Das per­fek­te Ge­burts­tags­ge­schenk

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON STEFAN KLÜTTERMANN

Drei­sprin­ger Max Heß fei­ert am Mitt­woch sei­nen 20. Ge­burts­tag. Nach sei­nem Gold­sprung bei der EM zählt er in Rio zu den Fa­vo­ri­ten.

AMS­TER­DAM Jo­na­than Ed­wards war schwer be­ein­druckt. „Wow, in dem Al­ter so cool zu blei­ben, und das bei so schwie­ri­gen Wind­be­din­gun­gen. Ich bin in dem Al­ter nur 15,05 Me­ter ge­sprun­gen“, sag­te der bri­ti­sche TV-Ex­per­te und blick­te hin­über auf die ge­gen­über­lie­gen­de Sei­te des Ams­ter­da­mer Olym­pia­sta­di­ons auf den ju­beln­den deut­schen Drei­sprung-Eu­ro­pa­meis­ter Max Heß. Ein Lob von Ed­wards hat durch­aus

Max Heß Ge­wicht, schließ­lich ar­bei­te­te der er­grau­te 50-Jäh­ri­ge nicht im­mer beim Fern­se­hen, son­dern war jah­re­lang der er­folg­reichs­te Drei­sprin­ger, Olym­pia­sie­ger 2000 in Syd­ney, zwei­mal Welt­meis­ter und seit 1995 In­ha­ber des Welt­re­kords (18,29 m).

Heß wird am Mitt­woch erst 20, aber so, wie der Abitu­ri­ent (No­te: 2,3) aus Chem­nitz in die­sem Jahr aus dem Nichts in die Welt­spit­ze em­por­schoss, könn­te er in den kom­men­den Jah­ren sei­ne Sport­art prä­gen und über­dies der hei­mi­schen Leichtathletik zum ju­gend­li­chen Aus­hän­ge­schild die­nen.

„Das ist auf je­den Fall der schöns­te Tag in mei­nem Le­ben“, sag­te Heß und be­frei­te Freun­de und Fa­mi­lie gleich mal vom Druck, sich bei der Aus­wahl der Ge­schen­ke zu über­bie­ten: „Die­ses Ge­burts­tags­ge­schenk zu top­pen, fällt auf je­den Fall schwer“, sag­te er. Da­für war die­ser Sieg ein­fach zu be­son­ders, denn die Be­din­gun­gen wa­ren nicht op­ti­mal: böi­ger Wind, der ers­te Ver­such un­gül­tig, da­zu Pro­ble­me mit dem Fuß. Aber Heß sprang im zwei­ten Ver- such die eu­ro­päi­sche Jah­res­best­lei­tung von 17,20 Me­tern – es soll­te sein ein­zi­ger gül­ti­ger Ver­such blei­ben. Doch der reich­te. Au­ßer­dem war es die ers­te in­ter­na­tio­na­le Drei­sprung-Me­dail­le ei­nes Deut­schen seit EM-Sil­ber von Charles Frie­dek im Jahr 2002 in Mün­chen.

2016 ist schon jetzt Heß’ Jahr, schließ­lich wur­de er WM-Zwei­ter in der Hal­le und En­de Ju­ni in Kas­sel Deut­scher Meis­ter. Doch der Sai­son­hö­he­punkt steht ja erst noch an, und für Olym­pia in Rio ist Heß, der ab Herbst in sei­ner Hei­mat­stadt Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen stu­die­ren will, nun auch ein Me­dail­len­kan­di­dat. Von der Sai­son­be­st­wei­te ist er seit Sams­tag­abend je­den­falls die Num­mer vier in der Welt.

Doch Heß be­müht sich, die Er­war­tun­gen im Rah­men zu hal­ten. „Die wer­den eher von au­ßen be­stimmt“, sag­te er. „Ich will erst ein­mal bei den Olym­pi­schen Spie­len die Qua­li­fi­ka­ti­on über­ste­hen.“Ei­ne sol­che Her­an­ge­hens­wei­se passt zu ihm, denn ab­seits der fre­chen Show im Sta­di­on und der er­fri­schen­den Läs­sig­keit bei der Sie­ger­eh­rung ist er nach wie vor ein schüch­ter­ner 19Jäh­ri­ger.

Was ist al­so das Er­folgs­ge­heim­nis des Ath­le­ten, der sich bin­nen vier Jah­ren vom durch­schnitt­li­chen Weit­sprin­ger zum bes­ten Drei­sprin­ger Eu­ro­pas mau­ser­te? Na­tür­lich ei­ne star­ke Tech­nik, ge­paart mit der nö­ti­gen Ge­schwin­dig­keit, und ja, auch Trai­nings­fleiß. Doch wenn er so ele­gant von Sprung über Sprung in die Gru­be fliegt, hilft ihm nach ei­ge­ner Wahr­neh­mung eben noch et­was: „Die ju­gend­li­che Un­be­küm­mert­heit, und ich hof­fe, ich kann sie mir noch ein biss­chen be­wah­ren“, sag­te er. Und wäh­rend der TV-Zu­schau­er in je­der Zeit­lu­pe mit je­dem Sprin­ger lei­det ob der Be­las­tung auf die Ge­len­ke, die je­de Ab­fol­ge „Hop – Step – Jump“mit sich bringt, fas­zi­niert Heß ein­fach „das Ge­fühl der Schwe­re­lo­sig­keit.“

Die Funk­tio­nä­re des Deut­schen Leichtathletik-Ver­ban­des wer­den in­stän­dig hof­fen, dass Heß sein Ge­fühl für die Schwe­re­lo­sig­keit noch ei­ne Wei­le be­hält. Denn nach Rio und der Welt­meis­ter­schaft 2017 in Lon­don steht 2018 die Heim-EM in Ber­lin an. Und da braucht es fri­sche Ge­sich­ter, vor al­lem bei den Män­nern. Ty­pen, die den in die Jah­re ge­kom­me­nen Stars wie Dis­kus­wer­fer Ro­bert Har­ting nach­fol­gen. Män­ner, mit de­nen man die Stadt pla­ka­tie­ren kann.

Ty­pen wie seit Sams­tag Max Heß.

„Ich will erst ein­mal die Qua­li­fi­ka­ti­on über­ste­hen“

zu sei­nen Aus­sich­ten in Rio

Max Hess be­rei­tet sich nach Ab­sprung und ers­tem Bo­den­kon­takt (Hop) auf sei­nen zwei­ten Sprung (Step) vor.

In der End­pha­se (Jump) geht es dar­um, ei­ne mög­lichst per­fek­te Lan­dung in der Sand­gru­be hin­zu­be­kom­men.

FO­TOS: DPA (2)/IMA­GO

Fas­sungs­los nach dem Ge­winn der Gold­me­dail­le.

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