Was für Singles beim Im­mo­bi­li­en­kauf gilt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - BERUF KARRIERE & - VON MO­NI­KA HIL­LE­MA­CHER

Bei der Aus­wahl des Ob­jek­tes und der Fi­nan­zie­rung soll­ten Al­lein­ste­hen­de noch gründ­li­cher vor­ge­hen als ver­hei­ra­te­te Paa­re – und sich ge­gen Aus­fäl­le ab­si­chern.

Ist die Mie­te hoch und das Ein­kom­men si­cher, kann ein Im­mo­bi­li­en­kauf auch für Singles ei­ne Über­le­gung wert sein. Vor­aus­ge­setzt, sie ha­ben ge­nug Ei­gen­ka­pi­tal. Bis da­hin un­ter­schei­den sich die Kri­te­ri­en für Al­lein­ste­hen­de nicht be­son­ders von de­nen für ver­hei­ra­te­te Paa­re. Doch Singles soll­ten bei der Su­che nach ei­ner Im­mo­bi­lie ih­re wei­te­re Le­bens­pla­nung be­den­ken – al­so Grö­ße, La­ge und Aus­stat­tung ent­spre­chend dar­auf ab­stim­men.

Es macht we­nig Sinn, 70 Qua­drat­me­ter zu kau­fen, wenn man un­ter Um­stän­den spä­ter ei­ne Fa­mi­lie grün­den will, er­klärt Hart­mut Schwarz von der Ver­brau­cher­be­ra­tung Bre­men. Er führt aus: „Zieht ein Part­ner ein, oder ein Kind kommt, taugt die Woh­nung nicht mehr. Sie ist zu klein.“

An­de­rer­seits ist ge­ra­de der Er­werb ei­ner klei­nen Woh­nung für Singles meist fi­nan­zi­ell eher zu stem­men. Zu­sätz­lich zum Kauf­preis, der vor al­lem in Bal­lungs­ge­bie­ten hoch ist, müs­sen sie mit Kauf­ne­ben­kos­ten rech­nen. Die lie­gen je nach Bun­des­land zwi­schen fünf und 15 Pro­zent. Ad­diert man dann noch die Wohn­ne­ben­kos­ten hin­zu, kann sich die mo­nat­li­che Be­las­tung bei ei­nem Dar­le­hen von 215.000 Eu­ro schnell auf 1000 Eu­ro und mehr sum­mie­ren. An­ge­sichts die­ser Be­trä­ge müs­sen Al­lein­ste­hen­de ge­nau rech­nen, wel­che Im­mo­bi­lie sie sich leis­ten kön­nen.

„Singles ha­ben den Nach­teil, dass bei ver­än­der­ten Le­bens­um­stän­den kein Part­ner ein­springt“, er­läu­tert Max Herbst von der FMH-Fi­nanz­be­ra­tung. Des­halb soll­te die Fi­nan­zie­rung so an­ge­legt wer­den, dass sie die Hy­po­thek auch in wirt­schaft­lich schlech­te­ren Zei­ten til­gen kön­nen. Aus die­sem Grund brau­chen Al­lein­ste­hen­de in der Re­gel mehr Ei­gen­ka­pi­tal als Paa­re. Wäh­rend Ver­hei­ra­te­te mit 30 Pro­zent der Kre­dit­sum­me kal­ku­lie­ren, soll­ten Singles zu­sätz­lich noch min­des­tens die Kauf­ne­ben­kos­ten bei­steu­ern. „30 Pro­zent plus Ne­ben­kos­ten sind op­ti­mal“, sagt Schwarz. Ein Ne­ben­ef­fekt: Das hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal re­du­ziert die Kre­dit­be­las­tung.

Ban­ken stel­len of­fi­zi­ell an die Bo­ni­tät der Singles kei­ne hö­he­ren An­for­de­run­gen als bei an­de­ren Dar­le­hens­neh­mern. Herbst ist aber da­von über­zeugt, dass die In­sti­tu­te et­was ge­nau­er hin­schau­en, wenn nur ei­ne Per­son als Ei­gen­tü­mer und Kre­dit­neh­mer da ist. Der Grund: In der neu­en Wohn­im­mo­bi­li­en­kre­dit­richt­li­nie gibt es Vor­ga­ben zur lang­fris­ti­gen Bo­ni­täts­prü­fung. „Ge­ra­de des-

Max Herbst we­gen über­le­gen Ban­ken zwei­mal, was pas­siert, wenn die Ein­zel­per­son ar­beits­los wer­den soll­te oder sich Nach­wuchs ein­stellt“, er­klärt er.

Al­lein­ste­hen­de Im­mo­bi­li­en­käu­fer und Bau­her­ren brau­chen al­so Re­ser­ven, um ih­re Fi­nan­zie­rung ab­zu­si­chern. Sie soll­ten bes­ser Geld für Not­fäl­le bei­sei­te le­gen, statt je­den Eu­ro in Son­der­til­gun­gen zu ste­cken, rät Ver­brau­cher­schüt­zer Schwarz. Ver­mie­ten­de Ei­gen­tü­mer be­nö­ti­gen min­des­tens ei­ne Net­to­jah­res­kalt­mie­te, da­mit sie die mo­nat­li­che Kre­dit­be­las­tung auch bei Miet­aus­fäl­len ver­kraf­ten.

Die Rück­zah­lung des Dar­le­hens kann aber auch durch ei­ne Krank­heit oder Ar­beits­lo­sig­keit ins Sto­cken ge­ra­ten. Die­ses Ri­si­ko kön­nen Käu­fer mit Ver­si­che­run­gen ab­si­chern. Bi­an­ca Boss vom Bund der Ver­si­cher­ten emp­fiehlt: Kre­dit­neh­mer soll­ten ei­ne Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen. So kön­nen sie im Fall der Fäl­le zu­min­dest den Aus­fall des Ein­kom­mens kom­pen­sie­ren und die Hy­po­thek wei­ter til­gen.

Ver­än­dert sich die Le­bens­pla­nung, wird die Woh­nung un­ter Um­stän­den zu klein für den Ei­gen­tü­mer. Dann soll­te man wis­sen: Aus der Fi­nan­zie­rung der ei­ge­nen vier Wän­de aus­zu­stei­gen, ist schwie­rig, aber nicht un­mög­lich. Wer den Kre­dit­ver­trag vor­zei­tig kün­digt, muss da­mit rech­nen, dass die Bank da­für ei­ne Ent­schä­di­gung for­dert, er­läu­tert Schwarz. Aus­nah­me: Der Ver­trag läuft schon mehr als zehn Jah­re, dann kann man ihn in der Re­gel oh­ne wei­te­re Kos­ten auf­lö­sen.

„Singles ha­ben den Nach­teil, dass im Not­fall nicht der Part­ner ein­springt“

FMH-Fi­nanz­be­ra­tung

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