Som­mer­stim­mung in der Aka­de­mie

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORFER KULTUR - VON BERTRAM MÜL­LER

Zum drit­ten Mal lädt die Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie auch im Som­mer zu ei­nem öf­fent­li­chen Rund­gang ein. Die Aus­stel­lung der Stu­den­ten, die zur­zeit ih­re Ex­amen ab­le­gen, bie­tet jun­ge Kunst aus ers­ter Hand.

Der Som­mer­rund­gang ist der klei­ne, ge­las­se­ne Bru­der des Win­ter­rund­gangs. Drän­gen sich die Samm­ler im Win­ter schon zwei Ta­ge vor Er­öff­nung der halb­jähr­li­chen Leis­tungs­schau durch die ho­hen Gän­ge der Aka­de­mie, so kommt der Be­trieb im Som­mer ge­mäch­lich in Gang. Wäh­rend ges­tern im Erd­ge­schoss noch längst nicht je­der Raum ge­öff­net war, hiel­ten die Stu­den­ten in den bei­den Ober­ge­schos­sen be­reits Wa­che vor ih­ren Ar­bei­ten. Für man­che gab es noch ei­nen an­de­ren Grund, zur Stel­le zu sein: Sie leg­ten ihr Ex­amen ab.

So war es schon im­mer im Som­mer wie im Win­ter, doch erst seit 2014 ist auch zur Prä­sen­ta­ti­on im Som­mer Pu­bli­kum zu­ge­las­sen. Wer der Ein­la­dung folgt, den er­war­tet vor al­lem im zwei­ten Ge­schoss Som­mer­stim­mung. Ge­malt wird im­mer, und wer sich da­von über­zeu­gen will, der ist in den Klas­sen der Pro­fes­so­ren Kat­ha­ri­na Grosse, Ste­fan Kür­ten, Eber­hard Ha­vekost, Her­bert Brandl und Andre­as Schul­ze gut auf­geho­ben.

Ex­pe­ri­men­tel­ler geht es im Erd­ge­schoss und im ers­ten Stock zu. Sven Ra­ik Ber­nick aus der Klas­se Fritsch hat in sei­ner In­stal­la­ti­on „Seven­ty Two“72 ke­ra­mi­sche Pferd­chen zu zwei ein­an­der feind­lich ge­gen­über­lie­gen­den Hee­ren ar­ran­giert. Je­de Gestalt ist in­di­vi­du­ell ge­formt, links sind al­le Pfer­de hell, rechts dun­kel. Re­li­gi­ös be­stimm­te Ge­walt von heu­te, so er­läu­tert der Künst­ler, ist das The­ma die­ser Ar­beit. Und er fügt hin­zu, dass sich die Zahl 72 auch auf die jü­di­sche Kab­ba­la be­zie­he. Dort sei von den 72 Na­men Got­tes die Re­de - wohl­ge­merkt 72 Na­men ein und des­sel­ben Got­tes.

Ein paar Schrit­te wei­ter hat im Ate­lier der Klas­se Di­dier Ver­mei­ren die Stu­den­tin To­ki­ko Yu­ka­wa der Karg­heit ein Denk­mal ge­setzt. Ein mit Gips über­gos­se­ner Holz­bal­ken ver­bin­det dia­go­nal die Wand mit dem Bo­den. Was will uns die Künst­le­rin da­mit sa­gen? „Ich woll­te weg vom frei ste­hen­den Ob­jekt“, wie man es in je­dem Kunst­mu­se­um er­le­ben kann, sagt sie. Das ei­gent­li­che The­ma aber ist To­ki­ko Yu­ka­wa zu­fol­ge ih­re Schwie­rig­keit, For­men zu fin­den.

Ul­ri­ke Katz­mai­er aus der Klas­se Mar­tin Gost­ner hat ei­nen voll­stän­di­gen Raum mit ih­ren Ar­bei­ten ge­füllt. Da wer­den die Prü­fer Au­gen ma­chen, die ihr heu­te zum Ex­amen ver­hel­fen sol­len. „Print Screen“ist der Ti­tel der Schau, je­ner Griff in die Com­pu­ter-Tas­ta­tur, der ei­nen Schnapp­schuss vom Bild­schirm er­mög­licht. Ul­ri­ke Katz­mai­er re­pro­du­ziert auf die­se Wei­se Kunst­wer­ke, zoomt in sie hin­ein und über­trägt das Er­geb­nis auf an­de­re Ma­te­ria­li­en, et­wa auf ei­nen Tep­pich. So ent­steht ei­ne neue For­men­spra­che – „di­gi­tal und zugleich men­schen­ge­macht“, dar­auf legt die Künst­le­rin Wert.

Längst hat sich her­um­ge­spro­chen, dass in der Klas­se von Andre­as Gurs­ky nicht nur fo­to­gra­fiert wird. Doch so viel Skulp­tur- und Ob­jekt- kunst wie dies­mal gab es sel­ten zu­vor in sei­nen Aka­de­mie-Räu­men. Künst­ler Ca­mil­lo Grewe, frisch ex­ami­niert, hat ei­nen der ho­hen Sä­le mit an­thro­po­mor­phen Ge­stal­ten aus Papp­ma­ché ge­füllt, die mit ih­rem So­ckel ver­wach­sen sind. „Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Cha­rak­te­ren“, so be­nennt er das The­ma sei­ner Kunst.

Über­haupt ist das Schö­ne am Rund­gang, dass man mit den Künst­lern ins Ge­spräch kommt. Et­li­che Wer­ke sind ver­käuf­lich. Auch über Prei­se las­sen die jun­gen Künst­ler mit sich re­den – be­stimmt!

FOTO: ANDRE­AS ENDERMANN

Sven Ra­ik Ber­nick hat in ei­nem Aka­de­mie-Raum 72 ke­ra­mi­sche Pfer­de ar­ran­giert.

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