Ein Som­mer­nachts­traum

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON PHILIPP HOL­STEIN

Beim Open-Sour­ce-Fes­ti­val auf der Ga­lopp­renn­bahn in Düs­sel­dorf er­leb­ten 6500 Fans die Band Hot Chip.

DÜS­SEL­DORF Es war schon dun­kel und der Tag fast zu En­de, als die bri­ti­sche Elek­tro­pop-Band Hot Chip das Lied „I Feel Bet­ter“spiel­te. Am Him­mel hin­ter der Büh­ne fla­cker­te ein Licht, und man wuss­te nicht, ob das ein Stern war, ein Ufo oder die Luft­han­sa. Es war auch egal, denn die Men­schen tanz­ten, man­che um­arm­ten ein­an­der, da war viel Zu­nei­gung an die­sem Ort, und Al­exis Tay­lor, der Mann mit der herr­lichs­ten Jungs­stim­me der Welt, sang: „Not­hing is was­ted and li­fe is worth li­ving“.

6500 Men­schen er­leb­ten das Open-Sour­ce-Fes­ti­val in Düs­sel­dorf, Be­su­cher­re­kord, rund 1000 mehr als im Vor­jahr. Das Open Sour­ce ist die ele­gan­tes­te Ver­an­stal­tung die­ser Art, es fin­det auf der Ga­lopp­renn­bahn in Gra­fen­berg statt, da sind die He­cken ak­ku­rat ge­stutzt, das Gras ist grü­ner als an­ders­wo und die Tri­bü­ne weiß wie Schnee. Die Gäs­te se­hen ver­flixt gut aus, sie tra­gen Klei­der, Lip­pen­stift und Son­nen­bril­len mit herz­för­mi­gen Glä- sern. Bar­fuß geht man hier nur, wenn man sich die Nä­gel la­ckiert hat, und statt Cur­ry­wurst und Scho­ko­rie­gel isst man ma­rok­ka­ni­sches Pfan­nen­brot mit Le­mon Tur­key und da­nach ei­nen Fro­zen Yo­gurt.

Get Well Soon wa­ren da und Oi­ro, die bes­te Punk­band der Ge­gen­wart. Sta­bil Eli­te spiel­te ein schö­nes Kon­zert mit Syn­the­si­zer und Sa­xo­fon, man­cher groov­te mit ge­schlos­se­nen Au­gen zur Musik, und wer sie doch mal öff­ne­te, sah mög­li­cher­wei­se das Mäd­chen, auf de­ren T-Shirt der Spruch „Ein Herz für Tin­der“stand. Es ist die At­mo­sphä­re, die die­ses Fes­ti­val so be­son­ders macht, das Ent­spann­te, Läs­si­ge.

Man fühlt sich in so ei­nem Am­bi­en­te ja gleich ganz an­ders, ein biss­chen wie in ei­ner 80er-Jah­reVor­abend-Se­rie. Und wenn man den Stand­ort wech­sel­te und den Platz er­reich­te, wo die Musik der drei Büh­nen sich traf, wo die Sound­wel­len drei­er Bands sich ver­ei­nig­ten, war das, als wä­re man un­ter Was­ser: Ste­reo to­tal.

Das Pu­bli­kum ist gar nicht auf ein Al­ter fest­zu­le­gen. Es gab die­je­ni­gen, die den Ra­tin­ger Hof noch in der gro­ßen Zeit von in­nen ge­se­hen ha­ben, und wenn sie über das Ge­län­de schrit­ten, um zu schau­en, wer noch so da ist, muss­ten sie manch­mal ab­rupt stop­pen, weil das vor ih­nen ge­hen­de Paar von An­fang 20 plötz­lich an­hielt, um sich jetzt rasch mal zu küs­sen. Auch Fa­mi­li­en wa­ren da, sie hat­ten Pick­nick­de­cken aus­ge­rollt wie im Ur­laub.

„Wir träu­men uns an die Co­paca­ba­na“, rief ir­gend­wann der Sän­ger der sehr gut los­ro­cken­den Grup­pe Bil­der­buch, und weil er Ös­ter­rei­cher ist, hör­te es sich so an: „Koh­pa­kap­pahna“. Das Lied, das dann folg­te, heißt „Bar­ry Ma­ni­low“und han­delt von wei­ßen Strän­den. Am En­de tru­gen denn auch vie­le die Hit­ze des Son­nen­ta­ges in den ge­rö­te­ten Wan­gen, ei­ni­ge hat­ten sich Sil­ber­flit­ter ins Ge­sicht ge­schminkt, es flog Kon­fet­ti, und das letz­te Lied war „Dan­cing In The Dark“von Hot Chip.

„I co­me ho­me in the morning“, heißt es dar­in. Tol­ler Tag.

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