Du­bio­se Zah­lun­gen bei At­las

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON REIN­HARD KO­WA­LEW­SKY

Schecks des Ab­le­gers von Thys­sen und Air­bus sol­len in Schweiz ge­lan­det sein.

ES­SEN/BRE­MEN Der Kor­rup­ti­ons­skan­dal beim Rüs­tungs­un­ter­neh­men At­las Elec­tro­nics spitzt sich zu. Die Bre­mer Toch­ter­fir­ma von Thys­sen­Krupp und Air­bus, die je­weils 50 Pro­zent der An­tei­le hal­ten, ließ Bar­schecks mit Bo­ten in die Schweiz brin­gen, um sie auf das Kon­to ei­nes tür­ki­schen Ar­mee­an­ge­hö­ri­gen ein­zu­zah­len. Dies geht aus ei­ner Pro­to­koll­no­tiz ei­nes Air­bus-Ju­ris­ten über ein Tref­fen am 23. April 2007 mit Thys­sen­Krupp-Ju­ris­ten her­vor. De­ren Zu­sam­men­fas­sung durch ei­ne Bre­mer Be­hör­de liegt un­se­rer Re­dak­ti­on vor. Auch das „Han­dels­blatt“be­rich­tet dar­über.

Die No­tiz ist bri­sant, weil sie den Ver­dacht zu er­här­ten scheint, dass für sau­be­res Ma­nage­ment zu­stän­di­ge Ju­ris­ten von Air­bus und Thys­sen­Krupp bei At­las Elec­tro­nics viel­leicht zu we­nig da­für ta­ten, Kor­rup­ti­on zu stop­pen, als es da­für Hin­wei­se gab. Laut den No­ti­zen war von den Ju­ris­ten im Mai 2007 er­wo­gen wor­den, die Jus­tiz we­gen des Ver­dacht auf Be­ste­chung durch Ma­na­ger von At­las ein­zu­schal­ten – aber auf ei­ne for­ma­le An­zei­ge wur­de ver­zich­tet. Ein ex­ter­ner An­walt ha­be ge­sagt, dass „ein straf­recht­li­cher An­fangs­ver­dacht vor­lie­gen könn­te“, steht in den in­ter­nen Pro­to­kol­len.

Är­ger­lich sind die neu­en In­for­ma­tio­nen ins­be­son­de­re für den Te­le­kom-Vor­stand Tho­mas Kre­mer. Der Ju­rist war als „Chief Com­p­li­an­ce Of­fi­cer“im Jahr 2007 bei Thys­sen­Krupp im Kon­zern zu­stän­dig für sau­be­res Ma­nage­ment. Nun er­mit­telt die Staats­an­walt­schaft, ob er von frag­wür­di­gen Ge­schäf­ten bei At­las ge­wusst hat und ob er sich we­gen Bei­hil­fe zur Be­ste­chung durch Un­ter­las­sen straf­bar ge­macht ha­ben könn­te, weil es bei At­las noch vie­le Jah­re lang frag­wür­di­ge Zah­lun­gen gab. Auch we­gen die­ser Vor­wür­fe ver­zich­te­te der Auf­sichts­rat der Te­le­kom dar­auf, Kre­mers Ver­trag vor­zei­tig zu ver­län­gern.

Auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on lässt Kre­mer die Vor­wür­fe über ei­nen Spre­cher zu­rück­wei­sen. Es sei ab­we­gig, ihn zur Re­chen­schaft zu zie­hen für Ta­ten bei ei­nem Un­ter­neh­men, das er gar nicht di­rekt kon­trol­liert ha­be, lau­tet sein Haupt­ar­gu­ment. Thys­sen­Krupp er­klärt, die Er­mitt­lun­gen zu un­ter­stüt­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.