Die Wie­der­ho­lung des Welt­un­ter­gangs

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - KULTUR - VON MAR­TIN SCHWICKERT

Nach zwan­zig Jah­ren kommt die Fort­set­zung „In­de­pen­dence Day: Wie­der­kehr“in die Ki­nos.

DÜSSELDORF Vor zwan­zig Jah­ren lan­de­te Ro­land Em­me­rich mit „In­de­pen­dence Day“sei­nen ers­ten gro­ßen Hol­ly­wood-Coup. Mun­ter kreuz­te der exil­schwä­bi­sche Re­gis­seur Ali­en- und Ka­ta­stro­phen­film und ließ die Au­ßer­ir­di­schen so­gar das Wei­ße Haus in die Luft ja­gen. Das hat­te sich bis da­hin noch kei­ner ge­traut. Seit dem hat Em­me­rich sei­nen Ruf als Mas­ter of De­sas­ter mit Fil­men wie „God­zil­la“oder „The Day Af­ter To­mor­row“ge­fes­tigt, und sein Mut zur Zer­stö­rung fand ge­ra­de mit den auf­kom­men­den Mög­lich­kei­ten di­gi­ta­ler Bild­pro­duk­ti­on vie­le Nach­ah­mungs­tä­ter.

Den­noch hat sich Em­me­rich zwei Jahr­zehn­te strikt ge­wei­gert, ei­ne Fort­set­zung sei­nes Er­folgs­fil­mes zu dre­hen, der da­mals welt­weit 817 Mil­lio­nen Dol­lar ein­spiel­te. Nun end­lich wur­den die fle­hent­li­chen Ru­fe der Stu­di­os er­hört und für „In­de­pen­dence Day: Wie­der­kehr“mit Bill Pull­man, Jeff Gold­blum und Brent Spi­ner auch ei­ni­ge aus der al­ten Cr­ew wie­der ins Boot ge­holt. Dass die Au­ßer­ir­di­schen zu­rück­keh­ren wür­den, stand für den alp­traum­ge­plag­ten Ex-Prä­si­den­ten Whit­mo­re (Pull­man) im­mer au­ßer Fra­ge. In den letz­ten zwan­zig Jah­ren hat sich die Mensch­heit zu­sam- men­ge­rauft und mit ver­ein­ten Kräf­ten so­wie un­ter Zu­hil­fe­nah­me au­ßer­ir­di­scher Beu­te­tech­no­lo­gie ih­re Ver­tei­di­gungs­sys­te­me aus­ge­baut. Der jun­ge Pi­lot Jake (Li­am Hems­worth) lang­weilt sich auf der Mond­sta­ti­on zu To­de, hat aber schon bald mit dem An­rü­cken ei­ner feind­li­chen Ali­en­flot­te al­le Hän­de voll zu tun, um ge­mein­sam mit dem Wis­sen­schaft­ler Le­vin­son (Gold­blum) den au­ßer­ir­di­schen An­griff ab­zu­weh­ren. Durch­aus schlüs­sig ha­ben Em­me­rich und sei­ne vier Dreh­buch­au­to­ren den Plot wei­ter­ent­wi­ckelt und set­zen er­neut auf die Mi­schung von Hu­mor und Zer­stö­rung, der schon das Ori­gi­nal zum Er­folg führ­te.

Vor al­lem die Ve­te­ra­nen Gold­blum und Spi­ner sor­gen für ko­mö­di­an­ti­sche Ein­la­gen, wäh­rend die Tech­ni­ker sich we­nig er­folg­reich um in­no­va­ti­ve De­sas­ter-Ef­fek­te küm­mern. Zwar zieht ein rie­si­ger Raum­schiff­ma­gnet ganz Du­bai an sich, um die Trüm­mer de­ko­ra­tiv auf Pa­ris und Lon­don nie­der­reg­nen zu las­sen, aber dar­über hin­aus herrscht hier eher de­struk­ti­ves „bu­si­ness as usu­al“.

Em­me­rich konn­te vor zwan­zig Jah­ren als Meis­ter der Zer­stö­rung ein ge­wis­ses Al­lein­stel­lungs­merk­mal für sich in An­spruch neh­men, aber mitt­ler­wei­le ist die Kon­kur­renz groß, und Co­mic-Ver­fil­mun­gen wie „Aven­gers – Age of Ul­tron“rei­ßen auch schon ein­mal gan­ze Städ­te aus dem Bo­den, um sie in der Luft schwe­ben zu las­sen.

Vor dem Hin­ter­grund reiht sich „In­de­pen­dence Day: Wie­der­kehr“eher in den Sta­tus Quo ein, als in neue Ef­fekt-Ga­la­xi­en auf­zu­bre­chen. Kom­ple­xe Plot­kon­struk­tio­nen und fein ge­web­te Sub­text-Tep­pi­che darf man von ei­nem Em­me­rich-Film ja oh­ne­hin nicht er­war­ten.

Die völ­ker­ver­ei­ni­gen­de Bot­schaft und die Ver­nei­gung vor dem asia­ti- schen Markt mit ei­ner chi­ne­si­schen Kampf­pi­lo­tin wer­den di­rekt und oh­ne An­spruch auf Sub­ti­li­tät an­ge­spielt. Ab­so­lut über­zeu­gend hin­ge­gen ist die ent­spann­te Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der Em­me­rich ein äl­te­res, schwu­les Paar ins Fi­gu­ren­ar­se­nal ein­ar­bei­tet, oh­ne dass dar­über auch nur ein Wort ver­lo­ren wird. Vor zwan­zig Jah­ren muss­te Em­me­rich noch sei­nen schwar­zen Haupt­dar­stel­ler Will Smith ent­schie­den ge­gen den Wil­len des Stu­di­os durch­set­zen.

FO­TO: UNI­VER­SAL MU­SIC

Der Soul-Sän­ger Lio­nel Ri­chie ist mit dem Pro­gramm „All the Hits“der­zeit auf Welt-Tour­nee. In Deutsch­land macht er nur drei Mal Sta­ti­on, am kom­men­den Sams­tag tritt er in Mön­chen­glad­bach auf.

FO­TO: FOX

Noch be­droh­li­cher soll die Fort­set­zung sein: Ro­land Em­me­richs Fort­set­zung von „In­de­pen­dence Day“bricht aber kaum in neue Ef­fekt-Ga­la­xi­en auf.

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