Mehr als nur ei­ne Beet­ge­schich­te

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON DA­NI­EL SCHRA­DER

Es war der Ab­schluss ei­nes er­eig­nis­rei­chen Jah­res: Nach lan­ger Stand­ort­su­che und auf­wen­di­gem Um­zug hat die Initia­ti­ve „Düs­sel­grün“nun ih­ren neu­en Ge­mein­schafts­gar­ten im WGZ-Park mit ei­nem Som­mer­fest er­öff­net.

OBERBILK „Die nächs­ten 15 bis 20 Jah­re kön­nen wir hier­blei­ben“, sagt Ju­lia We­gen­ast, ei­ne Mit­grün­de­rin von Düs­sel­grün, er­leich­tert. Vor­bei ist die Zeit, in der die Zu­kunft des Pro­jek­tes un­ge­wiss war. Vor sei­nem Um­zug lag der Ge­mein­schafts­gar­ten auf ei­nem Grund­stück an der Hai­fa­stra­ße in Oberbilk. Dort war die Initia­ti­ve zwar lan­ge ge­dul­det wor­den, doch bis En­de 2015 brauch­te Düs­sel­grün ei­nen neu­en Stand­ort.

Nach in­ten­si­ven Ge­sprä­chen mit der Stadt wur­de die­ser schluss­end­lich in di­rek­ter Nä­he am WGZ-Park na­he der Stahl­werk­stra­ße ge­fun­den. Im No­vem­ber 2015 zog das Pro­jekt samt sei­ner Hoch­bee­te bin­nen ei­nes Ta­ges zum neu­en Ort um. Vom Gar­ten­amt wur­de noch ein Was­ser­an­schluss ge­stif­tet. Rund acht Mo­na­te spä­ter hat sich die Initia­ti­ve dort häus­lich ein­ge­rich­tet und auch die Hoch­bee­te sind wie­der üp­pig be­wach­sen. Vie­le An­woh­ner nutz­ten das Som­mer­fest nun, um das neue Ge­län­de zu be­gut­ach­ten.

Düs­sel­grün wur­de 2012 ge­grün­det und ver­steht sich als ei­ne Ge­mein­schaft, die Ur­ban Gar­de­ning be­treibt. Das Ziel ist, ei­nen nach­hal­ti­gen Gar­ten in­mit­ten der Stadt zu be­wirt­schaf­ten. Da­bei geht es nicht nur um Blu­men, son­dern vor al­lem um Ge­mü­se und Früch­te. Das Know-how da­für eig­ne­ten sich die Hel­fer selbst an. An­ge­baut wer­den vor­wie­gend re­gio­na­le Ge­mü­se- und Obst­sor­ten, die man im Su­per­markt nicht fin­det. Da­durch will das Pro­jekt ei­nen Bei­trag zur Er­hal­tung der Viel­falt der Na­tur leis­ten. Seit 2015 gibt es auch ei­nen ei­ge­nen Bie­nen- stock. Rund 20 Men­schen en­ga­gie­ren sich re­gel­mä­ßig in dem Gar­ten. Auf Mit­glied­schaft, Vor­stand und An­we­sen­heits­pflicht ver­zich­tet Düs­sel­grün be­wusst. „Wir sind ei­ne Ge­mein­schaft. Je­der kann mit­ma­chen, egal ob je­de Wo­che oder nur spo­ra­disch“, sagt Ju­lia We­gen­ast.

Doch kaum ist der Um­zug ge­meis­tert, steht das Pro­jekt vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Im WGZPark le­ben vie­le Ka­nin­chen, die sich abends und nachts über die Pflan­zen her­ma­chen. Selbst die Hoch­bee­te kön­nen die Tie­re nur be­dingt auf­hal­ten. „Un­ser nächs­tes Ziel ist ein Ka­nin­chen­zaun, aber da­für brau­chen wir erst ein­mal ge­nü­gend Geld“, sagt We­gen­ast. Um wirk­sam zu sein, muss der Zaun näm­lich auch un­ter­ir­disch ver­legt wer­den, was Düs­sel­grün oh­ne frem­de Hil­fe nicht stem­men kann.

Eben­so ist das Pro­jekt auch wei­ter­hin auf en­ga­gier­te Un­ter­stüt­zer an­ge­wie­sen. Ju­lia We­gen­ast war noch Stu­den­tin, als Düs­sel­grün ge­grün­det wur­de. Jetzt ist die Psy­cho­lo­gin durch ih­ren Be­ruf we­ni­ger fle­xi­bel. Doch re­gel­mä­ßig sto­ßen auch neue Ge­sich­ter hin­zu, bei­spiels­wei­se die Stu­den­tin­nen Char­lot­te Fi­scher und Han­nah Mon­der­kamp. Im In­ter­net sind die bei­den auf das Pro­jekt auf­merk­sam ge­wor­den und en­ga­gie­ren sich seit ei­nem hal­ben Jahr in dem Ge­mein­schafts­gar­ten. Ne­ben der Nach­hal­tig­keit schät­zen sie be­son­ders die Mög­lich­keit, abends auf dem Gar­ten­ge­län­de zu ent­span­nen. „Der Gar­ten ist der per­fek­te Ru­he­pol, um sich von ei­nem stres­si­gen Tag zu er­ho­len“, sagt Han­na Mon­der­kamp.

Für die Zu­kunft ist viel ge­plant: 2017 soll es den ers­ten Ho­nig vom ei­ge­nen Bie­nen­stock ge­ben. AZu­dem will die Initia­ti­ve den Gar­ten auch ab­seits des Som­mer­fes­tes für kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen nut­zen. So kann der Nutz­gar­ten von Düs­sel­grün auch als Er­ho­lungs­raum für ge­stress­te Groß­städ­ter funk­tio­nie­ren. Ein Treff­punkt ist er eh schon.

RP-FO­TO: AN­NE ORTHEN

Han­nah Mon­der­kamp, Char­lot­te Fi­scher und Den­nis Fä­ckeler (v.l.) fach­sim­peln vor ei­nem der Hoch­bee­te der Initia­ti­ve „Düs­sel­grün“. Die Gar­ten­freun­de bra­chen Un­ter­stüt­zung für ih­re nach­hal­ti­gen Be­mü­hun­gen.

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