Ein Bild, ei­ne App, vie­le Kunst­sti­le

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KRUSCHEL ERKLÄRT’S - FOTO: ANDRE­AS BRETZ | AD­AP­TI­ON DURCH DIE APP „PRIS­MA“| GRA­FIK: RADOWSKI

Die „Pris­ma“-App macht aus den Han­dy-Fo­tos Kunst­wer­ke. Frag­wür­dig ist der Um­gang mit Nut­zer­da­ten.

DÜS­SEL­DORF (heif) Re­tro ist in – auch bei der Bild­be­ar­bei­tung. Das Mi­ni-Pro­gramm „Pris­ma“ver­wan­delt auf dem Smart­pho­ne ei­ge­ne Fo­tos in ei­nen Mon­dri­an oder Munch. Et­wa 20 ver­schie­de­ne Fil­ter gibt es. Ver­tre­ten sind Kun­strich­tun­gen al­ler Epo­chen von Im­pres­sio­nis­mus bis Ku­bis­mus. Nut­zer kön­nen Bil­der wie ei­nen Van Gogh, Kand­ins­ky, Franz Marc, An­dy War­hol oder Roy Lich­ten­stein aus­se­hen las­sen. Un­ter dem Hash­tag #Pris­ma ver­brei­ten sich die nach­be­ar­bei­te­ten Fo­tos der­zeit welt­weit im Netz.

Die Be­ar­bei­tung ge­schieht je­doch nicht auf dem Smart­pho­ne selbst. Statt­des­sen lädt die App die Bil­der auf ei­nen In­ter­net­ser­ver, wo sie von ei­nem Al­go­rith­mus be­ar­bei­tet wer­den. Die Bild­be­ar­bei­tung ist durch selbst­ler­nen­de Pro­gram­me mög­lich, die den Stil von Ge­mäl­den ge­scannt und kopiert ha­ben. Au­ßer­or­dent­lich leis­tungs­stark müs­sen die Ser­ver sein, da­mit sie die Bil­der in der ho­hen Qua­li­tät und in der gro­ßen Men­ge ver­ar­bei­ten kön­nen.

Hin­ter der App steckt ein rus­si­sches Un­ter­neh­men um den Ent­wick­ler Ale­xey Moi­se­en­kov. Der größ­te In­ves­tor ist die rus­si­sche In­ter­net-Fir­ma „Mail.ru“. Laut Nut­zungs­be­din­gun­gen wer­den In­for­ma­tio­nen ge­spei­chert und wei­ter­ver­ar­bei­tet. Was ge­nau da­mit ge­meint ist, wird nicht klar. Gleich­zei­tig räumt der Nut­zer der App weit­rei­chen­de Rech­te zur Wei­ter­ver­wer­tung der ei­ge­nen Bil­der ein. Weil das Ge­schäfts­mo­dell hin­ter „Pris­ma“nicht voll­kom­men er­sicht­lich ist, soll­ten Nut­zer über­le­gen, wel­che Bil­der sie dort hoch­la­den. Die App ist weit­ge­hend wer­be­frei und im Au­gen­blick noch kos­ten­los. Die Düs­sel­dor­fer Ton­hal­le, fo­to­gra­fiert vom Hof­gar­ten aus. Für sei­ne streng geo­me­tri­schen Ge­mäl­de ist Piet Mon­dri­an (1872 -1944) be­kannt. Auch Ton­hal­le und Um­ge­bung wer­den in far­bi­ge Recht­ecke und an­de­re For­men zer­legt. Ex­pres­sio­nis­tisch an­ge­haucht ist die­se Ver­si­on. Die App nennt den Fil­ter „Mo­nono­ke“. Farb­ge­bung und Kom­po­si­ti­on er­in­nern an Bil­der von Clau­de Mo­net (1840-1926). Für die Im­pres­sio­nis­ten war es ty­pisch, Kon­tu­ren zu ver­wi­schen und ih­ren Ein­druck von Licht­re­fle­xen oder Far­ben so­fort um­zu­set­zen. Mit „Roy“ist der Pop-Art-Künst­ler Roy Liech­ten­stein (1923-1997) ge­meint. Mit kla­ren schwar­zen Um­ris­sen und de­cken­den Far­ben se­hen die Fo­tos nach Co­mic aus. „Scream“nennt sich die­ser Fil­ter in der App. Ei­ne An­spie­lung auf das be­rühm­tes­te Bild des Nor­we­gers Ed­vard Munch (1863-1944), die ex­pres­sio­nis­tisch ver­zerr­ten Li­ni­en sind je­doch nur im An­satz er­kenn­bar.

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