FRA­GE DES STILS

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR -

„Bis zur Ver­ga­sung“?

nehm klin­gen­de Verb „aus­mer­zen“riecht übel nach Ras­se­po­li­tik (tat­säch­lich ha­ben die Na­zis das Wort ge­mocht und noch lie­ber an­ge­wen­det) und fast nach „Ent­lau­sung“; doch wur­de schon in der Schaf­zucht des 18. Jahr­hun­dert „aus­ge­merzt“– im Mo­nat März wur­den un­brauch­ba­re Scha­fe aus­ge­son­dert. Die schein­bar harm­lo­se „Son­der­be­hand­lung“ist hin­ge­gen ein heim­tü­cki­scher Be­griff, weil da­mit aus­schließ­lich un­ter Na­zis die sys­te­ma­ti­sche Er­mor­dung von Min­der­hei­ten ge­meint war. Es ist gut zu wis­sen, wie Spra­che funk­tio­niert, wem sie dient, was sie meint. Doch nicht al­les, was in der brau­nen Zeit Ver­wen­dung fand, muss für al­le Zei­ten ver­brannt sein. Des­halb scheint ei­ne ge­wis­se Ge­las­sen­heit för­der­lich. Doch wer mag, kann gern sa­gen: „Sie wis­sen, wo­her das Wort kommt, das Sie so­eben be­nutzt ha­ben?“So lässt sich er­zeu­gen, was der Kri­ti­ker sich wünscht: ein Nach­den­ken. Ih­re Fra­gen? Bit­te un­ter „Ei­ne Fra­ge des Stils“an kul­tur@rhei­ni­sche-post.de

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