Kul­tur in „Meckpomm“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON RE­GI­NE MÜL­LER FO­TO: SIL­KE WINK­LER

Auf­bruch­stim­mung in Schwe­rin: Die Haupt­stadt Meck­len­bur­gVor­pom­merns will Welt­kul­tur­er­be wer­den.

SCHWE­RIN Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist das am dünns­ten be­sie­del­te Bun­des­land. Ein Land, das sei­ne At­trak­ti­on dem glück­lich zu prei­sen­den Um­stand ver­dankt, dass hier die Zeit ein­mal still stand. Dass die Men­schen hier ver­streut leb­ten in klei­nen Dör­fern und eben kei­ne in­dus­tri­el­len Ver­hee­run­gen die ma­le­ri­sche Land­schaft mit Ost­see­küs­te, Se­en­plat­te und ih­ren ro­man­ti­schen Al­le­en zer­stör­ten. Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist heu­te ein land­schaft­li­ches Pa­ra­dies, in dem Guts­hö­fe und Schlöss­chen, Back­stein­go­tik, wo­gen­de Korn­fel­der und end­lo­se Ho­ri­zon­te un­ter öst­lich wei­tem Him­mel sich zu ei­ner Sehn­suchts­land­schaft for­mie­ren. Da­mit aber nicht ge­nug, denn „Meckpomm“lockt auch in Sa­chen Kul­tur mit Au­ßer­ge­wöhn­li­chem.

Das ist vor al­lem in der Haupt­stadt Schwe­rin spür­bar und wird dort ge­ra­de sys­te­ma­tisch be­för­dert. Denn Schwe­rin be­wirbt sich mit sei­nem Re­si­denz­ensem­ble als „Kul­tur­land­schaft des ro­man­ti­schen His­to­ris­mus“um die Auf­nah­me in den Rei­gen der Stät­ten des Welt­kul­tur­er­bes. Ge­gen­über vom Schloss im Zen­trum des En­sem­bles steht das tra­di­ti­ons­rei­che Staats­thea­ter, di­rekt da­ne­ben be­fin­det sich die Staats­ga­le­rie mit ei­ner hoch­ka­rä­ti­gen Samm­lung Al­ter und Neu­er Meis­ter, die so­eben an­ge­baut hat: An­fang Ju­li wur­de ein lich­ter, 1500 Qua­drat­me­ter gro­ßer Neu­bau er­öff­net mit ei­ner Aus­stel­lung von Wer­ken des ge­bür­ti­gen Meck­len­bur­gers Gün­ther Ue­cker. Er fer­tig­te ei­gens für die Er­öff­nung ei­ne Se­rie neu­er „Wus­tro­wer Tü­cher“und hat­te schon im Vor­feld den Neu­bau tat­kräf­tig mit dem Ver­kauf ei­ner Edi­ti­on un­ter­stützt.

Und nicht zu­letzt ist Schwe­rin auch Sitz und Zen­trum der seit 26 Jah­ren statt­fin­den­den Fest­spie­le Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Das Mu­sik­fes­ti­val ist mit über 150 Kon­zer­ten an na­he­zu 90 Spiel­stät­ten und ei­ner Dau­er von fast drei Mo­na­ten ei­gent­lich ein Fes­ti­val der Su- per­la­ti­ve. Es lebt aber von sei­ner be­son­de­ren In­ti­mi­tät und dem Charme der Spiel­stät­ten. In Schlös­sern, Scheu­nen, Kir­chen und ver­las­se­nen Werk­stät­ten fin­den noch bis Mit­te Sep­tem­ber Kon­zer­te und be­glei­ten­de Ver­an­stal­tun­gen statt. Das Pro­gramm „Jun­ge Eli­te“ist da­bei seit lan­ger Zeit ein fes­ter Be­stand­teil des Pro­gramms und bin­det jun­ge Ta­len­te dau­er­haft an das Fes­ti­val. 2013 war der So­lo­kla­ri­net­tist der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker Mat­thi­as Schorn Preis­trä­ger der Fest­spie­le und ist in die­sem Jahr auch wie­der sehr prä­sent. Hö­he­punkt des Welt­kul­tur­fes­tes, das mit der Er­öff­nung des Mu­se­ums-Neu­baus be­gann, war ein völ­lig ver­rück­tes, wun­der­ba­res Cross­over-Kon­zert mit Mat­thi­as Schorn, dem Wie­ner Mu­si­ker Ge­org Br­ein­schmid mit in­ter­na­tio­na­len Kol­le­gen und ei­ner hoch­pro­zen­ti­gen Mi­schung aus mon­go­li­schen Step­pen­ge­sän­gen, bra­si­lia­ni­schem Bos­sa-No­va und al­pen­län­di­scher Volks­mu­sik. Der fa­mo­se Kla­ri­net­tist ist noch vier Mal bei den dies­jäh­ri­gen Fest­spie­len zu er­le­ben, un­ter an­de­rem bei ei­nem Open-AirKon­zert in der Klos­ter­rui­ne Dar­gun, mit ei­nem Gershwin-Pro­gramm (15. Ju­li) und beim Som­mer­fest auf Schloss Ul­richs­hu­sen (21. Ju­li) mit Mit­glie­dern der Ber­li­ner und Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker.

Er­öff­nungs­kon­zert des Welt­kul­tur­fes­tes im Staats­thea­ter in Schwe­rin. Vor dem lie­be­voll re­stau­rier­ten his­to­ri­schen Schmuck­vor­hang spiel­te Kla­ri­net­tist Mat­thi­as Schorn mit in­ter­na­tio­na­len Kol­le­gen.

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