Jo­deln zu Rock­gi­tar­ren mit Andre­as Ga­ba­lier

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Aus­ge­rech­net im Mön­chen­glad­ba­cher Spar­kas­sen­park, im nie­der­rhei­ni­schen Flach­land al­so, tra­gen tau­sen­de Men­schen Dirndl, Le­der­ho­sen, rot­wei­ße Hem­den. Man blick auf pral­le Wa­den in Wan­der­stie­feln, 15.000 Men­schen sind an­ge­reist, um mit Andre­as Ga­ba­lier die al­pen­län­di­sche Kul­tur zu fei­ern.

Der 31-Jäh­ri­ge be­zeich­net sich selbst als Volks-Rock’n’Rol­ler, und beim ers­ten Song ver­steht man gleich, was ge­meint ist. „Hu­la­pa­lu“heißt er, und der Sän­ger spielt ko­kett da­mit, dass er selbst nicht ge­nau weiß, was das be­deu­tet. Ist ja auch egal: Für die Fans be­deu­tet es Par­ty­stim­mung, ge­jo­del­te Re­frains zu har­ten Rock­gi­tar­ren und Schuh­platt­ler-Tanz zu schnel­lem Schlag­zeug-Rhyth­mus, der von star­ken, tä­to­wier­ten Ar­men ge­dro­schen wird. Andre­as Ga­ba­lier turnt selbst mit Le­der­ho­sen, braun­ge­brann­tem Kör­per und rot-wei­ßer Son­nen­bril­le über die Büh­ne und wirkt wie ein auf­ge­dreh­ter Bub beim Aprés-Ski. Doch er singt kei­ne Schla­ger wie DJ Öt­zi, son­dern eher Aus­tro-Pop, klingt nach Pe­ter Cor­ne­li­us oder Fal­co, wenn er die Tö­ne hei­ser presst oder kraft­prot­zig brüllt. Manch­mal mischt er eng­li­sche Rock-Flos­keln in die deut­schen Tex­te: „We sa­lu­te you“, da freu­en sich die Her­ren mit den AC/DC-Shirts.

Et­was kniff­lig wird es, wenn sich Ga­ba­lier als Lie­der­ma­cher in­sze­niert und nur zur akus­ti­schen Gi­tar­re mit ge­woll­ter Tie­fe, ei­nem Rau­nen in der Stim­me, den Song „A Mei­nung ha­ben“singt. „Is des der Sin­ne ei­ner De­mo­kra­tie, dass ana wos sogt und die an­dern san stü?“, fragt er da, hält mit sei­ner ei­ge­nen Mei­nung aber hin­term Zaun. Die Fans ju­beln lang und be­geis­tert. Viel­leicht glau­ben sie ins­ge­heim zu wis­sen, wel­che Ein­stel­lung hier ge­meint ist. Und viel­leicht wür­den ei­ni­ge nicht aus­schlie­ßen, dass die auch von Par­tei­en wie der FPÖ ge­teilt wird. De­ren Vor­sit­zen­dem Heinz-Chris­ti­an Stra­che sprang Andre­as Ga­ba­lier näm­lich zu­letzt im Face­book zur Sei­te – die Plat­ten­fir­ma hat den Ein­trag al­ler­dings schnell wie­der ge­löscht.

MAX FLO­RI­AN KÜH­LEM

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