Ein lan­ger Weg zum Tur­nier­er­folg

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DIE TIERWELT - VON BRI­GIT­TE BONDER FOTO: CHIO AA­CHEN / MICHA­EL STRAUCH

Sie tan­zen durch das Dres­sur­vier­eck, über­win­den ele­gant die bun­ten Stan­gen des Spring­par­cours und ja­gen blitz­schnell durch die Na­tur – bei gro­ßen Tur­nie­ren wie dem CHIO kön­nen die Zu­schau­er die Viel­sei­tig­keit des Pfer­de­sports haut­nah er­le­ben.

Reit­tur­nie­re er­freu­en sich seit Jah­ren gro­ßer Be­liebt­heit, be­son­ders bei in­ter­na­tio­na­len Cham­pio­na­ten wie dem CHIO in Aa­chen sind die Ti­ckets be­gehrt. Wäh­rend in Rei­ter­krei­sen die Dres­sur die be­lieb­tes­te Dis­zi­plin ist, be­geis­tert sich das Nicht­fach­pu­bli­kum be­son­ders für die Spring­prü­fun­gen, de­ren Be­wer­tung für Lai­en leich­ter nach­zu­voll­zie­hen ist. Doch so ein­fach, wie es bei Spit­zen­rei­tern, et­wa Isa­bell Werth in der Dres­sur oder Mar­cus Eh­ning im Sprin­gen, oft­mals aus­sieht, ist der Sport nicht. Rei­ter und Pfer­de ha­ben be­reits ei­ne lan­ge Aus­bil­dung hin­ter sich, wenn sie an gro­ßen Prü­fun­gen teil­neh­men dür­fen.

„Beim Na­tio­nen­preis im Dres­sur­rei­ten, dem CDIO in Aa­chen, dür­fen laut Aus­schrei­bung nur Rei­ter star­ten, die bei zwei ver­schie­de­nen CDI3*/ CDI4* in­ner­halb der letz­ten zwölf Mo­na­te ein Er­geb­nis von min­des­tens 64 Pro­zent­punk­ten im Grand Prix er­reicht ha­ben“, er­klärt Dr. Den­nis Pei­ler, Ge­schäfts­füh­rer des Deut- schen Olym­pia­de-Ko­mi­tees für Rei­te­rei. Die Ab­kür­zung CDI steht für Con­cours de Dres­sa­ge In­ter­na­tio­nal und be­zeich­net ein in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­tes Tur­nier im Dres­sur­rei­ten. Die ver­lang­ten Prü­fungs­le­vel 3 und 4 sind be­reits äu­ßerst an­spruchs­voll und rei­chen bis zum so­ge­nann­ten Grand Prix Spe­cial, der schwers­ten in­ter­na­tio­na­len Dres­sur­prü­fung mit fest­ge­leg­tem Prü­fungs­ab­lauf. Bis da­hin ist es be­son­ders für den Leis­tungs­sport­ler Pferd ein lan­ger Weg.

Im Rah­men des CHIO ge­hen die welt­bes­ten Rei­ter und Pfer­de an den Start, die al­le mal klein an­ge­fan­gen ha­ben. „Wir un­ter­schei­den Ein­stei­ger- und brei­ten­sport­li­che Tur­nie­re, klas­si­sche na­tio­na­le Tur­nie­re und in­ter­na­tio­na­le Tur­nie­re im In- und Aus­land“, er­klärt Pei­ler. „Für al­le gibt es ganz un­ter­schied­li­che Teil­nah­me­be­din­gun­gen, die je­doch al­le das Ziel ha­ben, in den je­wei­li­gen Prü­fun­gen ho­mo­ge­ne Star­ter­fel­der zu er­zeu­gen.“Das be­deu­tet, dass al­le Pfer­de und Rei­ter in der Dres­sur- oder Spring­prü­fung auf ei­nem ähn­li­chen Leis­tungs­stand un­ter­wegs sind.

Bis ein Pferd je­doch beim CHIO ins Dres­sur­vier­eck oder in den Par­cours ein­zie­hen darf, dau­ert es meh­re­re Jah­re. „Im deut­schen Tur­nier­sys­tem spie­gelt sich die Ent­wick­lung über die wach­sen­den An­for­de­run­gen von der An­fangs­stu­fe A über leich­te, mitt­le­re und schwe­re Prü­fun­gen wi­der“, sagt der Ex­per­te. „Im Ide­al­fall klet­tert ein Pferd bei ent­spre­chen­dem Ta­lent und kon­se­quen­tem Trai­ning je­des Jahr ei­ne Stu­fe nach oben, vier­jäh­rig be­gin­nend mit der Klas­se A.“

Um in der schwe­ren Klas­se star­ten zu dür­fen, muss ein Pferd na­tio­nal so­mit min­des­tens sie­ben Jah­re alt sein, oft­mals sind die teil­neh­men­den Tie­re je­doch äl­ter. Zahl­rei­che Se­ri­en be­rei­ten Rei­ter und Pfer­de sys­te­ma­tisch auf die an­spruchs­vol­len Auf­ga­ben ei­nes gro­ßen Tur­niers vor. Auch in­ner­halb der schwe­ren Klas­se gibt es wei­te­re Ab­stu­fun­gen, für die die Pfer­de ent­spre­chen­de Rei­fe und Er­fah­rung brau­chen. „Beim Gro­ßen Preis von Aa­chen im letz­ten Jahr war das jüngs­te Pferd neun, das äl­tes­te 18 Jah­re alt“, sagt Pei­ler. „Ein Drit­tel al­ler Pfer­de war zwi­schen zehn und zwölf Jah­ren alt.“

Hin­ter je­dem der Er­folgs­pfer­de steckt auch ein gu­tes Ma­nage­ment. Da­zu ge­hö­ren ne­ben der rich­ti­gen Füt­te­rung auch ei­ne sport­me­di­zi­ni­sche Be­treu­ung und der pas­sen­de Huf­be­schlag. Das Trai­ning muss ab­wechs­lungs­reich ge­stal­tet wer­den, au­ßer­dem er­folgt ei­ne ge­ziel­te Sai­son­pla­nung mit ei­nem do­sier­ten Tur­nier­ein­satz in Rich­tung Sai­son­hö­he­punkt und ent­spre­chen­den Er­ho­lungs­pau­sen da­zwi­schen. „Wer wann und wie häu­fig star­tet, hängt dann in­di­vi­du­ell von je­dem ein­zel­nen Pferd ab“, sagt Pei­ler.

Zahl­rei­che Se­ri­en be­rei­ten Rei­ter und

Pfer­de auf die an­spruchs­vol­len

Auf­ga­ben vor

Beim CHIO ge­hen die welt­bes­ten Rei­ter und Pfer­de an den Start, und sie al­le ha­ben ein­mal klein an­ge­fan­gen.

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