Mit Mi­cro-Mo­bi­len durch Me­ga-Ci­tys

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - AUTO&MOBIL - VON THO­MAS GEI­GER

Die Be­völ­ke­rung welt­weit wächst und mit ihr die Zahl der Mil­lio­nen­Me­tro­po­len. Das Au­to muss sich die­ser Ent­wick­lung an­pas­sen, glau­ben Ex­per­ten. Doch wer jetzt schon klei­ne Fahr­zeu­ge für gro­ße Städ­te sucht, hat nur ei­ne be­schränk­te Aus­wahl.

Fast zehn Mil­li­ar­den Men­schen bis zum Jahr 2050 und zwei Drit­tel da­von in Städ­ten – glaubt man Pro­gno­sen wie de­nen der Ver­ein­ten Na­tio­nen, wird es zu­se­hends en­ger auf der Er­de. Die Vor­her­sa­gen ge­hen da­von aus, dass es be­reits im Jahr 2030 mehr als 40 Städ­te ge­ben wird, in de­nen mehr als zehn Mil­lio­nen Men­schen le­ben. Das hat nicht nur Aus­wir­kun­gen auf un­se­ren All­tag, son­dern auch auf un­se­re Au­tos, glaubt Alex­an­der Man­kow­ski, der für Mer­ce­des in die Zu­kunft blickt: „Denn die Me­ga-Ci­tys von mor­gen er­for­dern an­de­re Mo­bi­li­täts­kon­zep­te und an­de­re Fahr­zeu­ge, als wir sie heu­te ken­nen.“

An­ge­sichts der drang­vol­len En­ge in sol­chen Mil­lio­nen-Me­tro­po­len und der ho­hen Ver­kehrs­dich­te könn­ten klei­ne Au­tos nach der Ein­schät­zung vie­ler For­scher ei­ne gro­ße Zu­kunft ha­ben. Doch be­gon­nen hat der Um­bau des An­ge­bots of­fen­bar noch nicht. Auch wenn Markt­be­ob­ach­ter wie Ben But­lin vom Ana­ly­se-In­sti­tut Ja­to Dy­na­mics zum Bei­spiel in Eu­ro­pa ei­nen deut­li­chen Trend zu klei­ne­ren Fahr­zeu­gen re­gis­trie­ren: Da­von pro­fi­tiert heu­te vor al­lem das so­ge­nann­te B-Seg­ment. Dort ge­ben VW Po­lo, Opel Cor­sa oder Ford Fies­ta den Ton an. Es be­mü­hen sich Neu­hei­ten wie der Opel Karl, der neue Ford Ka+ oder der zu­rück­ge­kehr­te Smart For­four um Auf­merk­sam­keit. In der Klas­se dar­un­ter da­ge­gen ist das An­ge­bot seit ei­ni­gen Jah­ren na­he­zu un­ver­än­dert. Ei­ne Aus­wei­tung ist nicht in Sicht.

Das kleins­te Au­to auf dem deut­schen Markt ist und bleibt der Smart Fort­wo mit sei­nen 2,69 Me­tern. Al­ler­dings: Mit ei­nem Grund­preis von 10.485 Eu­ro ist er längst nicht auch das güns­tigtse Au­to im Land.

Ei­ne hal­be Klas­se dar­über – mit vier statt zwei Sit­zen aus­ge­stat­tet– stür­zen sich schon deut­lich mehr Au­tozwer­ge ins Stadt­ge­wühl. Da­zu ge­hö­ren die bei­den Dril­lings-Fa­mi­li­en To­yo­ta Ay­go, Ci­tro­ën C1 und Peu­geot 108 ab et­wa 9000 Eu­ro auf der ei­nen, und der frisch über­ar­bei­te­te VW Up (ab 9850 Eu­ro), der Seat Mii (8990 Eu­ro) und der Sko­da Ci­tiGo (8970 Eu­ro) auf der an­de­ren Sei­te. Der eng mit dem Smart ver­wand­te Re­nault Twin­go kos­tet mit min­des­tens 9690 Eu­ro gleich viel wie der Su­zu­ki Ce­le­rio.

Weil die­se Klein­wa­gen in der Re­gel nur auf Kurz­stre­cken un­ter­wegs sind, wür­de sich ein Die­sel kaum rech­nen. So wer­den die meis­ten Mi­nis nur als Ben­zi­ner an­ge­bo­ten – oder gleich mit ei­nem Elek­tro­an­trieb. Denn ge­mes­sen an der ge­sam­ten Aus­wahl, gibt es kein an­de­res Seg­ment, in dem mehr Ak­ku-Au­tos an­ge­bo­ten wer­den: VW baut sei­nen Kleins­ten auch als e-Up, Daim­ler setzt nach ei­ner An­kün­di­gung von Ent­wick­lungs­chef Tho­mas We­ber zum Jah­res­en­de wie­der al­le Ver­sio­nen des Smart un­ter Strom. Und Mitsu­bi­shi baut für die­ses Seg­ment mit dem EV so-

Alex­an­der Man­kow­ski gar ein de­si­gnier­tes Elek­tro­au­to. Die­sen EV kann man für 23.790 Eu­ro nicht nur bei den Ja­pa­nern kau­fen, son­dern es gibt das bau­glei­che Au­to über ei­ne Ko­ope­ra­ti­on auch bei Peu­geot für 19.390 Eu­ro als Ion und bei Ci­tro­ën für den iden­ti­schen Preis als C-Ze­ro.

Dass es auch un­ter­halb von Up & Co. durch­aus noch Luft für klei­ne­re Au­tos gibt, zeigt aber nicht al­lein der Smart. Auch zahl­rei­che an­de­re Her­stel­ler ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der Mi­cro-Mo­bi­le für die Me­ga-Ci­tys prä­sen­tiert. Doch Stu­di­en wie der VW Nils oder der Mi­ni Ro­cket­man sind Ein­zel­stü­cke ge­blie­ben. Die Chev­ro­let Electric-Net­work Ve­hi­cles (ENV) ha­ben es nur in Ver­suchs­flot­ten ge­schafft, den To­yo­ta iRoad kann man le­dig­lich im Car­sha­ring fah­ren, und Grenz­gän­ger wie der über­dach­te BMWRol­ler C1 oder der elek­tri­sche Schmal­spur-Zwei­sit­zer Re­nault Twi­zy hat­ten al­len­falls in der Ni­sche Er­folg.

Aber das wird sich wo­mög­lich bald än­dern, sind vie­le Trend­for­scher über­zeugt. Zwar gibt es ak­tu­ell noch kei­ne neu­en Kleinst­wa­gen-Pro­jek­te. Zu­min­dest kei­ne, über die bei den Her­stel­lern schon öf­fent­lich ge­spro­chen wird. Doch spä­tes­tens, wenn in den ers­ten Städ­ten voll au­to­no­me Fahr­zeug­flot­ten un­ter­wegs sind, die ih­re Pas­sa­gie­re wie Ro­bo­ter-Ta­xis durch die Häu­ser­schluch­ten kut­schie­ren und sich an­sons­ten in Park­häu­sern vor der Stadt be­reit hal­ten, könn­te die gro­ße St­un­de der klei­nen Au­tos schla­gen. Nicht um­sonst ist der Pro­to­typ des in Ka­li­for­ni­en ent­wi­ckel­ten Goog­le-Mo­bils ein für ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se fast schon win­zi­ger Klein­wa­gen. Sol­che Sze­na­ri­en als fer­ne Uto­pi­en ab­zu­tun, könn­te wo­mög­lich ein Feh­ler sein, mahnt Jo­hann Jung­wirth, der die Di­gi­ta­li­sie­rung im VW-Kon­zern ver­ant­wor­tet: „In den ers­ten Städ­ten wer­den wir das frü­her er­le­ben, als heu­te al­le den­ken.“

„Die gro­ßen Städ­te er­for­dern an­de­re Mo­bi­li­täts­kon­zep­te

und Fahr­zeu­ge“

Mer­ce­des

FOTO: RE­NAULT

Der elek­tri­sche Zwei­sit­zer Re­nault Twi­zy ist bis­her ein Ni­schen­pro­dukt. Al­ler­dings könn­te sich das in Zu­kunft än­dern, wenn auf den Stra­ßen im­mer mehr los ist.

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