Raz­zia we­gen Hass-Posts im In­ter­net

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - VORDERSEITE - VON THO­MAS REI­SE­NER UND CHRISTIAN SCHWERDTFEGER

Die Po­li­zei ging bun­des­weit ge­gen 60 Be­schul­dig­te aus der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne vor. Dort hat­te sich ei­ne ge­hei­me Face­book-Grup­pe ge­bil­det, die ge­walt­ver­herr­li­chen­de Nach­rich­ten ver­schick­te.

DÜS­SEL­DORF/MÜNCHEN Mit ei­nem Groß­auf­ge­bot hat die Po­li­zei ges­tern Mor­gen zeit­gleich Woh­nun­gen und Häu­ser in 14 Bun­des­län­dern durch­sucht. Ziel der Raz­zia war es, Com­pu­ter, Smart­pho­nes und Da­tei­en von 60 Be­schul­dig­ten si­cher­zu­stel­len, von de­nen 36 in ei­ner ge­hei­men Face­book-Grup­pe über Mo­na­te hin­weg den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­herr­lich­ten und mit Hass-Pos­tings Straf­ta­ten wie Volks­ver­het­zung be­gin­gen. „In Nord­rheinWest­fa­len fan­den Durch­su­chun­gen in Mo­ers, Glad­beck und Marl statt“, sag­te Frank Scheu­len, Spre­cher des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes (LKA). Haupt­be­schul­digt in dem Ver­fah­ren sei­en al­ler­dings sechs Män­ner aus Bay­ern. Fest­nah­men ha­be es bis­lang aber noch kei­ne ge­ge­ben, so die Fahn­der.

Es war der ers­te bun­des­wei­te Ein­satz ge­gen kri­mi­nel­le Het­ze im In­ter­net, an dem un­ter Fe­der­füh­rung des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes (BKA) 25 Po­li­zei­dienst­stel­len be­tei­ligt wa­ren. Rechts­ra­di­ka­le Hass­kom­men­ta­re sind längst All­tag in so­zia­len Netz- wer­ken. Auf Face­book, Youtu­be und Twit­ter wer­den un­ter an­de­rem Po­li­ti­ker, Jour­na­lis­ten und Flücht­lings­hel­fer be­lei­digt, be­droht und ein­ge­schüch­tert. „Im Zu­ge der eu­ro­päi­schen Flücht­lings­si­tua­ti­on sind die­se Fäl­le noch ein­mal deut­lich ge­stie­gen“, sag­te Scheu­len. Die An­grif­fe auf Flücht­lings­un­ter­künf­te sei­en häu­fig das Er­geb­nis ei­ner Ra­di­ka­li­sie­rung, die auch in so­zia­len Netz­wer­ken be­gin­ne, er­gänzt BKA-Prä­si­dent Hol­ger Münch. „Wir müs­sen des­halb ei­ner Ver­ro­hung der Spra­che Ein­halt ge­bie­ten und straf­ba­re In­hal­te im Netz kon­se­quent ver­fol­gen“, be­ton­te Münch.

Das nord­rhein-west­fä­li­sche LKA nimmt im Kampf ge­gen rechts­ra­di­ka­le Het­ze im Netz ei­ne bun­des­wei­te Vor­rei­ter­rol­le ein. Mit ei­ner ei­gens für die­se Fäl­le ein­ge­rich­te­ten Task­force na­mens „Rech­te Het­ze im Netz“konn­ten die In­ter­net­fahn­der des LKA bis­lang 192 Straf­ver­fah­ren ge­gen 78 Tä­ter ein­lei­ten. „Wir sind auf Strei­fe im Netz und ha­ben ei­ne ei­ge­ne In­ter­net­wa­che“so der LKASpre­cher. „Die­se Leu­te müs­sen wis­sen, dass sie be­straft wer­den, wenn sie im In­ter­net rechts­ra­di­ka­le Pa­ro­len ver­brei­ten.“

NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) er­klär­te, dass es wich­tig sei ge­zielt ge­gen die­sen Ver­bal­ra­di­ka­lis­mus vor­zu­ge­hen. „Wir ho­len die Tä­ter aus der An­ony­mi­tät des In­ter­nets und der so­zia­len Netz­wer­ke“, be­ton­te der Mi­nis­ter.

Was die Po­li­zei auf den bei der gest­ri­gen Groß­raz­zia be­schlag­nahm­ten Ge­rä­ten ge­fun­den hat, ist bis­lang noch nicht be­kannt. Die Be­schul­dig­ten sind nicht da­zu ver­pflich­tet, der Po­li­zei die Pass­wör­ter ih­rer si­cher­ge­stell­ten Com­pu­ter und Smart­pho­nes zu nen­nen. „Bei uns gibt es aber Spe­zia­lis­ten, die auch oh­ne die Co­des an die Da­ten kom­men“, sag­te ein Fahn­der.

Über­ra­schend ist, dass die Be­schul­dig­ten ih­re Hass-Pos­tings aus­ge­rech­net über ei­ne Face­boo­kG­rup­pe ver­brei­tet ha­ben. Der An­bie­ter des welt­größ­ten so­zia­len Netz­wer­kes ist En­de 2015 der Frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le Mul­ti­me­dia-Di­ens­te­an­bie­ter (FSM) bei­ge­tre­ten, um ge­nau sol­che In­hal­te zu ver­hin­dern. Al­ler­dings hat die FSM nur be­ra­ten­de Funk­ti­on. Die­se ha­be zu „ei­ner Viel­zahl von Maß­nah­men ge­gen Hass-In­hal­te“ge­führt, sag­te ges­tern ei­ne Face­book-Spre­che­rin. Da­zu zäh­le ei­ne Ve­rän­de­rung der in­ter­nen Sta­tu­ten, die groß­zü­gi­ge­res Lö­schen er­lau­be. War­um die In­hal­te in die­sem Fall nicht ge­löscht wur­den, weiß Face­book nicht. „Wir wer­den in der Re­gel erst tä­tig, wenn wir auf pro­ble­ma­ti­sche In­hal­te auf­merk­sam ge­macht wer­den“, sag­te die Spre­che­rin. Leitartikel

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