Wa­genk­necht ver­grault An­hän­ger ei­ner rot-rot-grü­nen Ko­ali­ti­on

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON JAN DREBES

Vie­le in der SPD hal­ten ein Bünd­nis mit Lin­ken und Grü­nen für denk­bar. Wa­genk­necht und La­fon­tai­ne sor­gen je­doch für Spreng­stoff.

BER­LIN Ein Blick auf die Um­fra­ge­wer­te der SPD ge­nügt. Schon ist klar, war­um sich vie­le Ge­nos­sen für ei­ne Ko­ali­ti­on mit Lin­ken und Grü­nen nach der Bun­des­tags­wahl 2017 aus­spre­chen oder für die­se Op­ti­on. 23 Pro­zent für die So­zi­al­de­mo­kra­ten ver­hei­ßen aus Sicht ei­ner Re­gie­rungs­par­tei nichts Gu­tes, zu­mal die Wer­te kürz­lich so­gar nur bei 19 Pro­zent la­gen. Rot-Rot-Grün wä­re ei­ne der we­ni­gen Macht­op­tio­nen – ne­ben ei­ner Neu­auf­la­ge der gro­ßen Ko­ali­ti­on. Doch die ist bei den Ge­nos­sen fast noch un­be­lieb­ter.

Lin­ken-Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht und ihr Ehe­mann, ExLin­ken-Chef Os­kar La­fon­tai­ne, sor­gen je­doch da­für, dass sich selbst Auf­ge­schlos­se­ne in der SPD im­mer wei­ter von der Par­tei ab­wen­den – und ge­mä­ßig­te Macht­po­li­ti­ker der Lin­ken, wie Co-Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch, zu­neh­mend ver­stimmt sein dürf­ten. La­fon­tai­ne hat­te am Mitt­woch auf sei­ner Face­book-Sei­te die­sen Satz ver­öf­fent­licht: „Hil­la­ry Cl­in­ton – die ver­mut­lich nächs­te Ter­ro­ris­tin im Wei­ßen Haus“. Ei­ne Be­zeich­nung, die selbst in lin­ken Rei­hen um­strit­ten ist. Zur Be­grün­dung hieß es auf sei­ner Sei­te: „Nach deut­schem Recht ist die­je­ni­ge ei­ne Ter­ro­ris­tin, die rechts­wid­rig Ge­walt an­wen­det, um po­li­ti­sche Zie­le durch­zu­set­zen.“Dies ha­be Cl­in­ton als Au­ßen­mi­nis­te­rin ge­tan, denn „um ih­re im­pe­ria­len Zie­le durch­zu­set­zen, füh­ren die USA rück­sichts­los Krieg und mor­den wei­ter“. Nur ei­nen Tag spä­ter hat­te Wa­genk­necht in der Bun­des­tags­de­bat­te zum Na­to-Gip­fel in War­schau dem Bünd­nis Kriegs­trei­be­rei vor­ge­wor­fen: „Die Na­to-Ein­krei­sung Russ­lands si­chert nicht den Welt­frie­den, son­dern ge­fähr­det ihn.“Die west­li­che Al­li­anz sol­le da­her durch ein kol­lek­ti­ves Si­cher­heits­sys­tem un­ter Ein­schluss Russ­lands er­setzt wer­den. Auch sprach sie von „An­tiDe­mo­kra­ten in Brüs­sel“, wor­auf­hin SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann ihr vor­warf, sich der Rhe­to­rik der AfD zu be­die­nen.

Doch auch die SPD be­zieht zu ei­nem mög­li­chen Bünd­nis mit der Lin­ken längst kei­ne ein­deu­ti­ge Po­si­ti­on. Die Par­tei­spit­ze ver­weist ger­ne auf ei­nen Par­tei­tags­be­schluss, wo­nach ei­ne Macht­op­ti­on mit den Lin­ken als mög­lich gilt. Gleich­zei­tig er­folgt Ab­gren­zung. So sag­te SPD-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley, die SPD kön­ne sich ei­ne rot-rot-grü­ne Ko­ali­ti­on nach der nächs­ten Bun- des­tags­wahl vor­stel­len – wenn die Lin­ke auf ei­nen „rea­lis­ti­schen“po­li­ti­schen Kurs schwen­ke. Der Spre­cher des rech­ten See­hei­mer Krei­ses in der SPD, Jo­han­nes Kahrs, mel­de­te grund­sätz­li­che Zwei­fel an: „So­lan­ge die Hälf­te der lin­ken Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, fast im­mer die aus dem Wes­ten, po­li­tisch un­zu­ver­läs­sig sind, sich nicht an Ab­spra­chen hal­ten und in­halt­lich häu­fig nä­her bei der AfD als bei den Grü­nen sind, ist ei­ne Ko­ali­ti­on ab­we­gig.“Um mit den Lin­ken ko­alie­ren zu kön­nen, müs­se sich die Ost-Lin­ke durch­set­zen, so Kahrs. Und auch SPD-Vi­ze Ralf Steg­ner, ein Ver­tre­ter des lin­ken Flü­gels, sieht Hür­den. „Ei­ne Ko­ali­ti­on auf der Ba­sis sol­cher Po­si­tio­nen der Link­s­par­tei, die kei­ner ernst neh­men könn­te, wä­re mit der SPD nicht mög­lich.“SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el hat­te sich hin­ge­gen noch vor we­ni­gen Wo­chen mit La­fon­tai­ne bei ei­nem Ter­min im Saar­land ge­trof­fen. Man ha­be re­gel­mä­ßig Kon­takt, hieß es.

Ei­ne ers­te Na­gel­pro­be für die Ko­ali­ti­ons­fä­hig­keit von Rot-Rot-Grün könn­te un­ter­des­sen die Wahl des Bun­des­prä­si­den­ten sein. Ei­ni­gen sich So­zi­al­de­mo­kra­ten, Lin­ke und Grü­ne auf ei­nen Kan­di­da­ten, wä­re das ein star­kes Si­gnal.

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