Ein Haus wächst über sich hin­aus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT - VON SON­JA SCHMITZ

Ni­co­le Kor­te und Uwe Sei­del ha­ben das al­te El­tern­haus um ein Stock­werk auf­ge­stockt. So ent­wi­ckel­ten sie et­was Neu­es, das das Al­te in­te­griert.

Wenn Ni­co­le Kor­te und ihr Le­bens­ge­fähr­te Uwe Sei­del sich dar­an er­in­nern, wie al­les an­ge­fan­gen hat, müs­sen sie heu­te noch la­chen. Da­mals leb­ten sie am Nie­der­rhein und hat­ten schon im Hin­ter­kopf, dass sie ei­nes Ta­ges in ih­re Düs­sel­dor­fer Hei­mat zu­rück­keh­ren woll­ten. Ei­ne kon­kre­te Vor­stel­lung, wo und wann dies sein könn­te, hat­ten sie da­mals aber ei­gent­lich noch nicht.

Ei­nes Ta­ges be­such­ten sie Kor­tes Stief­va­ter Kurt Ehr­lich im Stadt­teil Urdenbach. Der leb­te mitt­ler­wei­le al­lein in dem Haus an der Kam­mer­raths­feld­stra­ße, in dem Ni­co­le Kor­te auf­ge­wach­sen war. Sie tausch­ten Neu­ig­kei­ten aus. „Das Dach ist un­dicht, es tropft rein“, be­rich­te­te er. Im Spaß schlug ihm die Toch­ter vor:

Aus dem im Jah­re 1926

er­bau­ten Haus mit gelb-brau­nen Klin

kern wur­de ein mo­der­nes Wohn­haus

„Da kannst du auch gleich auf­sto­cken.“Um sich dann zu fra­gen: „Geht das tech­nisch?“Die Idee klang in­ter­es­sant. Die Fa­mi­lie be­auf­trag­te die Düs­sel­dor­fer Ar­chi­tek­ten Schif­fers Roelofs, ei­nen Ent­wurf zu ma­chen, wie ein mög­li­cher Um­bau aus­se­hen könn­te. Das Er­geb­nis ge­fiel der Fa­mi­lie so gut, dass sie be­schlos­sen, die Idee in die Tat um­zu­set­zen. Und so ent­stand aus dem 1926 er­bau­ten Ein­fa­mi­li­en­haus mit gelb-brau­nen Klin­kern ein mo­der­nes Wohn­haus mit Man­sar­den­dach für zwei Ge­ne­ra­tio­nen.

Im Erd­ge­schoss lebt – wie eh und je – Kor­tes Stief­va­ter. Im da­zu­ge­kom­me­nen Stock­werk mit der Ebe­ne un­ter dem Man­sar­den­dach le­ben die Steu­er­be­ra­te­rin und ihr Le­bens­ge­fähr­te. Der Raum im neu ge­schaf­fe­nen Stock­werk hat viel Licht und ist of­fen ge­stal­tet. „Das war uns wich­tig“, sagt Uwe Sei­del, „so vie­le Tü­ren wie nö­tig, aber so we­ni­ge wie mög­lich. Wir möch­ten eben mit­ein­an­der woh­nen.“

Struk­tur be­kommt der of­fe­ne Raum durch ei­nen Mit­tel­block, der farb­lich mit ei­nem Na­tur­ton ab­ge­setzt ist. Im ers­ten Stock des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses trennt er das Wohn­zim­mer von dem Be­reich der Kü­che und des Ess­raums ab. Hin­ter dem Mit­tel­block ver­steckt lie­gen das Trep­pen­haus, aber auch Haus­wirt­schafts­räu­me, Toi­let­te und Ba­de­zim­mer. Hel­le Wän­de und durch­ge­hen­des, ge­räu­chert und ge­ho­bel­tes Ei­chen­par­kett sor­gen für ei­ne hel­le und freund­li­che At­mo­sphä­re. Als durch­ge­hen­de nied­ri­ge Fens­ter­bän­ke wur­den Ei­chen­boh­len ver- wen­det, die auch ei­nen be­que­men Sitz­platz bie­ten.

Ob­wohl das Haus von frü­her nicht wie­der­zu­er­ken­nen ist, er­in­nert noch et­was dar­an: An den seit­li­chen Wän­den wur­de ein Teil des al­ten Mau­er­werks ste­hen­ge­las­sen und mit grau­em Ze­ment­putz über­stri­chen. Ein Ele­ment, das den Be­woh­nern nicht nur aus op­ti­schen Grün­den gut ge­fällt. „Auf die­se Wei­se ist das Haus neu und mo­dern, ver­leug­net das Al­te aber nicht“, fin­det Ni­co­le Kor­te. Mit po­si­ti­ven Ge­füh­len ist für sie der Ge­dan­ke ver­bun­den, dass dort, wo heu­te das So­fa steht, frü­her ihr Kin­der­zim­mer war.

Ein Lieb­lings­platz der Be­woh­ner be­fin­det sich auf der Ebe­ne un­ter dem Man­sar­den­dach. Dort­hin führt vom Ess­be­reich aus ei­ne Trep­pe mit schlan­kem Ge­län­der. Oben an­ge­langt fühlt man sich an­ge­sichts der zahl­rei­chen Fens­ter wie in ei­nem Win­ter­gar­ten. Der Blick geht von dort ins Grü­ne und durch die obe­re Fens­ter­front in den Him­mel. Über ei­ne gro­ße Schie­be­tür ge­langt man auf die neue Dach­ter­ras­se. An war­men Aben­den ge­nie­ßen sie die Ru­he und den Son­nen­un­ter­gang.

Der Raum un­ter dem Man­sar­den­dach bie­tet für ein Dach­ge­schoss viel Platz, weil es nur leich­te Schrä- gen gibt. „Das war ei­ne tol­le Idee der Ar­chi­tek­ten“, fin­det Kor­te. „Klei­ne Din­ge kann man sel­ber ma­chen, aber für an­de­res braucht man eben doch Fach­leu­te.“

Zu­gu­te beim Sel­ber­ma­chen kam den Be­woh­nern, dass Kurt Ehr­lich hand­werk­lich ge­schickt ist. „Oh­ne Kurt hät­ten wir das nicht stem­men kön­nen“, sagt Ni­co­le Kor­te. En­de Ju­li 2014 hat­ten sie ge­mein­sam mit den ers­ten Ar­bei­ten be­gon­nen, dem Ent­ker­nen. En­de Sep­tem­ber kam der Bau­trupp der Ar­chi­tek­ten. Das Dach wur­de ent­fernt und ge­gen ei­ne No­t­ab­de­ckung ge­tauscht. Wäh­rend der sechs­mo­na­ti­gen Bau- zeit leb­te Kurt Ehr­lich im Erd­ge­schoss. Wun­dert man sich, wie er den Bau­lärm er­tra­gen hat, zuckt er die Schul­tern. „Ich bin Hand­wer­ker“, sagt er. So hat­te er stets im Blick, dass auf der Bau­stel­le al­les sei­nen rich­ti­gen Gang ging. Und nun pro­fi­tie­ren al­le vom Um­bau. „Je­der hat sein ei­ge­nes Reich, und je­der guckt auf den an­de­ren. Das ist ein­fach schön“, sagt Ni­co­le Kor­te.

Kürz­lich, beim Tag der Ar­chi­tek­tur, nutz­ten vie­le Neu­gie­ri­ge, die den Wan­del des Hau­ses von au­ßen be­ob­ach­tet hat­ten, die Ge­le­gen­heit, sich ei­nen Ein­druck von den In­nen­räu­men zu ver­schaf­fen. „Ei­ni­ge fan- den es in­ter­es­sant, an­de­re sag­ten: ,Das ist nicht mein Ding’“, be­rich­tet die Haus­her­rin. We­gen der of­fe­nen Bau­wei­se sei es eben kein Mo­dell für ei­ne Fa­mi­lie mit zwei Kin­dern. „Man muss für sich klar ha­ben: Was will ich, wel­chen Nut­zen sol­len mir die Räu­me brin­gen?“, sagt Ni­co­le Kor­te.

Als dann das Haus im März vo­ri­gen Jah­res fer­tig war, stell­ten sich die Be­woh­ner auf die an­de­re Stra­ßen­sei­te, um es in sei­ner neu­en Gestalt rich­tig und im Ru­he auf sich wir­ken zu las­sen. Und Uwe Sei­del frag­te den Se­ni­or: „Ist doch schön ge­wor­den dein Dach, oder?“

RP-FO­TOS (3): ANDRE­AS ENDERMANN

Ni­co­le Kor­te und Uwe Sei­del mö­gen vor al­lem die of­fe­ne Raum­ge­stal­tung und die grau ge­stri­che­nen Mau­er­tei­le, die an das al­te Haus von 1926 er­in­nern.

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