Die klei­nen Kö­ni­ge und ih­re Licht­ge­weh­re

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON SE­BAS­TI­AN KALENBERG

Beim Pa­gen­schie­ßen tre­ten Kin­der an, de­nen das deut­sche Waf­fen­ge­setz Luft­ge­weh­re ver­bie­tet. Des­halb schie­ßen sie mit La­ser­waf­fen auf den Vo­gel.

Si­mon er­hebt sich lang­sam von sei­nem Platz, zieht noch ein­mal sei­ne Schüt­zen­uni­form zu­recht und schrei­tet zum Ge­wehr. Ein letz­ter Blick zum Holz­vo­gel, ehe Si­mon ab­drückt und den lin­ken Flü­gel trifft – das ers­te Pfand des Ta­ges ist ge­schos­sen. Si­mon Alex­an­der Doh­men ist neun Jah­re alt, und seit er sechs ist, ist er Mit­glied im St. Se­bas­tia­nus Schüt­zen­ver­ein Düs­sel­dorf 1316, in dem auch sein Opa und sein Va­ter Mit­glied sind. Der Neun­jäh­ri­ge hat­te sich be­reits beim Pa­gen­schie­ßen im ver­gan­ge­nen Jahr sei­nen ers­ten Ti­tel ge­holt.

Da er als am­tie­ren­der Kö­nig nicht er­neut ge­win­nen durf­te, konn­te er sich am Sams­tag beim mitt­ler­wei­le sechs­ten Pa­gen­schie­ßen am Na­gels­hof in Düs­sel­dorf-Lo­hau­sen zu­rück­leh­nen und sei­ne Ka­me­ra­den beim Um­gang mit dem La­ser­ge­wehr be­gut­ach­ten. „Das deut­sche Waf­fen­ge­setz schreibt vor, dass man erst mit zwölf Jah­ren ein Luft­ge­wehr füh­ren darf. Da un­se­re Pa­gen im Al­ter von sechs bis 13 mit­ma­chen, ha­ben wir uns die Tech­nik mit dem La­ser an­ge­schafft“, sagt Hans We­ber, Vor­sit­zen­der der Ju­gend­kom­mis­si­on. Das Ge­wehr ist mit ei­nem La­ser aus­ge­stat­tet, der aus­löst, so­bald der Ab­zug be­tä­tigt wird. Der Vo­gel hat an je­dem Pfand (Plat­te, Rumpf, Kopf, rech­ter Flü­gel, lin­ker Flü­gel, Schwanz) fünf Lö­cher, hin­ter de­nen ei­ne Ma­schi­ne den La­ser­schuss re- gis­triert. Ist der Schuss er­folg­reich, geht ei­ne Lam­pe an, leuch­ten al­le fünf, ist das Pfand ge­schos­sen. Ha­ben die Nach­wuchs­schüt­zen frü­her mit Arm­brust und Sau­g­näp­fen ih­ren Kö­nig er­mit­telt, kann mit die­ser Tech­no­lo­gie das ei­gent­li­che Vo­gel­schie­ßen viel rea­lis­ti­scher si­mu­liert wer­den. „Wir sind in der vor­teil­haf­ten Si­tua­ti­on, dass wir als Ver­ein ge­nug Geld für die Ju­gend in die Hand neh­men kön­nen, um so ei­ne Tech­nik be­reit­zu­stel­len“, sagt We­ber.

20 Pa­gen nah­men am Sams­tag teil und er­mit­tel­ten ih­ren neu­en Kö­nig. Wie beim Wett­be­werb der gro­ßen Schüt­zen, ist auch der Druck beim Pa­gen­schie­ßen auf die klei­nen Teil­neh­mer hoch: „Es ist auf­re­gend, wenn so vie­le Leu­te zu­gu­cken. Da rast das Herz rich­tig“, be­schreibt Si­mon Doh­men sei­ne Ge­fühls­la­ge wäh­rend des Schie­ßens. „Wenn du den Vo­gel tref­fen willst, dann brauchst du Kön­nen, aber auch Glück.“Die rich­ti­ge Mi­schung dar­aus hat­te am Sams­tag der zehn­jäh­ri­ge Lenn­art Sta­edel, der um kurz vor vier zum neu­en Pa­gen­kö­nig ge­krönt wur­de. Lenn­art hat mit sei­ner Schwes­ter und Pa­gen­kö­ni­gin Va­nes­sa ein an­stren­gen­des Jahr vor sich.

Da­von kann auch Hans Chris­ti­an Doh­men be­rich­ten. Der Va­ter von Vor­jah­res­sie­ger Si­mon hat sei­nen Sohn im­mer und übe­r­all be­glei­tet: „Ich war auch mit zehn Pa­gen­kö­nig – das ist ei­ne su­per Er­fah­rung.“In fünf Jah­ren wird Si­mon Jung­schüt­ze und der Neun­jäh­ri­ge hat schon weit­rei­chen­de Plä­ne: „Mein Ziel ist es auch hier Kö­nig zu wer­den – und spä­ter bei den Gro­ßen.“

Das La­ser­ge­wehr ist aus Holz. Li­sa Ul­rich Ge­bau­er (8 Jah­re) zielt ge­nau. Auch Mäd­chen sind hier will­kom­men.

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