Die Angst kehrt zu­rück

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON HEN­NING RA­SCHE

DÜSSELDORF Es ist heu­te zwei Jah­re her, dass Deutsch­land sich zum Fuß­bal­lwelt­meis­ter ge­krönt hat. Am 13. Ju­li 2014 war Ar­gen­ti­ni­en der Fi­nal­geg­ner im ge­wal­ti­gen Ma­ra­canã-Sta­di­on in Rio de Janei­ro. Und weil Ma­rio Göt­ze in der Ver­län­ge­rung doch noch ei­nen Tref­fer er­ziel­te, bran­de­te im gan­zen Land Ju­bel auf. Deutsch­land­flag­gen weh­ten von Bal­ko­nen und Au­tos. Frau­en und Män­ner konn­te man da­bei be­ob­ach­ten, wie sie sich mit schwarz-rot-gol­de­nen Strei­fen auf den Wan­gen in die Ar­me fie­len und so­gar Trä­nen ver­gos­sen – vor Freu­de. Das Land er­leb­te ei­nen sel­te­nen, kol­lek­ti­ven Mo­ment der Freu­de.

Da­mit ist es vor­bei. Bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich schied der Welt­meis­ter im Halb­fi­na­le aus, und Stim­mung kam im Land gar nicht erst rich­tig auf. Denn auch wenn so viel Fuß­ball wie in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im Fern­se­hen lief: Deutsch­land ließ sich in die­sem Jahr nicht be­täu­ben. Die Deut­schen ha­ben wie­der Angst. Sie sor­gen sich vor Ter­ror­an­schlä­gen, Zu­wan­de­rung, Über­frem­dung, wirt­schaft­li­cher Un­si­cher­heit und über­for­der­ten Po­li­ti­kern. Zwei Stu­di­en kom­men zu die­sem Er­geb­nis. Ei­ne Über­sicht über Um­fra­ge­er­geb­nis­se der R+VVer­si­che­rung („Die Ängs­te der Deut­schen“) und der Pew-Stu­die ame­ri­ka­ni­scher Mei­nungs­for­scher, die Ängs­te in Eu­ro­pa ver­gleicht. Zu­wan­de­rung Mit der Zu­wan­de­rung do­mi­niert das Kern­the­ma der po­li­ti­schen De­bat­ten im Land auch die Ängs­te. Laut der R+VStu­die fürch­ten sich 67 Pro­zent der Deut­schen da­vor, dass es durch den Zu­zug von Aus­län­dern ver­mehrt zu Span­nun­gen im Land kom­men könn­te. Im Vor­jahr lag die­ser Wert mit 49 Pro­zent zwar um 18 Punk­te nied­ri­ger. Al­ler­dings wa­ren auch die Zei­ten an­de­re. Mehr als ei­ne Mil­li­on Men­schen sind seit­her aus an­de­ren Län­dern der Welt nach Deutsch­land ge­kom­men. Sie brin­gen an­de­re kul­tu­rel­le Ide­en und po­li­ti­sche Vor­stel­lun­gen mit. Er­staun­lich wä­re es wohl, wenn die­ses Auf­ein­an­der­tref­fen kei­ne Span­nun­gen er­zeu­gen wür­de. Un­ter ei­ner Span­nung müs­sen die 67 Pro­zent der Be­frag­ten auch nicht un­be­dingt har­te oder gar ge­wal­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­stan­den ha­ben, als sie die Fra­ge ge­le­sen ha­ben. Un­ter­schied­li­che Auf­fas­sun­gen kön­nen schließ­lich auch Span­nun­gen er­zeu­gen. Schließ­lich än­der­te auch die Sil­ves­ter­nacht von Köln die Sicht et­li­cher Men­schen auf Flücht­lin­ge mas­siv.

Vie­le der Flücht­lin­ge sind Mus­li­me. In der ame­ri­ka­ni­schen Pew-Stu­die be­kun­den je­doch nur 29 Pro­zent der Deut­schen, dass sie ei­ne ne­ga­ti­ve Mei­nung zu Mus­li­men hät­ten. Zum Ver­gleich: Im im­mer au­to­kra­ti­scher re­gier­ten Un­garn, das vor der Flücht­lings­kri­se mit Zu­wan­de­rung eher nicht in Be­rüh­rung ge­kom­men ist, sind es 72 Pro­zent. Vor al­lem die­je­ni­gen fürch­ten sich al­so of­fen­bar vor Flücht­lin­gen, die ih­nen kaum be­geg­nen. Ter­ro­ris­mus Die größ­te Angst ha­ben die Deut­schen vor ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen. 73 Pro­zent der von der Ver­si­che­rung Be­frag­ten ga­ben an, sie fürch­te­ten sich vor Atta­cken et­wa durch den Is­la­mi­schen Staat. Zum Ver­gleich: Vor den An­schlä­gen auf die fran­zö­si­sche Sa­ti­re­zei­tung „Char­lie Heb­do“im Ja­nu­ar 2015, in Pa­ris im No­vem­ber 2015 und in Brüs­sel im März 2016 lag die­ser Wert bei le­dig­lich 39 Pro­zent. R+V hat die Stu­die nun be­reits zum 25. Mal ver­fasst: Nie zu­vor war die Ter­ror-Angst in Deutsch­land dem­nach grö­ßer. Die An­schlä­ge in Frank­reich ha­ben ein Ge­fühl ge­schaf­fen, dass auch das Nach­bar­land Deutsch­land ins Ziel­vi­sier der Ter­ro­ris­ten ge­ra­ten ist. Die un­mit­tel­ba­re Nä­he zum Ver­bre­chen schafft ei­ne gro­ße Be­trof­fen­heit.

Und die Deut­schen zie­hen durch­aus auch den Schluss, dass Zu­wan­de­rung und Ter­ro­ris­mus et­was mit­ein­an­der zu tun ha­ben könn­ten. Denn: In der ame­ri­ka­ni­schen Ver­gleichs­stu­die Pew ha­ben 61 Pro­zent der Deut­schen an­ge­ge­ben, dass durch die Zahl der Flücht­lin­ge auch die Wahr­schein­lich­keit ei­nes An­schlags stei­ge. Die Ame­ri­ka­ner schrei­ben: „Es gibt in den Köp­fen ei­ne sehr kla­re Ver­bin­dung zwi­schen der Flücht-

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