RE­PU­BLIK

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Wer wird denn nun Bun­des­prä­si­dent?

Die häu­figs­te Fra­ge, die ich ak­tu­ell in mei­nem pri­va­ten Um­feld zu po­li­ti­schen The­men ge­stellt be­kom­me, lau­tet: Wer wird denn nun nächs­ter Bun­des­prä­si­dent? Das ist ei­ne ziem­lich un­vor­sich­ti­ge Fra­ge, denn wer sie stellt, kommt un­ter ei­nem zehn­mi­nü­ti­gen Re­fe­rat sel­ten da­von. Mei­ne elf­jäh­ri­ge Toch­ter wink­te neu­lich nach kur­zer Zeit ab und sag­te: „Ma­ma, ich dach­te, du weißt so was.“

Um das an die­ser Stel­le ein we­nig ab­zu­kür­zen: Schwarz-Rot, Rot-Ro­tG­rün oder Schwarz-Grün könn­ten mehr oder we­ni­ger trag­fä­hi­ge Mehr­hei­ten für ei­nen Kan­di­da­ten in der Bun­des­ver­samm­lung bil­den. Denk­bar wä­re auch ei­ne gro­ße bür­ger­li­che Ko­ali­ti­on, in der es SPD und Uni­on ge­lingt, auch die Li­be­ra­len und die Grü­nen an Bord zu ho­len. Es gibt so­gar we­ni­ge Rea­lo-Lin­ke, die mei­nen, man soll­te in der ak­tu­el­len La­ge, in der die Rechts­po­pu­lis­ten im­mer mehr Ober­was­ser ge­win­nen, sich ei­ner sol­chen Ko­ali­ti­on an­schlie­ßen. Klar aber ist, dass al­le heu­te im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en kei­ne ge­mein­sa­me Sa­che mit der AfD ma­chen wol­len. So weit der ein­fa­che Teil der Er­klä­rung.

Was die Na­men be­trifft, wird hin­ter den Ku­lis­sen hef­tig ver­han­delt. Mitt­ler­wei­le ha­ben al­le Par­tei­en bis zu ei­nem hal­ben Dut­zend Na­men auf der Lis­te, die sie zu ver­schie­de­nen Sei­ten dis­kret aus­tes­ten. Im­mer wie­der fällt da­bei: Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert (CDU). Ge­gen ihn spricht, dass er – trotz sei­ner über­par­tei­li­chen Funk­ti­on als Bun­des­tags­prä­si­dent – nach wie vor ein ak­ti­ver Po­li­ti­ker ist. SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann hat­te aus­ge­schlos­sen, dass die SPD ei­nen ak­ti­ven Po­li­ti­ker der Uni­on wählt, nach­dem durch­ge­si­ckert war, dass die Uni­on im Wahl­jahr 2017 kei­nes­wegs ei­nen ak­ti­ven SPD-Po­li­ti­ker wie Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er wäh­len wer­de.

Ge­gen Nor­bert Lam­mert spricht an­sons­ten nichts – au­ßer viel­leicht noch aus Sicht der Grü­nen, dass er kei­ne Frau ist. An­sons­ten passt die Stel­len­aus­schrei­bung gut auf ihn: Er ge­nießt über­par­tei­lich An­er­ken­nung, kann sehr gu­te Re­de hal­ten und ver­fügt über in­tel­lek­tu­el­le Tie­fen­schär­fe. Sei­ne Volks­nä­he wä­re noch aus­bau­fä­hig. In­ter­es­san­ter­wei­se ist der bis­he­ri­ge Pro­to­koll­chef des Prä­si­di­al­am­tes ge­ra­de als Pro­to­koll­chef und au­ßen­po­li­ti­scher Be­ra­ter zu Lam­mert ge­wech­selt. Gut vor­be­rei­tet wä­re der am­tie­ren­de Bun­des­tags­prä­si­dent al­so.

Zu be­ant­wor­ten wä­re dann noch die fol­gen­de Quiz­fra­ge: Wer lei­tet ei­gent­lich die Bun­des­ver­samm­lung, wenn der Bun­des­tags­prä­si­dent für das obers­te Staats­amt kan­di­diert? Da­für stün­den sechs Vi­zes in Kon­kur­renz. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rer Au­to­rin: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.