Kai­ser’s-Su­per­märk­ten droht das Aus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

Die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­rich­tes Düsseldorf ge­gen die Mi­nis­ter­er­laub­nis für den Ede­ka-Ten­gel­mann-De­al ge­fähr­det die Ket­te mas­siv. Jetzt könn­ten noch schnel­ler als be­fürch­tet Stel­len­ab­bau und Fi­li­al­schlie­ßun­gen fol­gen.

DÜSSELDORF Macht Ten­gel­man­nChef Karl-Eri­van Haub sei­ne An­kün­di­gung aus der ver­gan­ge­nen Wo­che wahr, dann wird es die groß an­ge­leg­te Über­nah­me der Su­per­markt­ket­te Kai­ser’s Ten­gel­mann durch Ede­ka nicht ge­ben. Denn Haub hat jüngst bis En­de Ju­li brauch­ba­re Fort­schrit­te bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen zwi­schen Ede­ka und der Ge­werk­schaft Ver­di ge­for­dert, und die dürf­te es nach der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düsseldorf (OLG) bin­nen drei Wo­chen mit Si­cher­heit nicht ge­ben. Die wich­tigs­ten Fra­gen: Wie lau­tet die OLG-Be­grün­dung? Die Düs­sel­dor­fer Rich­ter wer­fen Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) un­ter an­de­rem Be­fan­gen­heit und man­geln­de Neu­tra­li­tät vor. Er ha­be schon Mit­te No­vem­ber 2015 mit den Be­tei­lig­ten bei Ede­ka und Ten­gel­mann über die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Mi­nis­ter­er­laub­nis ge­spro­chen, ob­wohl ein An­ge­bot für ei­ne Über­nah­me mit Jo­ber­halt zu die­sem Zeit­punkt nur der Ede­ka-Kon­kur­rent Rewe ab­ge­ge­ben ha­be. Das Ede­ka-Kon­zept ha­be da­ge­gen ei­nen mas­si­ven Stel­len­ab­bau vor­ge­se­hen und sei erst spä­ter nach­ge­bes­sert wor­den. Da­zu ha­be es im De­zem­ber „Sechs-Au­gen-Ge­sprä­che“ge­ge­ben – oh­ne Ak­ten­no­tiz und, was nach Mei­nung des Ge­richts wohl noch deut­lich schwe­rer wiegt, oh­ne In­for­ma­ti­on an die Rewe, die zu die­sem Zeit­punkt ih­re Of­fer­te auch schon schrift­lich vor­ge­legt hat­te. Was heißt das für Ga­b­ri­el?

Der Mi­nis­ter hat sich ve­he­ment zur Wehr ge­setzt. Aber er muss na­tür­lich trotz­dem Kri­tik der po­li­ti­schen Geg­ner ein­ste­cken. „Schlim­mer geht’s nim­mer“, sag­te der wirt- schafts­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Joa­chim Pfeif­fer. Für Ga­b­ri­el sei die Ge­richts­ent­schei­dung der „Gau“. Die Mit­tel­stands­ver­ei­ni­gung der CDU (MIT) for­der­te den Mi­nis­ter zur Rück­nah­me der Mi­nis­ter­er­laub­nis auf. MIT-Chef Cars­ten Lin­ne­mann sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Das Ur­teil zeigt, dass der Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter mit sei­ner Ent­schei­dung nicht im Ge­mein­wohl­in­ter­es­se ge­han­delt hat.“ Was be­deu­tet der Rich­ter­spruch? End­gül­tig ent­schie­den ist das Gan­ze nicht. Das Ober­lan­des­ge­richt hat zu­nächst „nur“über den Eil­an­trag von Rewe be­fun­den, mit dem die Köl­ner ei­ne wei­te­re Um­set­zung der Fu­si­on stop­pen woll­ten. Das Ge­richt hat so ent­schie­den, weil die eben­falls ein­ge­reich­te grund­sätz­li­che Be­schwer­de von Rewe über den Zu­sam­men­schluss gu­te Er­folgs­chan­cen ha­be. Bis zu die­ser Grund­satz­ent­schei­dung kann es al­ler­dings noch dau­ern.

Gleich­zei­tig läuft die Be­schwer­de von Ede­ka und Ten­gel­mann ge­gen das Zu­sam­men­schluss-Ver­bot des Kar­tell­am­tes aus dem ver­gan­ge­nen Jahr. Wür­de das Ver­bot auf­ge­ho­ben, wä­re gar kei­ne Mi­nis­ter­laub­nis nö­tig ge­we­sen. Aber dar­an mag der­zeit kaum je­mand in der Han­dels­bran­che glau­ben. Was kön­nen Ede­ka/Ten­gel­mann tun? Nach­dem das Ober­lan­des­ge­richt ei­ne Rechts­be­schwer­de beim Bun­des­ge­richts­hof (BGH) nicht zu­ge­las­sen hat, bleibt den bei­den Wunsch­part­nern nur noch ei­ne Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de. Das heißt: Der Bun­des­ge­richts­hof müss­te erst ent­schie­den, ob Ede­ka und Ten­gel­mann sich be­schwe­ren dür­fen und, wenn ja, die Be­schwer­de sach­lich prü­fen. Ein ju­ris­ti­sches Tau­zie­hen, das nicht vor Herbst en­den wür­de. Al­ter­na­tiv könn­ten sie ein neu­es Ver­fah­ren für ei­ne Mi­nis­ter­er­laub­nis an­stren­gen, aber das wür­de sich mit Si­cher­heit bis ins nächs­te Jahr zie­hen. Ju­ris­tisch er­gibt sich al­so un­ter dem Strich kaum noch ei­ne Er­folgs­chan­ce für das Fu­si­ons­vor­ha­ben. Was heißt das für die Mit­ar­bei­ter? Mit gro­ßer Re­gel­mä­ßig­keit hat Ten­gel­mann-Chef Haub ge­sagt, dass er Kai­ser’s Ten­gel­mann nicht mehr pro­fi­ta­bel be­trei­ben kön­ne. Darf Ede­ka die Ket­te nicht über­neh­men, kann sie nur ein an­de­rer kau­fen, oder Kai­ser’s wür­de zer­schla­gen. Er­geb­nis: Es wür­den ein­zel­ne Fi­lia­len oder Pa­ke­te von Nie­der­las­sun­gen ver­kauft, an­de­re Häu­ser wür­den ge­schlos­sen, es wür­den Tau­sen­de Stel­len ab­ge­baut. Ent­spre­chend kri­ti­sier­te die Ge­werk­schaft Ver­di den OLG-Be­schluss: „Die­se Ent­schei­dung be­deu­tet Un­si­cher­heit für die Be­schäf­tig­ten. An­ders als das Ge­richt fest­stellt, ist der Er­halt der Ar­beit­neh­mer­rech­te der Be­schäf­tig­ten von Kai­ser’s Ten­gel­mann ein nach­voll­zieh­ba­res Kri­te­ri­um des Ge­mein­wohl­in­ter­es­ses.“Ver­di ver­han­delt seit Mo­na­ten mit Ede­ka über ei­nen Ta­rif­ver­trag, der den Stel­len­ab­bau in den nächs­ten Jah­ren ab­fe­dern soll­te.

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