Por­tu­gal siegt auch oh­ne Ro­nal­do

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - EM 2016 - VON THO­MAS HÄBERLEIN UND THO­MAS NOWAG

Gast­ge­ber Frank­reich un­ter­liegt im End­spiel mit 0:1 nach Ver­län­ge­rung. Der por­tu­gie­si­sche Su­per­star muss früh ver­letzt raus.

SAINT-DE­NIS (sid) Erst wein­te Cris­tia­no Ro­nal­do vor Schmerz und Ent­täu­schung, dann ström­ten Trä­nen des Glücks über sei­ne Wan­gen. Oh­ne sei­nen früh ver­letz­ten Su­per­star hat Por­tu­gal den gro­ßen Traum der fran­zö­si­schen Équi­pe tri­co­lo­re zer­stört und über­ra­schend sei­nen ers­ten gro­ßen Ti­tel ge­won­nen. Im Fi­na­le der EM be­sieg­te die Selec­cao das Qui­nas den Gast­ge­ber mit 1:0 (0:0) nach Ver­län­ge­rung – auch oh­ne Ro­nal­do: Die­ser war in der 25. Mi­nu­te wei­nend aus­ge­wech­selt wor­den.

Vor 75.868 Zu­schau­ern im Sta­de de Fran­ce ver­setz­te da­für der ein­ge­wech­sel­te Éder in der 109. Mi­nu­te Frank­reich ei­nen Stich ins Herz. Die Por­tu­gie­sen ge­wan­nen dank sei­nes Tref­fers ei­nen Ti­tel, den sie vor zwölf Jah­ren bei ih­rer EM im End­spiel ge­gen Grie­chen­land ver­lo­ren hat­ten (0:1) – da­mals mit dem 19 Jah­re al­ten Ro­nal­do. Der Su­per­star hat­te in den ver­gan­ge­nen Ta­gen mehr­fach be­tont, wie wich­tig ihm der EM-Sieg sei.

Es hat­te sein gro­ßer Abend wer­den sol­len, doch Ro­nal­do spiel­te schon bald kei­ne Rol­le mehr. Nach ei­nem nicht ge­ahn­de­ten Foul von Di­mi­tri Pay­et (8.) blieb er auf dem Ra­sen lie­gen, spiel­te wei­ter, ging vom Feld, wur­de be­han­delt, be­kam ei­ne Ban­da­ge und kehr­te zu­rück. Dann war doch Schluss, auf ei­ner Tra­ge wur­de Ro­nal­do vom Platz ge­tra­gen. Er wein­te. Vor der Ver­län­ge­rung stand er als Mo­ti­va­tor auf dem Platz.

Frank­reich war über­le­gen und hat­te ei­ne Viel­zahl von Chan­cen, doch auch der neue Volks­held An­toi­ne Griez­mann, der zwei sei­ner sechs EM-Tref­fer im Halb­fi­na­le ge­gen Deutsch­land (2:0) er­zielt hat­te, brach­te den Ball trotz gu­ter Ge­le­gen­hei­ten nicht im Tor des her­vor­ra­gen­den Rui Patri­cio un­ter. Sei­ne größ­te Chan­ce war ein Kopf­ball in der 66. Mi­nu­te.

Por­tu­gal war schon in der re­gu­lä­ren Spiel­zeit nah am Sieg: Frank­reichs Tor­hü­ter Hu­go Llo­ris re­agier­te aber bei ei­ner Flan­ke von Na­ni und dem an­schlie­ßen­den Seit­fall­zie­her von Ro­nal­do-Er­satz Ri­car­do Qua­res­ma groß­ar­tig (80.). Al­ler­dings: In der Nach­spiel­zeit (90.+2) traf der ein­ge­wech­sel­te An­dréPier­re Gignac für die Gast­ge­ber nur den Pfos­ten.

Frank­reich hat­te zum drit­ten Mal in ei­nem EM-Fi­na­le ge­stan­den, konn­te den Ti­teln von 1984 (in Frank­reich) und 2000 (in Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den) aber kei­nen drit­ten hin­zu­fü­gen. Erst­mals nach der EM vor 32 Jah­ren und der WM vor 18 Jah­ren ver­lo­ren die Fran­zo­sen zu­dem ein End­spiel im ei­ge­nen Land.

Von der Équi­pe tri­co­lo­re war mehr er­war­tet wor­den, als nur ein wich­ti­ges Fuß­ball­spiel zu ge­win­nen. Staats­prä­si­dent Fran­cois Hol­lan­de hat­te am Tag des Fi­na­les noch ein­mal be­tont, „die Men­schen brau­chen et­was, um ih­ren Weg zu fin- den“. Ein Auf­trag, den die Blau­en be­reit wa­ren an­zu­neh­men.

Nicht nur die Fran­zo­sen ver­stan­den den Ti­tel­ge­winn als na­tio­na­len Auf­trag, wie Ro­nal­do be­tont hat­te. „Ich ha­be im­mer da­von ge­träumt, et­was mit Por­tu­gal zu ge­win­nen“, sag­te er vol­ler Pa­thos, „ich ver­die­ne es, Por­tu­gal ver­dient es, die Fans ver­die­nen es, je­der Por­tu­gie­se ver- dient es.“Nur: Er konn­te eben nicht mehr mit­wir­ken.

Die Selec­cao, so schien es, war­te­te auf den ei­nen Kon­ter, auf die ei­ne Stan­dard­si­tua­ti­on. Es klapp­te nicht. Der Schuss ins Glück soll­te spä­ter ge­lin­gen. Der in der 79. Mi­nu­te für Re­na­to San­ches ein­ge­wech­sel­te Éder fass­te sich ein Herz und ver­senk­te den Ball aus mehr als 20 Me­tern im Netz. Kurz zu­vor hat­te be­reits der Neu-Dort­mun­der Ra­pha­el Gu­er­rei­ro ei­nen Frei­stoß an die Lat­te ge­setzt (108.).

Auf der Fan­zo­ne am Pa­ri­ser Eif­fel­turm ha­ben sich rund um das Fi­na­le teil­wei­se chao­ti­sche Sze­nen ab­ge­spielt. Die Po­li­zei muss­te Trä­nen­gas und Was­ser­wer­fer ein­set­zen, um Men­schen vom un­er­laub­ten Be­tre­ten des mit 92.000 Fans völ­lig über­füll­ten Mars­fel­des zu hin­dern. Un­weit des Eif­fel­turms kam es we­nig spä­ter zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen der Po­li­zei und Ju­gend­li­chen. Meh­re­re Mo­tor­rol­ler und ein Müll­hau­fen an ei­ner Stra­ßen­kreu­zung wur­den in Brand ge­steckt.

FO­TO: REU­TERS

Sieg­tor: Frank­reichs Tor­hü­ter Hu­go Llo­ris kommt zu spät. Der ein­ge­wech­sel­te Por­tu­gie­se Éder (nicht im Bild) hat­te in der 109. Mi­nu­te ab­ge­zo­gen.

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