Ge­richt stoppt Ver­kauf von Kai­ser’s

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON MICHA­EL BRÖCKER UND GE­ORG WIN­TERS

Das OLG Düsseldorf stuft die Mi­nis­ter­laub­nis von Sig­mar Ga­b­ri­el für die Kai­ser’s-Über­nah­me durch Ede­ka als rechts­wid­rig ein. Da­mit droht der De­al end­gül­tig zu plat­zen. Ga­b­ri­el wehrt sich.

DÜSSELDORF Vier Mo­na­te nach der Er­laub­nis durch Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) droht die Über­nah­me der Su­per­markt­ket­te Kai­ser’s Ten­gel­mann durch Ede­ka zu plat­zen. Das Ober­lan­des­ge­richt Düsseldorf ent­sprach ei­nem Eil­an­trag von Rewe, mit dem der Ede­ka-Kon­kur­rent die Um­set­zung der Fu­si­on stop­pen woll­te. Die Be­grün­dung des Ge­richts: Die Mi­nis­ter­er­laub­nis sei rechts­wid­rig er­teilt wor­den. Das Ver­hal­ten des SPD-Chefs be­grün­de „die Be­sorg­nis sei­ner Be­fan­gen­heit und feh­len­den Neu­tra­li­tät“(Az.: VI – Kart 3/16 (V)). Ga­b­ri­el hat­te Deutsch­lands größ­tem Le­bens­mit­tel­händ­ler Ede­ka im März un­ter mas­si­ven Auf­la­gen grü­nes Licht für den um­strit­te­nen Zu­sam­men­schluss ge­ge­ben – ge­gen das Vo­tum des Bun­des­kar­tell­amts.

Das Ge­richt wirft Ga­b­ri­el vor, dass bei der ers­ten An­hö­rung im No­vem­ber 2015 ein Kauf­an­ge­bot mit Job­ga­ran­tie nur von Rewe, aber nicht von Ede­ka vor­ge­le­gen ha­be. Zu­dem ha­be der Mi­nis­ter im De­zem­ber zwei Ge­sprä­che mit Ede­ka-Chef Mar­kus Mo­sa und Ten­gel­mann-Ei­g­ner Karl-Eri­van Haub ge­führt, oh­ne an­de­re Be­tei­lig­te, vor al­lem Rewe, zu in­for­mie­ren. Er ha­be „in der ent­schei­den­den Pha­se mit Ede­ka und Kai­ser’s Ten­gel­mann ge­hei­me Ge­sprä­che ge­führt“.

Das Mi­nis­te­ri­um wies dies zu­rück. Das schrift­li­che Rewe-An­ge­bot ha­be erst nach der An­hö­rung im No­vem­ber vor­ge­le­gen und sei in der Ent­schei­dung be­rück­sich­tigt wor­den, aber ge­gen­über der Ede­ka-Of­fer­te „aus kar­tell­recht­li­chen Grün­den kei­ne Al­ter­na­ti­ve“ge­we­sen. Zu­dem sei Rewe auch an An­hö­run­gen im Fe­bru­ar und März be­tei­ligt ge­we­sen. Da­mit sei die Fest­stel­lung des Ge­richts nicht zu­tref­fend, es ha­be kein „trans­pa­ren­tes, ob­jek­ti­ves und fai­res Ver­fah­ren“ge­ge­ben. Dass Ar­beit­neh­mer­rech­te nicht als Ge­mein­wohl­grund an­ge­se­hen wür­den, sei nicht nach­voll­zieh­bar.

Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on aus dem Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um hat­te Ga­b­ri­el den Kai­ser’sDe­al auch ge­gen das ex­pli­zi­te Vo­tum des zu­stän­di­gen Un­ter­ab­tei­lungs­lei­ters durch­ge­setzt und das The­ma sei­nem Ver­trau­ten, Staats­se­kre­tär Mat­thi­as Mach­nig, über­ge- ben. Rewe-Chef Alain Ca­par­ros soll dem Mi­nis­ter noch vor der An­hö­rung münd­lich sein Über­nah­me­An­ge­bot über­mit­telt ha­ben.

Ede­ka und Ten­gel­mann re­agier­ten mit Un­ver­ständ­nis. „Die Ent­schei­dung hat gro­ße Be­stür­zung aus­ge­löst. Un­ser Ziel war im­mer, Kai­ser’s Ten­gel­mann als Gan­zes ab­zu­ge­ben und da­mit den größ­ten Teil der Ar­beits­plät­ze zu er­hal­ten“, sag­te Ten­gel­mann-Chef Haub. Ede­ka er­klär­te: „Im In­ter­es­se der Be­schäf­tig­ten von Kai­ser’s Ten­gel­mann hät­ten wir uns ei­ne an­de­re Ent­schei­dung ge­wünscht.“Man wer­de zu­nächst recht­li­che Mög­lich­kei­ten prü­fen. Das Un­ter­neh­men hat­te be­reits Be­schwer­de ge­gen das Fu­si­ons­ver­bot des Kar­tell­amts 2015 ein­ge­legt.

Dass Ede­ka und Ten­gel­mann wei­ter um den De­al kämp­fen, er­scheint aber frag­lich. Das Ge­richt hat ih­nen zu­nächst nicht ein­mal die Mög­lich­keit ei­ner Be­schwer­de beim Bun­des­ge­richts­hof ge­las­sen. Ju­ris­tisch weh­ren kön­nen sie sich jetzt nur noch über ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de. Ge­ben die Kon­zer­ne das Pro­jekt auf, könn­te dies ei­ne schnel­le Zer­schla­gung von Kai­ser’s Ten­gel­mann mit ei­nem ra­schen Ab­bau Tau­sen­der Stel­len zur Fol­ge ha­ben.

Rewe da­ge­gen wit­tert Mor­gen­luft. „Ede­ka und Kai­ser’s Ten­gel­mann ha­ben von An­fang an auf ei­nen Weg der Kon­fron­ta­ti­on mit Wett­be­werbs­hü­tern und Ge­werk­schaf­ten ge­setzt. Dass die­se zwei­fel­haf­te Mi­nis­ter­er­laub­nis nicht voll­zo­gen wer­den kann, ist ei­ne lo­gi­sche Fol­ge die­ser Bra­chi­al­stra­te­gie“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung. Leit­ar­ti­kel Wirt­schaft

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