Ka­len­der­blatt 12. Ju­li 1970

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - UNTERHALTUNG - TEXT: JENI / FOTO: DPA

Das Boot be­stand aus Schilf, war nach Zeich­nun­gen aus dem al­ten Ägyp­ten ge­fer­tigt und se­gel­te un­ter der Flag­ge der Ver­ein­ten Na­tio­nen. Ne­ben dem nor­we­gi­schen Ex­pe­ri­men­tal-Archäo­lo­gen Thor Hey­er­dahl (Foto) ge­hör­ten sechs wei­te­re Män­ner aus sechs ver­schie­de­nen Na­tio­nen zur Cr­ew. Ihr Ziel: Sie woll­ten mit ei­nem Boot, an des­sen Hoch­see­tüch­tig­keit kaum je­mand glaub­te, den ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nent er­rei­chen – von Nord­afri­ka aus. Hey­er­dahl hat­te 23 Jah­re zu­vor welt­wei­te Be­rühmt­heit er­langt, als er mit der „Kon-Ti­ki“, ei­nem Schiff aus Bal­sa-Holz, den Pa­zi­fik über­quert hat­te. Da­mals hat­te er nach­ge­wie­sen, dass Po­ly­ne­si­en von Süd­ame­ri­ka aus be­sie­delt wor­den sein könn­te. Nun woll­te er zei­gen, dass es zwi­schen dem al­ten Ägyp­ten und Mit­tel­ame­ri­ka ir­gend­ei­ne Form des Kon­takts ge­ge­ben ha­ben könn­te. Die „Ra“, mit der Hey­er­dahl 1969 in See ge­sto­chen war, hat­te er auf­ge­ben müs­sen. Et­wa 1000 Ki­lo­me­ter vor dem Ziel hat­te sich das Boot in sei­ne Be­stand­tei­le auf­ge­löst. Mit der „Ra II“hat­te der Wis­sen­schaft­ler mehr Er­folg. Am 12. Ju­li 1970, nach 57 Ta­gen auf See, er­reich­ten die sie­ben Män­ner die Ka­ri­bik-In­sel Bar­ba­dos. Ob ei­ne sol­che Fahrt tat­säch­lich vor Tau­sen­den Jah­ren statt­ge­fun­den hat, ist da­mit nicht be­wie­sen. Doch im­mer­hin zieht die Wissenschaft die Mög­lich­keit nun in Be­tracht – vor Hey­er­dahls Ex­pe­ri­ment hat­te der Kon­takt zwi­schen den Kon­ti­nen­ten als un­mög­lich ge­gol­ten.

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