Trai­ner Fav­re gei­ßelt das EM-Ni­veau

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - FUßBALL-EM 2016 -

DÜS­SEL­DORF (ths) War es nicht ei­ne herr­li­che Fuß­ball-Eu­ro­pa­meis­ter­schaft? Vier Wo­chen lang hat die schöns­te Ne­ben­sa­che der Welt Mil­lio­nen in ih­ren Bann ge­zo­gen. In fast al­len Län­dern herrsch­te bes­te Stim­mung beim Pu­b­lic Viewing, die Fern­seh­sen­der er­ziel­ten Traum­quo­ten. Al­so al­les bes­tens?

Das sieht Lu­ci­en Fav­re ganz an­ders. Der ehe­ma­li­ge Trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach ist scho­ckiert vom schwa­chen fuß­bal­le­ri­schen Ni­veau. „Vor al­lem die Grup­pen­pha­se war un­fass­bar lang­wei­lig, ein Hor­ror“, sag­te der Schwei­zer dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin Der Spie­gel. Die Ur­sa­che der schlech­ten Qua­li­tät sieht er vor al­lem in der er­heb­li­chen Ver­grö­ße­rung des Teil­neh­mer­fel­des. „Wenn die Ue­fa ei­ne EM mit 24 Mann­schaf­ten spie­len lässt, hat das be­stimmt wirt­schaft­li­che Vor­tei­le. Aber es scha­det dem Spiel.“

Da­bei lässt der Ex­per­te au­ßer je­doch acht, dass ge­ra­de die Au­ßen­sei­ter aus Is­land und Wa­les dem Tur­nier ih­ren Stem­pel auf­ge­drückt und die Mas­sen be­geis­tert ha­ben – na­tür­lich we­ni­ger spie­le­risch und tak­tisch als viel­mehr durch Kampf­geist und Eu­pho­rie. Dass das Teil­neh­mer­feld wie­der re­du­ziert wird, hält Fav­re für aus­ge­schlos­sen: „Es geht seit Jah­ren nicht mehr um das Spiel, son­dern nur noch um Bu­si­ness, Bu­si­ness, Bu­si­ness.“

Das Ge­schäft rund um den Fuß­ball flo­riert, die Zah­len sind be­ein­dru­ckend. Ein­nah­men in Hö­he von 1,93 Mil­li­ar­den Eu­ro ste­hen Aus­ga­ben von 1,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­gen­über – der Ge­winn be­läuft sich auf 830 Mil­lio­nen Eu­ro. „Wir sind sehr zu­frie­den“, sagt Ue­fa-Tur­nier­di­rek­tor Mar­tin Kal­len in ei­ner selt­sa­men Mi­schung aus Un­ter­trei­bung und Be­geis­te­rung.

Aber nicht nur die Ue­fa reibt sich die Hän­de, auch für das Aus­rich­ter­land Frank­reich war das Tur­nier ein gu­tes Ge­schäft. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt steigt um 1,127 Mil­li­ar­den Eu­ro, was ei­ner Stei­ge­rung um 0,5 Pro­zent ent­spricht. Die Er­war­tung wur­de so­mit teil­wei­se recht deut­lich über­trof­fen. Un­ter den 2,5 Mil­lio­nen Zu­schau­ern in den Sta­di­en wa­ren 60 Pro­zent Tou­ris­ten, kal­ku­liert hat­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren mit nur 40 Pro­zent Gäs­te aus dem Aus­land. Al­ler­dings hat­ten die Fran­zo­sen der Ue­fa Zu­ge­ständ­nis­se ge­macht, um den Zu­schlag für die EMEnd­run­de zu er­hal­ten, die sich auf ei­nen steu­er­li­chen Aus­fall von knapp 200 Mil­lio­nen Eu­ro sum­mie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.