Schäu­b­le lehnt Ret­tungs­pakt für Ita­li­ens Ban­ken ab

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

EU-Fi­nanz­mi­nis­ter ma­chen Weg für Sank­tio­nen ge­gen Schul­den­sün­der Spa­ni­en und Por­tu­gal frei.

BRÜS­SEL (anh/rtr) Ita­li­ens Ban­ken­kri­se alar­miert die Welt. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) drängt die Re­gie­rung von Mat­teo Ren­zi, die Ban­ken so schnell wie mög­lich zu sa­nie­ren. „Die Re­form des Fi­nanz­sek­tors ist ent­schei­dend, um Sta­bi­li­tät her­zu­stel­len“, heißt es im ges­tern vor­ge­leg­ten Län­der­be­richt. Die Ban­ken sit­zen auf fau­len Kre­di­ten von 360 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der IWF senk­te sei­ne Wachs­tums­pro­gno­se für Ita­li­en auf un­ter ein Pro­zent in die­sem und ein Pro­zent im nächs­ten Jahr. Die Pro­duk­ti­vi­tät sei zu ge­ring, die Ar­beits­lo­sig­keit zu hoch, die In­ves­ti­tio­nen zu klein.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le kri­ti­sier­te die For­de­rung von Da­vid Fol­kerts-Lan­dau, Chef­volks­wirt der Deut­schen Bank, nach ei­nem 150 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren EU-Pro­gramm zur Ban­ken-Ret­tung. An der­ar­ti­gen Pro­gram­men könn­te Deutsch­land ge­mäß sei­nem An­teil an der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank mit 27 Pro­zent be­tei­ligt sein. Schäu­b­le warn­te: „Durch sol­che Äu­ße­run­gen wer­den die Ri­si­ken ei­ner Ban­ken­kri­se nicht klei­ner.“Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel be­ton­te: „Ich se­he kei­ne kri­sen­haf­te Ent­wick­lung ins­ge­samt. Ich bin über­zeugt, dass die Fra­gen gut ge­löst wer­den kön­nen.“

Auf Druck von Deutsch­land hat die EU zum Jah­res­an­fang neue Re­geln für die Ban­ken­ret­tung ein­ge­führt. Da­nach müs­sen zu­erst Ak­tio­nä­re und An­lei­he­gläu­bi­ger der Bank ein­sprin­gen. Ren­zi will das ver­mei­den. Er will die Klein­an­le­ger scho­nen, die vor al­lem An­lei­hen von an- ge­schla­ge­nen Re­gio­nal­ban­ken hal­ten, und statt­des­sen lie­ber die Steu­er­zah­ler zur Kas­se bit­ten.

Das ta­ten in der Fi­nanz­kri­se 2008 auch die USA – aber zu an­de­ren Kon­di­tio­nen: Die US-Re­gie­rung hat­te vie­le Ban­ken ge­ret­tet, die­se im Ge­gen­zug aber ver­staat­licht und har­te Sa­nie­rungs­maß­nah­men durch­ge­setzt. Heu­te ste­hen die Ban­ken wie­der sta­bi­ler da und schrei­ben Re­kord­ge­win­ne. Die Staats­hil­fe ha­ben sie mit Zin­sen zu­rück­ge­zahlt.

Der­weil treibt die EU-Kom­mis­si­on die Sank­tio­nen ge­gen die De­fi­zit­sün­der Spa­ni­en und Por­tu­gal vor­an. Die Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro-Staa­ten schlos­sen sich ges­tern der An­sicht der Kom­mis­si­on an, dass die bei­den Län­der ihr Haus­halts­de­fi­zit nicht ge­nug ge­senkt ha­ben. „Die Ent­schei­dung des EU-Ra­tes wird Sank­tio­nen aus­lö­sen“, teil­ten die Fi­nanz­mi­nis­ter mit. Die Kom­mis­si­on hat nun 20 Ta­ge Zeit, um ein Straf­maß vor­zu­schla­gen. Laut Sta­bi­li­täts­pakt soll die Stra­fe 0,2 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung be­tra­gen, sie kann aber re­du­ziert wer­den, wenn Por­tu­gal und Spa­ni­en Grün­de für den Ver­stoß dar­le­gen. Spa­ni­en kün­dig­te an, die Kör­per­schaft­steu­er zu er­hö­hen. EU-Ver­tre­ter er­war­ten, dass ei­ne nur sym­bo­li­sche Stra­fe von null Eu­ro ver­hängt wird. Spa­ni­en und Por­tu­gal hat­ten 2015 den Sta­bi­li­täts­pakt ge­bro­chen, der ei­ne Neu­ver­schul­dung von ma­xi­mal drei Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung er­laubt. Spa­ni­en wies ein De­fi­zit von 5,1 Pro­zent auf, Por­tu­gal ver­zeich­ne­te 4,4 Pro­zent.

FO­TO: DPA

Die Mon­te dei Pa­schi, ge­grün­det 1472, ist die äl­tes­te Bank der Welt und hat be­son­ders vie­le fau­le Kre­di­te.

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