Sam­mer hört beim FC Bay­ern auf

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON PATRICK SCHE­RER

Der deut­sche Fuß­ball-Re­kord­meis­ter und sein Sport­vor­stand Mat­thi­as Sam­mer ge­hen ge­trenn­te We­ge. Der 48-Jäh­ri­ge hat ei­ne Auf­lö­sungs-Ver­ein­ba­rung sei­nes bis 2018 lau­fen­den Kon­trakts un­ter­zeich­net.

MÜN­CHEN/DÜS­SEL­DORF Meis­ter­schaft? An Dort­mund ver­lo­ren. DFB-Po­kal? An Dort­mund ver­lo­ren. Fi­na­le da­ho­am? Ge­gen den FC Chel­sea ver­lo­ren. Die Spiel­zeit 2011/ 2012 war ei­ne der bit­ters­ten in der Ge­schich­te des deut­schen Fuß­bal­lRe­kord­meis­ters FC Bay­ern Mün­chen. Es war an der Zeit für fri­schen Wind. Und der kam, als im Som­mer

Karl-Heinz Rum­me­nig­ge 2012 Mat­thi­as Sam­mer den Pos­ten als Sport­vor­stand über­nahm. Vier Meis­ter­schaf­ten, drei DFB-Po­kal­sie­ge und ei­nen Cham­pi­ons-Le­ague-Ti­tel spä­ter en­det die Li­ai­son zwi­schen Sam­mer und den Münch­nern. Der 48-Jäh­ri­ge hat um ei­ne Auf­lö­sung sei­nes bis 2018 lau­fen­den Ver­trags ge­be­ten. „Wir ha­ben Ver­ständ­nis für den Wunsch von Mat­thi­as Sam­mer und ha­ben da­her ent­schie­den, die­sem zu ent­spre­chen“, teil­te Karl Hopf­ner, Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der des FC Bay­ern, ges­tern mit.

Im April war Sam­mer ernst­haft er­krankt. Der FC Bay­ern teil­te da­mals mit, dass sein Sport­vor­stand an ei­ner „win­zi­gen Durch­blu­tungs­stö­rung des Ge­hirns, die kom­plett und fol­gen­los aus­hei­len wird“, er­krankt sei. Sam­mer war seit der Er­kran­kung aber nicht mehr wie ge­wohnt prä­sent. Ges­tern ließ Sam­mer ver­lau­ten: „Mir geht es sehr gut. Mei­ne Ge­sund­heit ist wie­der­her­ge­stellt. Die um­fang­rei­chen me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chun­gen ha­ben dies zu 100 Pro­zent be­stä­tigt.“Als Grund für die Ver­trags­auf­lö­sung gab Sam­mer die Fül­le der Auf­ga­ben an: „Ich hat­te die Mög­lich­keit und die Zeit, über vie­le Din­ge nach­zu­den­ken. Über mei­ne Fa­mi­lie und über mei­ne Tä­tig­keit beim FC Bay­ern Mün­chen. Sport­vor­stand beim FC Bay­ern zu sein, be­deu­tet: sie­ben Ta­ge die Wo­che, 24 St­un­den am Tag mit al­ler Ener­gie dem Klub, der Mann­schaft und auch der Öf­fent­lich­keit zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Die­sen Auf­ga­ben möch­te ich im Mo­ment nicht nach­kom­men.“

Bay­erns Vor­stands­vor­sit­zen­der Karl-Heinz Rum­me­nig­ge er­klär­te: „In den vie­len Ge­sprä­chen mit Mat­thi­as ha­be ich ver­stan­den, dass er in sei­ner Aus­zeit in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ei­ne an­de­re, ei­ne neue Ein­stel­lung zum Le­ben ein­ge­nom­men hat. Er setzt nun an­de­re Prio­ri­tä­ten und da­zu passt die Tä­tig­keit beim FC Bay­ern nicht mehr. Da­für ha­be ich Ver­ständ­nis. In die­sem Fall ist der Mensch wich­ti­ger als der Klub.“

Sam­mer trat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der als Mah­ner auf. Er hat­te sich auf die Fah­ne ge­schrie­ben, nie Zuf­rie­den­heit ein­keh­ren zu las­sen. Zu­frie­den zu sein ist in Sam­mers Ver­ständ­nis von Sport der ers­te Schritt in die Er­folg­lo­sig­keit. Des­halb eck­te er als „Motz­ki“ger­ne und häu­fig an, ge­ra­de ob­wohl es sport­lich gut lief. Kurz nach Amts­an­tritt im Sep­tem­ber 2012 sag­te er nach ei­nem 2:0-Sieg bei Wer­der Bre­men: „Wir wa­ren zu lät­schern. Im Prin­zip war es lan­ge Zeit ein rich­ti­ger Kä­se.“

Dass die Bay­ern in Sam­mers ers­ter Sai­son das Triple aus Meis­ter­schaft, Po­kal und Cham­pi­ons Le­ague hol­ten, wur­de kaum mit ihm in Ver­bin­dung ge­bracht. Dort­munds da­ma­li­ger Trai­ner Jür­gen Klopp sag­te so­gar: „Als Mat­thi­as Sam­mer

„In die­sem Fall ist der Mensch wich­ti­ger

als der Klub“ Vor­stands­vor­sit­zen­der des

FC Bay­ern Mün­chen

wür­de ich je­den Tag Gott dan­ken, dass man ihn da­zu­ge­holt hat. Ich glau­be nicht, dass Bay­ern Mün­chen ei­nen Punkt we­ni­ger hät­te, wenn Mat­thi­as Sam­mer nicht da wä­re.“

Wäh­rend er in­tern ger­ne Fin­ger in Wun­den leg­te, ge­lang es Sam­mer öf­fent­lich aber auch, die Lü­cke von Uli Ho­en­eß zu schlie­ßen. Als der ehe­ma­li­ge Bay­ern-Prä­si­dent we­gen Steu­er­hin­ter­zie­hung ins Ge­fäng­nis muss­te, über­nahm Sam­mer des­sen Job, den Klub in „Mia-san-mia“Ma­nier öf­fent­lich ve­he­ment zu ver­tei­di­gen.

Die Bay­ern teil­ten mit, dass die Stel­le des Sport­vor­stands vor­erst nicht neu be­setzt wird, son­dern sei­ne Rol­le „in­ner­halb be­ste­hen­der Struk­tu­ren“auf­ge­teilt wird. Der Ab­schied Sam­mers heizt die Dis­kus­sio­nen um ei­ne Rück­kehr von Uli Ho­en­eß in füh­ren­der Po­si­ti­on wei­ter an.

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