Köl­ner Po­li­zei lösch­te Te­le­fon­da­ten

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

Bei der Auf­klä­rung der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht wer­den neue Vor­wür­fe ge­gen den NRW-In­nen­mi­nis­ter laut.

DÜSSELDORF (tor) Mit ei­ner Son­der­sit­zung im Par­la­men­ta­ri­schen Sil­ves­ter-Un­ter­su­chungs­aus­schuss (PUA) will die Op­po­si­ti­on im Land­tag auf neue Vor­wür­fe ge­gen NRWIn­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) re­agie­ren: Er soll wi­der bes­se­res Wis­sen die au­to­ma­ti­sche Lö­schung von Te­le­fon­da­ten im Köl­ner Po­li­zei­prä­si­di­um nicht ver­hin­dert ha­ben. Aus Sicht der Op­po­si­ti­on hät­ten die Da­ten viel­leicht be­le­gen kön­nen, dass Jä­ger die ers­ten Mel­dun­gen über die Ge­scheh­nis­se in der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht ver­harm­lo­sen ließ. „Ent- we­der die Da­ten wur­den mit dem Wis­sen und Wil­len von Jä­ger ge­löscht, oder Jä­ger hat sein Haus nicht im Griff“, be­grün­det die CDUOb­frau im PUA, Ina Schar­ren­bach, ih­ren Son­der­sit­zungs-An­trag.

Um die Auf­re­gung zu ver­ste­hen, muss man die De­tails und die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen in der par­la­men­ta­ri­schen Au­f­ar­bei­tung der Köl­ner Sil­ves­ter­nacht ken­nen. Schon früh wur­de der Ver­dacht laut, die Lan­des­re­gie­rung ha­be die Über­grif­fe, bei de­nen Hun­der­te Frau­en von über­wie­gend nord­afri­ka­ni­schen Tä­tern se­xu­ell be­läs­tigt wur­den, an­fangs ver­harm­lo­sen wol­len. Er­här­tet wur­de der Ver­dacht durch Aus­sa­gen von Zeu­gen, ein An­ru­fer ha­be noch am 1. Ja­nu­ar ge­gen­über der Köl­ner Po­li­zei dar­auf ge­drängt, den Be­griff „Ver­ge­wal­ti­gung“aus ei­ner Mel­dung über die Vor­gän­ge zu strei­chen. Der An­ru­fer soll sich auf ei­nen ent­spre­chen­den Wunsch des In­nen­mi­nis­te­ri­ums be­ru­fen ha­ben.

Jä­ger hat das stets be­strit­ten. Auf­klä­rung soll­ten nun die Te­le­fon­da­ten der Köl­ner Be­hör­de lie­fern. Wie der Köl­ner „Ex­press“be­rich­tet, teil- te Jä­ger dem PUA nun mit, die Köl­ner Po­li­zei ha­be die Da­ten erst am 2. Ju­ni ge­si­chert. Mit der Fol­ge, dass die ent­schei­den­den Da­ten vom ers­ten Ja­nu­ar ei­ner au­to­ma­ti­schen Lö­schung zum Op­fer fie­len. Laut Köl­ner Po­li­zei ha­be vor­her kei­ne Rechts­grund­la­ge für die Si­che­rung der Da­ten vor­ge­le­gen, der Be­weis­be­schluss des PUA erst im Mai.

Schar­ren­bach ist mehr als nur ver­är­gert: „Jä­ger wuss­te um die Bri­sanz der Da­ten. Er wur­de be­reits im Mai zu ei­ner mög­li­chen Ein­fluss­nah­me sei­nes Mi­nis­te­ri­ums auf die ers­te Mel­dung der Köl­ner Po­li­zei be­fragt.“

Ein Spre­cher Jä­gers hält da­ge­gen: „Es geht hier nur um die Lö­schung von Da­ten der nor­ma­len Fest­netz­an­schlüs­se.“Ein An­ruf aus ei­ner an­de­ren Po­li­zei­be­hör­de oder aus dem In­nen­mi­nis­te­ri­um, der bei der un­ter­stell­ten Auf­for­de­rung zum Strei­chen des Be­grif­fes „Ver­ge­wal­ti­gung“an­zu­neh­men sei, „wä­re si­cher über das be­hör­den­in­ter­ne Te­le­fon­sys­tem er­folgt“, so der Spre­cher. Des­sen Ver­bin­dungs­da­ten wür­den aber oh­ne­hin nicht auf­ge­zeich­net.

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