Von der Ju­ris­te­rei zum Mo­de­de­sign

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER WIRTSCHAFT -

An­ge­la Kranz ist auf der ei­nen Sei­te ein ana­ly­tisch den­ken­der, si­cher­heits­lie­ben­der Mensch, auf der an­de­ren Sei­te künst­le­risch be­gabt und krea­tiv. Schon als klei­nes Mäd­chen hat sie gern und viel ge­zeich­net, ein von der Mut­ter ge­erb­tes Ta­lent. Die kön­ne näm­lich, so Kranz, noch viel bes­ser zeich­nen als sie selbst. Nach dem Abitur hat die heu­te 41Jäh­ri­ge aber erst ein­mal der Si­cher­heit den Vor­zug ge­ge­ben und Ju­ra stu­diert, ei­gent­lich mit der Idee im Hin­ter­kopf, gleich nach dem Stu­di­um et­was An­de­res, et­was Krea­ti­ves zu ma­chen. Das Stu­di­um fiel ihr je­doch sehr leicht, mach­te auch Spaß, und di­rekt im An­schluss kam ganz un­er­war­tet ein An­ge­bot ei­ner An­walts­kanz­lei aus New York. „Al­so bin ich nach New York ge­gan­gen, ha­be von dort aus auch pro­mo­viert und bin ein Jahr ge­blie­ben“, er­zählt Kranz von ih­ren An­fän­gen als Ju­ris­tin. Zu­rück in ih­rer Hei­mat­stadt ist sie ih­rer krea­ti­ven Sei­te dann ein Stück nä­her ge­kom­men. In ei­ner Düs­sel­dor­fer Kanz­lei hat sie Man­dan­ten aus der Mo­de­bran­che be­ra­ten und ist an­schlie­ßend als Lei­te­rin der Rechts­ab­tei­lung zum Mo­de­un­ter­neh­men Tommy Hil­fi­ger ge­gan­gen. Zwi­schen­durch hat sie ge­hei­ra­tet und ist 2005 Mut­ter ei­ner Toch­ter ge­wor­den. Ih­rer Kar­rie­re hat das nicht ge­scha­det – ganz im Ge­gen­teil. Für die ame­ri­ka­ni­sche Mo­de­mar­ke steu­er­te sie ab 2010 von Ams­ter­dam aus, dem Haupt­sitz des Un­ter­neh­mens, als Chef­jus­ti­zi­a­rin ein gro­ßes welt­wei­tes Team. „Wäh­rend die­ser Zeit ha­be ich vier Ta­ge in der Wo­che in Ams­ter­dam ge­lebt, war oft­mals nur an den Wo­che­n­en­den zu Hau­se in Düs­sel­dorf. Das war na­tür­lich nur mög­lich, weil mein Mann sich wun­der­bar um un­se­re Toch­ter ge­küm­mert und mich ge­mein­sam mit mei­ner Mut­ter je­der­zeit er­mu­tigt und un­ter­stützt hat“, sagt Kranz. Zwar ha­be ihr der Job im­mer Spaß ge­macht, aber nach fünf Jah­ren sei der Wunsch, sich end­lich mehr ih­rer Fa­mi­lie zu wid­men und auch ih­re brach­lie­gen­de Krea­ti­vi­tät aus­zu­le­ben, so groß ge­wor­den, dass sie kün­dig­te. Die In­spi­ra­ti­on zur ei­ge­nen Kol­lek­ti­on brach­te ihr dann im Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res ei­ne Rei­se durch Süd­frank­reich mit ei­nem al­ten Ge­län­de­wa­gen. Der stand in ei- nem klei­nen fran­zö­si­schen Dorf na­he der spa­ni­schen Gren­ze, und ihr Mann woll­te ihn un­be­dingt ha­ben. Er ha­be sie dann ge­be­ten, den Wa­gen dort ab­zu­ho­len und nach Düs­sel­dorf zu brin­gen, sagt Kranz. Und weil sie Zeit hat­te, dehn­te sie die Rück­fahrt auf zehn Ta­ge aus, fuhr ent­lang der Cô­te d’Azur und durch die Pro­vence nach Hau­se. Zu­rück in Düs­sel­dorf grün­de­te sie ihr La­bel „Jo­han­na K“, üb­ri­gens be­nannt nach Toch­ter Jo­han­na, und be­gann, ih­re ers­te ei­ge­ne Kol­lek­ti­on zu ent­wer­fen – an­fangs noch zu Hau­se und seit Fe­bru­ar die­ses Jah­res im Ate­lier mit Show­room an der Bach­stra­ße in Bilk. In­zwi­schen sind 45 Kol­lek­ti­ons­tei­le – Klei­der, Rö­cke, Tops und Shirts aus Ma­te­ria­li­en wie Sei­de und Kasch­mir – für die Sai­son Früh­jahr/Som­mer 2017 ent­stan­den. Un­ter­stützt nur von ei­ni­gen Schnitt­di­rek­tri­cen und Nä­he­rin­nen hat Kranz da­bei fast al­les selbst ge­macht, ge­zeich­net, Stof­fe aus­ge­sucht, Pro­duk­ti­ons­stät­ten in ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Län­dern be­sucht. En­de Ju­ni hat sie ih­re Kol­lek­ti­on nun bei der Mes­se „Show & Or­der“in Ber­lin zum ers­ten Mal po­ten­zi­el­len Käu­fern prä­sen­tiert. Ei­ni­ge Kol­lek­ti­ons­tei­le ha­be sie be­reits dem ei­nen oder an­de­ren ehe­ma­li­gen Kol­le­gen ge­zeigt und viel Lob da­für be­kom­men, sagt Kranz. Des­halb war sie auf die Re­ak­tio­nen der Mes­se­be­su­cher ge­spannt – sie wa­ren po­si­tiv. „Ich möch­te gern zu­nächst an klei­ne aus­ge­wähl­te Bou­ti­quen in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz ver­kau­fen, spä­ter wird es si­cher auch ei­nen On­line-Shop ge­ben.“

Bea­te Werth­schul­te

RP-FO­TO: ANDRE­AS BRETZ

Die In­spi­ra­ti­on zur ei­ge­nen Kol­lek­ti­on kam An­ge­la Kranz bei ei­ner Rei­se durch Süd­frank­reich.

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