­den. Reich­manns­dorf für die Fa­mi­lie de­rer von Schrot­ten­berg, Weis­sen­stein als Som­mer­re­si­denz für den ein­fluss­rei­chen Lothar Franz Schön­born.

Schloss Reich­manns­dorf in Schlüs­sel­feld ent­stand zwi­schen 1714 und 1719 und wur­de bis vor kur­zem noch von den letz­ten Schrot­ten­berg-Er­ben be­wohnt. Jetzt ge­hört es ei­nem In­ves­to­ren-Kon­sor­ti­um, das es nach und nach re­no­vie­ren will. Aber: Es ge­hört auch zum be­nach­bar­ten Ho­tel, das von der Düs­sel­dor­fer Lindner-Grup­pe be­trie­ben wird. Von dort kön­nen zum Bei­spiel Ta­gun­gen im Schloss-Am­bi­en- te ge­bucht wer­den, vor den Tü­ren des mehr als 300 Jah­re al­ten Ge­bäu­des kann auf dem 18-Loch-Platz zu­dem Golf ge­spielt wer­den. Und weil der Ba­rock ei­ne ent­schei­den­de Rol­le in der Ar­chi­tek­tur spielt, gibt es auch Ba­ro­ckAben­de mit au­then­ti­scher Kü­che im Ho­tel. Über das Ho­tel wer­den auch Füh­run­gen durch die hoch­herr- schaft­li­chen Räu­me an­ge­bo­ten.

Ge­nau­so wie im Schwes­terSchloss in Pommersfelden. Dort wer­den pro Jahr 30.000 Be­su­cher ge­zählt, die sich Oran­ge­rie, al­te Kü­che und vor al­lem die un­schätz­ba­re Ge­mäl­de­ga­le­rie an­se­hen wol­len. Bil­der von Ru­bens, Breu­ghel, Dü­rer, Ti­zi­an und van Dyck hän­gen dort seit 1715. „Es wur­de nichts ge­plün­dert, nichts zer­stört”, wie Schloss-Füh­re­rin An­toi­net­te Fehlin­ger er­zählt. Die­se Samm­lung gilt als ei­ne der größ­ten Pri­vat­samm­lun­gen Al­ter Meis­ter im deutsch­spra­chi­gen Raum. Aber auch der Mar­mor­saal oder der über­aus kit­schi­ge Grot­ten­saal sind ganz be­son­de­re Se­hens­wür­dig­kei­ten. Lan­ge war in der An­la­ge ein Ho­tel un­ter­ge­bracht, noch heu­te nutzt es Fa­mi­lie Schön­born für ei­nen Auf­ent­halt im Som­mer.

Stadt­füh­rer Jus­tus zu Eck­stein geht mit sei­ner Grup­pe im­mer noch durch die Stadt, wird mehr­fach von an­de­ren Tou­ris­ten an­ge­lacht und um ein „Sel­fie“ge­be

ten. Das kann der Mann aus dem Ba­rock na­tür­lich nicht ken­nen, bie­tet sich aber keck als Fo­to­mo­dell an. Und er­zählt vom Ro­sen­gar­ten am Dom, vom Frei­luft­thea­ter, das Ku­lis­se für den Hol­ly­wood­film „Die drei Mus­ke­tie­re“war, vom Fürs­ten­por­tal und vor al­lem der „hol­den Weib­lich­keit“, die es doch über die Jahr­hun­der­te sei­nen Al­ters­ge­nos­sen im­mer wie­der an­ge­tan hat. Die Re­dak­ti­on wur­de von der Lindner Ho­tel­grup­pe zu der Rei­se ein­ge­la­den.

FOTO: THINKSTOCK/SI­MON DANNHAUER

Das Al­te Rat­haus wur­de in die Reg­nitz ge­baut.

FOTO: KRONEMYER

Mit Jus­tus zu Eck­stein ali­as Jost Loh­mann geht es durch die Stadt

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