Pein­lich für den Wirt­schafts­mi­nis­ter

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON GE­ORG WIN­TERS VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER OS­TEN SCHICKT FLÜCHT­LIN­GE . . ., SEI­TE A 3 VON EVA QUADBECK KAS­SEN KRI­TI­SIE­REN IGEL-AN­GE­BO­TE . . ., SEI­TE B 3

Das Ober­lan­des­ge­richt Düsseldorf hat Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el ei­ne schal­len­de Ohr­fei­ge ver­passt, und das mit Recht. Ga­b­ri­el hät­te die Mi­nis­ter­er­laub­nis für die Über­nah­me von Kai­ser’s Ten­gel­mann durch Ede­ka nie er­tei­len dür­fen. Und dies nicht, weil der Wett­be­werb durch den De­al wirk­lich nach­hal­tig be­schä­digt wür­de, son­dern weil der Mi­nis­ter das Ge­schäft mit fal­schen Ar­gu­men­ten und hand­werk­li­chen Feh­lern durch­ge­winkt hat.

Ga­b­ri­el hat ein In­ter­es­se der All­ge­mein­heit am Er­halt von Ar­beits­plät­zen bei Kai­ser’s aus­ge­macht, sich aber nicht im Min­des­ten um das In­ter­es­se der All­ge­mein­heit an Wett­be­werb und nied­ri­gen Prei­sen ge­schert – schon das of­fen­bart ein selt­sa­mes Ver­ständ­nis von Ord­nungs­po­li­tik. Ga­b­ri­el hat hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren Ge­sprä­che ge­führt, oh­ne al­le Be­tei­lig­ten zu in­for­mie­ren – ein un­ver­zeih­li­cher Feh­ler. Und er hat den Ein­druck ver­mit­telt, sei­ne Mi­nis­ter­er­laub­nis kom­me ei­ner Job­ga­ran­tie gleich, ob­wohl das durch die Ta­rif­part­ner lo­cker aus­ge­he­belt wer­den konn­te – ein Pa­pier­ti­ger. Al­les zu­sam­men ist pein­lich für Ga­b­ri­el. Sei­ne Glaub­wür­dig­keit hat im­mens ge­lit­ten, die des In­stru­ments Mi­nis­ter­er­laub­nis auch. Die soll­te man am bes­ten ab­schaf­fen. BE­RICHT GE­RICHT STOPPT VER­KAUF VON . . ., TI­TEL­SEI­TE

Mehr als zwei Jahr­zehn­te muss­ten sich west­deut­sche Kom­mu­nen ver­schul­den, um die Haus­hal­te ost­deut­scher Städ­te mit­zu­fi­nan­zie­ren. Und noch im­mer be­zu­schusst der Bund den Os­ten. Da­bei ha­ben die Städ­te dort die Gel­der nicht mehr so nö­tig wie et­wa das Ruhr­ge­biet, wo Stra­ßen, Parks und Ge­bäu­de ma­ro­de sind, aber aus Geld­man­gel nicht er­neu­ert wer­den kön­nen.

Die Him­mels­rich­tung ist kein ver­nünf­ti­ges Kri­te­ri­um für die Ver­tei­lung von So­li­dar­m­it­teln – und schon gar nicht von Flücht­lin­gen. Dass jetzt aus­ge­rech­net in den neu­en Bun­des­län­dern an­er­kann­ten Asyl­be­wer­bern emp­foh­len wor­den sein soll, ihr Glück im Ruhr­ge­biet zu su­chen, weil sie dort bes­se­re Chan­cen hät­ten, ei­ne Woh­nung und Ar­beit zu fin­den, kann man ge­trost als un­so­li­da­ri­schen Akt be­zeich­nen. Denn die­se Flücht­lin­ge ha­ben An­recht auf So­zi­al­leis­tun­gen, die sie nun et­wa in Es­sen und Bochum be­zie­hen. Für die be­trof­fe­nen Kom­mu­nen ent­ste­hen so Mehr­kos­ten in Mil­lio­nen­hö­he. Ein Un­ding!

Aber Haupt­sa­che, wir ha­ben blü­hen­de Land­schaf­ten im Os­ten – und da­für die Pro­ble­me im Wes­ten. BE­RICHT

BUn­so­li­da­ri­scher Akt

Ge­schäft mit Ge­sund­heit

ei den so­ge­nann­ten in­di­vi­du­el­len Ge­sund­heits­leis­tun­gen muss drin­gend mehr Trans­pa­renz her. Es spricht nichts da­ge­gen, dass Ärz­te in ih­ren Pra­xen sol­che An­ge­bo­te ma­chen. Sie müs­sen aber in­di­vi­du­ell mit Blick auf das Krank­heits­bild, die Krank­heits­ge­schich­te der Fa­mi­lie und die Be­dürf­nis­se des Pa­ti­en­ten an­ge­bo­ten wer­den. Dann han­delt es sich auch um in­di­vi­du­el­le Ge­sund­heits­leis­tun­gen. Wenn nur die Arzt­hel­fe­rin ei­nem Pa­ti­en­ten ei­nen Zet­tel zum Un­ter­schrei­ben in die Hand drückt und mur­melt, dies kos­te 30 Eu­ro, dann fällt das un­ter die Ru­brik Ab­zo­cke. Ei­ne Er­gän­zung im Ge­setz, dass ei­ner in­di­vi­du­el­len Ge­sund­heits­leis­tung ei­ne per­sön­li­che Be­ra­tung durch den Arzt vor­aus­ge­hen muss, wä­re sinn­voll.

Zu­gleich muss das Sys­tem der Be­wer­tung der IgelAn­ge­bo­te re­for­miert wer­den. Die Kran­ken­kas­sen ha­ben na­tür­lich ein vi­ta­les In­ter­es­se dar­an, mög­lichst vie­le Igel-An­ge­bo­te durch­fal­len zu las­sen. Denn was sie selbst als po­si­tiv ein­stu­fen, müss­ten sie ja auch zah­len. Ein Team aus un­ab­hän­gi­gen, nicht von den Kas­sen be­zahl­ten Ex­per­ten wä­re hilf­reich. BE­RICHT

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