Zupf­fleisch mit Kraut und Rü­ben

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - DÜSSELDORF - VON HOL­GER LODAHL

Se­bas­ti­an Le­ge zeigt im Fern­se­hen, was er am Herd und in der Kü­che her­stellt. Nun hat der Food-Ent­wick­ler ein ei­ge­nes Lo­kal. Im Ba­byQ ist Pul­led Beef die Spe­zia­li­tät.

Das Lo­kal an der Bil­ker Al­lee 66 wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren von un­ter­schied­li­chen Gas­tro­no­men be­trie­ben. Nach­dem sich zwei Schwes­tern über­ra­schend ver­ab­schie­det hat­ten, kam ein Grie­che, der aber nach sehr kur­zer Zeit ver­schwand. Neu­er In­ha­ber ist Se­bas­ti­an Le­ge. Der 37-Jäh­ri­ge aus Flin­gern ist Fach­mann in der Gas­tro-Bran­che. Er ist Le­bens­mit­tel­ent­wick­ler und war Ho­tel-Kü­chen­chef. Für ei­ne Fern­seh­rei­he tes­tet er al­les rund um die deut­sche Kü­che. Für sein ers­tes Re­stau­rant hat sich Se­bas­ti­an Le­ge ei­ne Spe­zia­li­tät aus­ge­sucht, die noch recht neu auf dem Markt ist und mit der er sich mit nur we­ni­gen Kon­kur­ren­ten ver­glei­chen las­sen muss: Pul­led Beef.

„Ich woll­te ein kla­res Gas­tro-Kon­zept mit ei­nem ro­ten Fa­den und nicht, was an­de­re schon ma­chen“, sagt Le­ge. In den USA ist Pul­led Pork (al­so vom Schwein) ein Ge­richt des klas­si­schen Barbe­cu­es. Ei­ne ähn­li­che Zu­be­rei­tungs­art gibt es auch für Rin­der­na­cken: Pul­led Beef. Bis es auf dem Tel­ler lan­det, braucht es ei­ne Wei­le. Das Fleisch wird ma­ri­niert und gu­te 14 St­un­den lang­sam ge­gart. In ei­nem Smo­ker be­kommt es ei­ne leich­te Rauch-No­te. Die­ser Vor­gang macht das Fleisch so zart, dass es an­schlie­ßend in klei­ne Stü­cke zer­fällt oder leicht zer­zupft wer­den kann. Da­her auch das Wort Pul­led Beef: „pull“heißt über­setzt zie­hen oder zup­fen.

Das Er­geb­nis über­zeugt ge­schmack­lich voll­kom­men. Das Fleisch ist ma­ger, die Rauch-No­te sehr de­zent. Es scheint, als wä­re das Fleisch leicht süß – als ob mit Ho­nig ver­setzt. Ge­würzt ist das Ge­richt we­nig. Für den in­di­vi­du­el­len Ge­schmack gibt es drei So­ßen (Wasa­bi, Senf und Barbe­cu­es – teils recht scharf). Auf dem gro­ßen wei­ßen Tel­ler sieht das zu ei­ner Ku­gel ge­form­te Pul­led Beef ein we­nig ver­lo­ren aus (Preis: 14,90 Eu­ro). Das sei ge­wollt, heißt es. Dem Gast sei nicht vor­ge­schrie­ben, ob er Bei­la­gen ha­ben möch­te und wenn ja, wel­che. Die Spei­se­kar­te bie­tet ei­ne lan­ge Lis­te mit klei­nen, aus­schließ­lich ve­ge­ta­ri­schen Spei­sen. Statt „Bei­la­ge“lau­tet die Über­schrift „Kraut und Rü­ben“, denn: Wer sei­ne Be­stel­lung aus­schließ­lich aus die­ser Lis­te kom­bi­niert, sol­le nicht den Ein­druck ha­ben, er es­se nur Bei­la­gen. Ge­mü­se Cur­ry, Süß­kar­tof­fel-Pü­ree und sehr köst­li­ches Erb­sen-Minz-Stampf gibt es eben­so wie ver­schie­de­ne Kraut­sa­la­te (die US-ge­mäß „Slaw“hei­ßen) und ge­bra­te­ne Zuc­chi­ni (al­les zwi­schen 2,90 und 3,90 Eu­ro).

Auch bei den Haupt­ge­rich­ten gibt es noch ein emp­feh­lens­wer­tes Ge­richt. Das Pul­led Pil­ze Bun be­weist, dass nicht nur Fleisch, son­dern auch Pil­ze ge­zupft wer­den kön­nen. Zwi­schen Bröt­chen­schei­ben und mit viel So­ße an Sa­lat er­gibt das ei­ne Bur­ger-Va­ri­an­te, die ein­zig­ar­tig wür­zig-le­cker ist, aber für den Es­sens-Vor­gang ei­ne Her­aus­for­de­rung dar­stellt (8,90 Eu­ro). Eben­falls im An­ge­bot sind Ge­rich­te wie „Irish Na­tu­re Beef Rib“(22,90), „Soft Smo­ked Sal­mon Fi­let“(16,90) und das an­fangs er­wähn­te Pul­led Pork vom Ei­feler Land­schwein (14,90).

Zur Wahl der Des­serts ste­hen nur ein Ka­ra­mell Brow­nie und ein Coo­kie Ice­cream Sand­wich (6,90 Eu­ro) – lei­der we­nig über­zeu­gend bei Ge­schmack und Ide­en­reich­tum. Auch die Ein­rich­tung vom Ba­byQ hät­te et­was mehr En­ga­ge­ment er­tra­gen kön­nen. Die dunk­len Holz­mö­bel und der tief­brau­ne Flie­sen­bo­den schei­nen, von den Ex-In­ha­bern des Be­triebs über­nom­men wor­den zu sein und er­we­cken kaum den Ein­druck ei­nes mo­der­nen Lo­kals im auf­stre­ben­den Bilk. Mehr Licht und mehr Far­be wür­den dem Ba­byQ gut­tun und zum qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Es­sens­an­ge­bot pas­sen.

Schat­ten­we­sen im Ca­pi­tol

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Se­bas­ti­an Le­ge zeigt das Pul­led Beef, die Spe­zia­li­tät im Ba­byQ.

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