Von Ma­os Re­pu­blik zur Markt­wirt­schaft

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

Ab heu­te ver­han­deln EU und Chi­na über wirt­schaft­li­che The­men. Vor al­lem die Stahl­bran­che ver­folgt dies auf­merk­sam.

DÜSSELDORF/SHANG­HAI Dass sie auf ei­ner Frie­de-Freu­de-Eier­ku­chenMis­si­on un­ter­wegs sein wür­den, hat­ten EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­anClau­de Juncker und EU-Par­la­ments­prä­si­dent Do­nald Tusk nicht er­war­tet. Bei­de reis­ten ges­tern in die Volks­re­pu­blik, um beim 18. EUChi­na-Gip­fel auch un­an­ge­neh­me The­men an­zu­spre­chen. Schließ­lich über­schwemmt Gast­ge­ber Chi­na die Welt­märk­te mit Dum­ping­s­tahl, wäh­rend das Land auf die An­er­ken­nung als Markt­wirt­schaft dringt – ein Wi­der­spruch aus Sicht des Wes­tens. Als wä­re das nicht ge­nug, nutz­te Prä­si­dent Xi Jin­ping den Be­such der Her­ren aus Brüs­sel, um ei­ne Bom­be plat­zen zu las­sen: Pe­king wer­de im Streit um Ge­biets­an­sprü­che im Süd­chi­ne­si­schen Meer ei­ne Schieds­ge­richts­ent­schei­dung aus Den Haag igno­rie­ren, sag­te Xi.

Chi­nas Füh­rung lässt die Mus­keln spie­len. Und das in ei­ner Zeit, in der die Wirt­schaft schwä­chelt. „Der Wirt­schafts­mo­tor in Chi­na stot­tert be­reits seit Län­ge­rem“, sag­te Tho- mas Heck, Lei­ter der Chi­na-Grup­pe bei der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung PwC in Shang­hai. „Auch wenn die Wachs­tums­zah­len mit Vor­sicht zu ge­nie­ßen sind, zeigt sich: Der Rück­gang von zwei­stel­li­gen Wer­ten auf sechs bis sie­ben Pro­zent fällt dra­ma­tisch aus.“

Al­ler­dings ge­be es gro­ße Un­ter­schie­de. „Be­son­ders hart trifft es die Pri­mär­in­dus­trie, et­wa die Bau­ma­schi­nen-In­dus­trie.“Hier ge­be es kein Wachs­tum mehr, son­dern ei­nen ech­ten Rück­gang. „In den letz- ten Jah­ren gab es zahl­rei­che Groß­pro­jek­te wie den Drei-Schluch­tenDamm oder den mas­si­ven Aus­bau des Ei­sen­bahn­net­zes“, er­klärt Heck. In­zwi­schen kön­ne man die Stre­cke Pe­king–Hong­kong kom­plett im Hoch­ge­schwin­dig­keits­zug zu­rück­le­gen. Nun zei­ge sich, dass mas­siv Über­ka­pa­zi­tä­ten auf­ge­baut wor­den sind. „Wenn Sie heu­te aus Shang­hai raus­fah­ren, kön­nen Sie an der Au­to­bahn ei­nen Bau­ma­schi­nen­her­stel­ler am nächs­ten se­hen – al­le Hö­fe ste­hen voll mit gel­ben Bau­ma­schi- nen“, sagt Heck. Zwar se­he auch der neue Fünf-Jah­res-Plan Groß­in­ves­ti­tio­nen vor wie den Bau von 20.000 Ki­lo­me­tern Bahn­stre­cke, al­ler­dings wer­de das noch dau­ern.

In an­de­ren Be­rei­chen wie der Elek­tro­mo­bi­li­tät hät­ten die Fir­men da­ge­gen in den In­ves­ti­ti­ons­mo­dus ge­schal­tet. „Dort ist die Hoff­nung groß, dass Chi­na der ers­te ech­te EMo­bi­li­täts-Markt wer­den könn­te.“So kün­dig­te das chi­ne­si­sche Jo­int Ven­ture Fu­ture Mo­bi­li­ty ges­tern an, bis 2020 mit ei­nem selbst­fah­ren­den Elek­tro­au­to den Markt auf­zu­mi­schen. Zu dem Team ge­hö­ren ne­ben ei­nem ehe­ma­li­gen BMW-Ma­na­ger auch frü­he­re Mit­ar­bei­ter von Tes­la, Al­pha­bet und Mer­ce­des. Ge­plant sind Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge 250.000 bis 400.000 Fahr­zeu­ge jähr­lich. Das ist mehr als der US-Her­stel­ler Tes­la plant, der sich für das zwei­te Halb­jahr 50.000 Au­tos zum Ziel ge­setzt hat. Wachs­tum ent­steht in Chi­na ge­ra­de in der Au­to­in­dus­trie so­wie im Han­del, meint PwCEx­per­te Heck. Der Di­enst­leis­tungs­sek­tor wuchs zu­letzt um zwölf Pro­zent. „Das ist auch er­klär­tes Ziel der Füh­rung in Pe­king. Das Wachs­tum soll sich künf­tig noch stär­ker aus der Bin­nen­nach­fra­ge spei­sen und we­ni­ger aus dem Ex­port.“

Und trotz­dem dürf­ten Juncker und Tusk heu­te mit ih­ren chi­ne­si­schen Ge­sprächs­part­nern vor al­lem über den Markt­wirt­schafts­sta­tus spre­chen, den der Wes­ten dem Land bis En­de des Jah­res in Aus­sicht ge­stellt hat. „Beim The­ma An­er­ken­nung als Markt­wirt­schaft ist die Stoß­rich­tung Pe­kings klar,“, sagt Heck. „Der Wes­ten soll Chi­na den Sta­tus zu­ge­ste­hen.“Denn dann wür­de bei künf­ti­gen An­ti-Dum­ping Ver­fah­ren die Be­weis­last um­ge­kehrt. Künf­tig müss­te die EU Chi­na nach­wei­sen, dass bei­spiels­wei­se Stahl aus der Volks­re­pu­blik zu Dum­ping­prei­sen auf den Markt ge­wor­fen wird. Für die Re­gie­rung in Pe­king ist die Fra­ge nach dem Markt­wirt­schafts­sta­tus ein ech­tes Pres­ti­ge­pro­jekt. „Der EU-ChinaGip­fel könn­te in das The­ma Be­we­gung brin­gen“, glaubt Heck. Falls nichts pas­siert, hat Pe­king an­ge­droht, bei der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO Kla­ge ein­zu­rei­chen.

FO­TO: DPA

EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker, Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping und der Prä­si­dent des EU-Par­la­ments Do­nald Tusk in Pe­king (von links).

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