Stier tö­tet Ma­ta­dor

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER SPORT -

Erst­mals seit 1985 ist in Spa­ni­en ein pro­fes­sio­nel­ler Ma­ta­dor von ei­nem Stier auf­ge­spießt wor­den. Der 29-Jäh­ri­ge starb vor den Au­gen ei­nes Mil­lio­nen­pu­bli­kums. Víc­tor Bar­ri­os Schick­sal zeigt die Ge­fahr, der die To­re­ros sich aus­set­zen.

TE­RU­EL (dpa) Víc­tor Bar­rio war nur ei­nen win­zi­gen Mo­ment un­auf­merk­sam. In die­sem Au­gen­blick wur­de der To­re­ro von ei­nem Kampf­s­tier zu Bo­den ge­sto­ßen. Der gut 500 Ki­lo­gramm schwe­re Ko­loss ließ von dem im Sand lie­gen­den Stier­kämp­fer nicht ab. Das Tier bohr­te ein Horn in den Brus­t­raum des 29-Jäh­ri­gen. Die Ärz­te in der Kran­ken­sta­ti­on der Are­na von Te­ru­el im Os­ten Spa­ni­ens stell­ten we­nig spä­ter den Tod des Stier­kämp­fers fest.

Víc­tor Bar­rio, bis da­hin ein Un­be­kann­ter in der Sze­ne, ging nun als der ers­te To­re­ro in die Ge­schich­te des spa­ni­schen Stier­kampfs ein, der in die­sem Jahr­hun­dert in der Are­na von ei­nem Stier ge­tö­tet wur­de. Zu­letzt wa­ren in den Jah­ren 1984 und 1985 zwei Stier­kämp­fer so­wie im Jahr 1992 zwei Ban­de­ril­le­ros (Ge­hil­fen von To­re­ros) in spa­ni­schen Are­nen zu To­de ge­kom­men.

Der 29-Jäh­ri­ge starb vor den Au­gen ei­nes Mil­lio­nen­pu­bli­kums. Der Stier­kampf von der Pro­vin­za­re­na von Te­ru­el wur­de live vom Re­gio­nal­fern­se­hen über­tra­gen. Das Vi­deo von den töd­li­chen Horn­stö­ßen ver­brei­te­te sich in Win­des­ei­le über das In­ter­net in al­le Welt. Der Stier mit dem Na­men Lo­ren­zo hat­te dem To­re­ro ein Horn in die rech­te Ach­sel­höh­le ge­sto­ßen und laut dem ärzt­li­chen Bul­le­tin ei­nen Lun­gen­flü­gel und die Herz­schlag­ader durch­bohrt. „Da konn­ten wir nichts mehr aus­rich­ten“, kon­sta­tier­te die Aren­aÄrz­tin Ana Cris­ti­na Utril­las.

Dass To­re­ros bei Stier­kämp­fen ver­letzt wer­den, ge­hört zum All­tag der Bran­che. To­des­fäl­le hat­te es zu­letzt kei­ne mehr ge­ge­ben, weil selbst ab­ge­le­ge­ne Pro­vin­za­re­nen mit Kran­ken­sta­tio­nen aus­ge­rüs­tet wor­den wa­ren, in de­nen No­tope­ra­tio­nen vor­ge­nom­men wer­den kön­nen. Im 20. Jahr­hun­dert wur­den in Spa­ni­en nach ei­ner Auf­stel­lung der Nach­rich­ten­agen­tur Efe 33 To­re­ros von Kampf­s­tie­ren ge­tö­tet.

Der Tod des le­gen­dä­ren Stier­kämp­fers Ma­nu­el Ro­drí­guez, ge­nannt „Ma­n­o­le­te“, vor 69 Jah­ren dürf­te maß­geb­lich da­zu bei­ge­tra- gen ha­ben, dass die me­di­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen in den Are­nen nach und nach ver­bes­sert wur­den. Ma­n­o­le­te, der bis heu­te als ei­ner der bes­ten To­re­ros in der Ge­schich­te des Stier­kampfs gilt, war 1947 in Li­na­res an den Fol­gen ei­nes Horn­sto­ßes ge­stor­ben, weil ihm in der süd­spa­ni­schen Pro­vin­za­re­na nicht schnell ge­nug ge­hol­fen wer­den konn­te.

Víc­tor Bar­rio hat­te als Stier­kämp­fer ei­nen schwe­ren Stand ge­habt. In der Ma­dri­der Are­na „Las Ven­tas“, dem be­deu­tends­ten Stier­kampf­sta­di­on der Welt, hat­te er zwei­mal das Pu­bli­kum nicht be­geis­tern kön­nen. Da­her er­hielt er zu­letzt von den Ver­an­stal­tern nur noch Ver­trä­ge für Auf­trit­te in der Pro­vinz.

Sein Tod er­in­nert an ei­ne al­te Re­gel der Stier­kampfs: „Der Stier stirbt, der To­re­ro kann ster­ben.“Der Au­tor Ru­bén Amón meint, der Tod von Bar­rio ade­le die Welt der Stier­kämp­fer. „Sein Blut wur­de nicht sinn­los ver­gos­sen“, schrieb Amón in der Zei­tung „El País“. „Bar­ri­os Tod bringt uns da­zu, die To­re­ros zu re­spek­tie­ren. Er er­in­nert uns dar­an, dass sie ihr Le­ben wirk­lich aufs Spiel set­zen.“

Ei­ni­ge Stier­kampf­geg­ner re­agier­ten da­ge­gen mit hä­mi­schen Kom­men­ta­ren. „Der Tod ei­nes Stier­kämp­fers kann uns nicht leid tun“, pos­te­ten sie in den so­zia­len Net­zen. „Der To­re­ro hat­te mit den Stie­ren auch kein Er­bar­men ge­zeigt.“

Der Stier­kampf ist als blu­ti­ges Spek­ta­kel vie­len aus­län­di­schen Be­su­chern fremd und Tier­schüt­zern ein Dorn im Au­ge. In Spa­ni­en hat er noch im­mer vie­le An­hän­ger. Al­ler­dings ging die Zahl in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich zu­rück. Auf den Ka­na­ren und in der Re­gi­on Ka­ta­lo­ni­en sind Stier­kämp­fe nicht er­laubt.

Im 20. Jahr­hun­dert wur­den in Spa­ni­en

33 To­re­ros von Kampf­s­tie­ren ge­tö­tet

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