Ver­wir­rung beim An­woh­ner­par­ken

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER STADTPOST - VON MARC INGEL

Die eng ge­zo­ge­nen Gren­zen in den Be­woh­ner­par­k­quar­tie­ren sind vie­len Be­trof­fe­nen ein Dorn im Au­ge. Ei­ne Ra­di­us-Lö­sung lehnt die Stadt we­gen un­ter­schied­li­cher zeit­li­cher und ta­rif­li­cher Re­ge­lun­gen ab.

Dirk und Jörg Stee­ge sind Brü­der, und sie woh­nen in De­ren­dorf an der Eu­ler­stra­ße qua­si ein­an­der ge­gen­über. Doch ei­ne un­sicht­ba­re Gren­ze trennt sie. Denn bei­de dür­fen nur auf der je­weils ih­nen zu­ge­wand­ten Sei­te par­ken. Wer sein Au­to auf der an­de­ren Stra­ßen­sei­te ab­stellt, kas­siert ein Kn­öll­chen. Der Grund: Mit­ten durch die Eu­ler­stra­ße zieht sich die Gren­ze zwi­schen zwei un­ter­schied­li­chen An­woh­ner­park­zo­nen.

„Der von mei­ner Haus­tü­re aus nächst ge­le­ge­ne Park­platz bleibt mir ver­sperrt. Da­für dürf­te ich theo­re­tisch mit mei­nem An­woh­ner­park­aus­weis am En­de der Roß­stra­ße par­ken“, sagt Dirk Stee­ge und fragt: „War­um kann man kei­nen Ra­di­us um den Wohn­ort zie­hen? Oder zu­min­dest die Quar­tiers­gren­ze et­was fle­xi­bler aus­le­gen und mir das Par­ken auf bei­den Sei­ten der Eu­ler­stra­ße er­lau­ben?“Ähn­lich geht es vie­len Düs­sel­dor­fern, vor al­lem, wenn sie an den Gren­zen der ins­ge­samt 30 An­woh­ner­park­ge­bie­te in der Stadt le­ben. Wer zum Bei­spiel im Um­feld des Kon­rad-Ade­nau­er-Plat­zes wohnt, darf in Kö-Nä­he par­ken, nicht aber zwei Stra­ßen von sei­ner Woh­nung ent­fernt.

Auch bei der ers­ten Stadt­teil­kon­fe­renz im Stadt­be­zirk 1 kam das The­ma auf und sorg­te für laut­star­ke Kri­tik von An­woh­nern. Be­zirks­bür­ger­meis­te­rin Ma­ri­na Spill­ner (SPD) räumt ein, sich dar­über vor­her noch nicht so vie­le Ge­dan­ken ge­macht zu ha­ben, „aber für ei­ne Ra­di­us­re­ge­lung spricht prin­zi­pi­ell Ei­ni­ges“. Sie will sich jetzt in ei­ner An­fra­ge an die Stadt­ver­wal­tung das An­woh­ner­park-Kon­zept er­läu­tern las­sen, fra­gen, wie hoch die An­zahl der ein­ge­hen­den Be­schwer­den ist, und aus­lo­ten, ob es nicht fle­xi­ble­re Mög­lich­kei­ten gibt.

Ro­man Sut­hold, Ver­kehrs­ex­per­te beim ADAC, kennt das Pro­blem auch aus an­de­ren Städ­ten: „Die Park­zo­nen wur­den in den 1980er Jah­ren ein­ge­rich­tet und ha­ben sich vom Stadt­kern im­mer mehr an die Rän­der aus­ge­dehnt.“Das Kon­zept schei­ne sich be­währt zu ha­ben, denn auch er kennt kei­ne Städ­te, die bes­se­re und fle­xi­ble­re Lö­sun­gen ge­fun­den ha­ben. „Das Grund­kon­zept scheint aus­ge­reift zu sein, auch wenn die An­wen­dung bei Grenz­fäl­len nicht im­mer glück­lich ist“, sagt Sut­hold. Aber: „In un­se­rer Zeit der Di­gi­ta­li­sie­rung soll­te es mög­lich sein, über an­de­re Ide­en nach­zu­den­ken.“Zum Bei­spiel Park­kon­trol­leu- re mit Ge­rä­ten aus­zu­stat­ten, mit de­nen sich ei­ne Ra­di­us­re­ge­lung beim An­woh­ner­par­ken über­prü­fen lässt.

Andrea Blo­me, Lei­te­rin des Am­tes für Ver­kehrs­ma­nage­ment, will aber an der jet­zi­gen Re­ge­lung fest­hal­ten: „Da die Be­woh­ner­park­ge­bie­te un­ter­schied­li­che zeit­li­che und ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen ha­ben, ist ei­ne Auf­he­bung von Gren­zen nicht mög­lich. Die Grö­ßen und Gren­zen der Park­ge­bie­te sind his­to­risch ge­wach­sen und soll­ten ei­ne Aus­deh­nung von über ei­nem Ki­lo­me­ter nicht über­schrei­ten. Grenz­fäl­le tre­ten übe­r­all auf, wo Gren­zen ge­zo­gen wer­den.“

Blo­me hält das Kon­zept für gut, weil es ein Misch­prin­zip be­rück­sich­ti­ge. Die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung er­mög­li­che ne­ben dem klas­si­schen Be­woh­ner­par­ken, das auch das Kurz­zeit­par­ken für Nicht-An­woh­ner er­laubt (mit der Park­schei­ben­re­ge­lung oder der Park­schein­pflicht ver­knüpft), eben­so rei­nes An­woh­ner­par­ken in klei­nen Stra­ßen­ab­schnit­ten. Aus an­de­ren Städ­ten ken­ne sie le­dig­lich die ab­wei­chen­de Re­ge­lung, die das Kurz­zeit­par­ken in Be­woh­ner­park­ge­bie­ten aus­schließ­lich mit ei­nem zu zah­len­dem Park­schein ge­stat­tet.

RP-FO­TO: AN­NE ORTHEN

Jörg Stee­ge (l.) und sein Bru­der Dirk Stee­ge dür­fen nicht auf der je­weils an­de­ren Stra­ßen­sei­te mit ih­rem An­woh­ner­park­aus­weis par­ken.

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