Deut­sche Ar­beits­kos­ten über EU-Schnitt

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Laut ei­ner Böck­ler-Stu­die hat sich die Ar­beit 2015 um 2,7 Pro­zent ver­teu­ert.

DÜS­SEL­DORF (ma­xi) Deut­sche Un­ter­neh­men ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich mehr für den Ein­satz ih­rer Be­schäf­tig­ten zah­len müs­sen. Das geht aus ei­ner Stu­die der Hans-Böck­ler-Stif­tung her­vor. Die Ar­beits­kos­ten in der Pri­vat­wirt­schaft stie­gen um 2,7 Pro­zent auf durch­schnitt­lich 32,70 Eu­ro pro St­un­de. Da­mit lag Deutsch­land wie im Vor­jahr auf Platz acht im EU-Ver­gleich.

Die Ar­beits­kos­ten ent­hal­ten ne­ben den Löh­nen auch die ge­setz­lich, ta­rif­lich oder ar­beits­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Lohn­ne­ben­kos­ten oder Zu­satz­kos­ten wie So­zi­al­ver­si­che­rungs­auf­wen­dun­gen des Ar­beit­ge­bers, ver­mö­gens­wirk­sa­me Leis­tun­gen, Weih­nachts­geld, Ur­laubs­geld, Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall oder Fahrt­kos­ten­zu­schüs­se.

Deutsch­land liegt 3,20 Eu­ro über dem Schnitt im Eu­ro­raum und 7,10 Eu­ro über dem Schnitt al­ler EULän­der. Mehr muss­ten Un­ter­neh­men nur in den skan­di­na­vi­schen Län­dern be­zah­len, an­ge­führt von Dä­ne­mark mit 43 Eu­ro, so­wie in den Be­ne­lux­län­dern und Frank­reich. Schluss­licht im eu­ro­pa­wei­ten Ver­gleich ist Bul­ga­ri­en mit Ar­beits­kos­ten von 4,10 Eu­ro pro St­un­de.

Ei­ne di­rek­te Aus­wir­kung des Min­dest­lohns auf die Ar­beits­kos­ten ist laut Böck­ler-Stif­tung nicht iden­ti­fi­zier­bar. Al­ler­dings sei­en die Lohn­stei­ge­run­gen im Gast­ge­wer­be und Han­del, in Ost­deutsch­land so­wie bei Frau­en und Teil­zeit­be­schäf­tig­ten sehr kräf­tig aus­ge­fal­len.

Nach An­ga­ben der Stu­die-Au­to­ren vom In­sti­tut für Ma­kro­öko­no­mie und Kon­junk­tur­for­schung (IMK) sind die Ar­beits­kos­ten seit Be­ginn der Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­uni­on deut­lich schwä­cher ge­stie­gen als in al­len an­de­ren Län­dern der Eu­ro­zo­ne. Und so se­hen die Wis­sen­schaft­ler trotz deut­li­cher Ta­rif­stei­ge­run­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bei den deut­schen Löh­nen noch viel Luft nach oben.

Gus­tav Horn, Di­rek­tor des IMK, ver­wies auf welt­wirt­schaft­li­che Un­si­cher­hei­ten, et­wa in­fol­ge des an­ge­kün­dig­ten Aus­tritts Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU. „Wenn man durch die­se Ge­fah­ren un­be­scha­det durch­kom­men will, braucht man ei­ne kräf­ti­ge Bin­nen­nach­fra­ge.“In Deutsch­land müss­ten die Löh­ne noch über meh­re­re Jah­re stär­ker stei­gen als im Durch­schnitt des Eu­ro­raums.

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