Kum­pa­nei un­ter Schul­den-Sün­dern

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON ANT­JE HÖNING VON EVA QUADBECK LINKSEXTREME GE­WALT IN BER­LIN . . ., SEI­TE A 4 VON MAR­TIN KESS­LER DIE EIS­KÖ­NI­GIN, SEI­TE A 6

In Eu­ro­pa bre­chen neue, al­te Kri­sen auf. Ita­li­ens Pre­mier Ren­zi möch­te sei­ne Ban­ken mit Staats­hil­fe vor dem Kol­laps ret­ten. Dumm nur, dass die EU seit Jah­res­an­fang ge­nau das ver­bie­tet und als Ers­tes Hil­fe der Ak­tio­nä­re for­dert. Mit die­ser Selbst­bin­dung will Eu­ro­pa sei­ne Steu­er­zah­ler schüt­zen und Ban­ker zu ri­si­ko­be­wuss­tem Ver­hal­ten er­zie­hen. Doch in Eu­ro­pa sind Re­geln oft nicht das Pa­pier wert, auf dem sie ge­schrie­ben ste­hen: Ren­zi re­kla­miert Aus­nah­men, um die ita­lie­ni­schen Klein­spa­rer zu scho­nen. Eben­so wer­den Spa­ni­en und Por­tu­gal, die heu­te we­gen Schul­den und Re­form­ver­wei­ge­rung am Pran­ger ste­hen, wohl um ei­ne ech­te Stra­fe her­um­kom­men. Schuld dar­an ist die schwa­che EUKom­mis­si­on un­ter Je­an-Clau­de Juncker und die Kum­pa­nei un­ter Sün­dern. Frank­reich, das zu­letzt 2015 Ab­so­lu­ti­on für sei­ne ho­hen Schul­den er­hielt, hat be­reits ges­tern Mil­de für die Nach­barn ge­for­dert.

Noch bleibt Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le hart. Doch gu­te Kar­ten hat er nicht: Deutsch­land selbst hat 2003 mit dem Bruch des Maas­tricht-Ver­trags den Geist aus der Fla­sche ge­las­sen. Und zwi­schen Br­ex­it­und Ter­ror-Kri­se wird An­ge­la Mer­kel kei­nen neu­en Eu­ro-Kon­flikt zu­las­sen. Mit Re­geln, die kei­ner ein­hält, macht sich Eu­ro­pa gleich­wohl lä­cher­lich. BE­RICHT: DIE EU­RO-KRI­SE IST ZU­RÜCK, TI­TEL­SEI­TE

IGe­walt von links

n Ber­lin hat man ge­le­gent­lich den Ein­druck, dass lin­ke Ge­walt wie Folk­lo­re wahr­ge­nom­men wird. Als ge­hö­re sie da­zu wie der Alex und das Bran­den­bur­ger Tor. Doch die­se Ein­stel­lung ist grund­falsch. Man stel­le sich nur vor, die mehr als 120 Po­li­zis­ten wä­ren von rechts­ex­tre­men Ge­walt­tä­tern in ei­ner Nacht an­ge­grif­fen und ver­letzt wor­den. Wir wür­den neue Si­cher­heits­kon­zep­te für das Land und für und un­se­re Po­li­zei dis­ku­tie­ren. War­um bleibt ei­ne sol­che Em­pö­rung bei lin­ker Ge­walt aus? Die von Links­ex­tre­mis­ten aus­ge­hen­de Ge­walt über­steigt im­mer noch die der Rechts­ex­tre­mis­ten.

Dass In­nen­se­na­tor Hen­kel mit sei­ner Po­li­tik der har­ten Hand nun weit­ge­hend iso­liert da­steht, hat er sich in Tei­len selbst zu­zu­schrei­ben. Er ist aber auch Op­fer der merk­wür­di­gen Ber­li­ner Ein­stel­lung, wo­nach stets der Mut fehlt, Recht und Ge­setz ein­fach durch­zu­set­zen. So war das zu­letzt auch, als Flücht­lin­ge wild auf dem Ora­ni­en­platz cam­pier­ten. Ber­lin leis­tet sich im­mer wie­der an­ar­chi­sche Zu­stän­de. Das soll­te ein Rechts­staat, der als sol­cher ernst ge­nom­men wer­den möch­te, nicht tun. BE­RICHT

Hoff­nung in Lon­don

Mit­ten im po­li­ti­schen Cha­os, das der­zeit in Groß­bri­tan­ni­en herrscht, ist der schnel­le Wech­sel in Dow­ning Street von Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron zu sei­ner Par­tei­kol­le­gin The­re­sa May ei­ne gu­te Nach­richt. Mit der re­so­lu­ten In­nen­mi­nis­te­rin wird nun ei­ne ver­sier­te und durch­set­zungs­star­ke Frau das mo­men­tan schwie­rigs­te Amt in Eu­ro­pa über­neh­men. Wie im Fal­le ih­rer Vor­gän­ge­rin Mar­ga­ret That­cher sind ge­nau dann Frau­en für höchs­te Staats­pos­ten ers­te Wahl, wenn die Män­ner nicht mehr wei­ter­wis­sen.

Von May ist zu er­war­ten, dass sie ge­nau weiß, wo sie hin will. Sie will den Br­ex­it nicht rück­gän­gig ma­chen, weil dies der De­mo­kra­tie Hohn spre­chen wür­de. Sie will aber auch kei­nen Bruch mit Eu­ro­pa, weil da­durch bei­de Tei­le, be­son­ders aber ihr Land, schwer ge­trof­fen wür­den.

Den Br­ex­it so zu ver­han­deln, dürf­te schon hart ge­nug sein. Und viel­leicht kom­men die Bri­ten nach jah­re­lan­gen Ver­hand­lun­gen wie­der zur Ver­nunft und re­vi­die­ren den Be­schluss. Jetzt gibt die Wahl Mays we­nigs­tens An­lass zu ein biss­chen Hoff­nung. BE­RICHT

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