Rot-rot-grü­ne Ver­su­chung

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON EVA QUADBECK

BERLIN Die Lo­cke­rungs­übun­gen der SPD für ein rot-rot-grü­nes Bünd­nis sind vor al­lem tak­ti­scher Na­tur. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten wol­len sich ei­ne Macht­per­spek­ti­ve jen­seits der gro­ßen Ko­ali­ti­on schaf­fen. Die im Um­fra­ge­tief ver­har­ren­de Par­tei braucht end­lich auch wie­der ei­ne über­zeu­gen­de Kon­stel­la­ti­on, in der sie den Kanz­ler stel­len könn­te. Noch er­scheint ein Links­bünd­nis in Deutsch­land als eher un­wahr­schein­lich. Doch mit ver­ba­len Of­fer­ten und dem Ab­glei­chen der je­wei­li­gen ro­ten Li­ni­en be­gin­nen neue po­li­ti­sche Pro­jek­te. Wel­che Si­gna­le setzt die SPD? Die So­zi­al­de­mo­kra­ten ha­ben im Um­gang mit den Lin­ken ei­nen Kurs­wech­sel voll­zo­gen. Noch im Wahl­kampf 2013 hat­ten sie ein Bünd­nis mit der Link­s­par­tei aus­ge­schlos­sen. Von dem Aus­schluss­prin­zip ist die SPD schon län­ger ab­ge­rückt. Seit ei­ni­gen Mo­na­ten gibt es im­mer wie­der Si­gna­le für ei­ne Öff­nung. Meis­tens klei­den die So­zi­al­de­mo­kra­ten ih­re rot-rot-grü­nen Bot­schaf­ten aber in Wenn-Dann-Sät­ze. So er­klär­te Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley in die­ser Wo­che, die SPD kön­ne sich ein Bünd­nis mit den Lin­ken vor­stel­len, wenn die­se auf ei­nen „rea­lis­ti­schen“Kurs schwenk­ten. Im Ju­ni mahn­te SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el an­ge­sichts der in Eu­ro­pa er­star­ken­den Rechts­po­pu­lis­ten an, dass die lin­ken Par­tei­en un­ter­ein­an­der ko­ali­ti­ons­fä­hig sein müss­ten. Da­mit mein­te er auch die Par­tei­en im ei­ge­nen Land. Ga­b­ri­el be­such­te so­gar den frü­he­ren Lin­ken-Chef und ab­trün­ni­gen So­zi­al­de­mo­kra­ten Os­kar La­fon­tai­ne zu ei­nem ge­mein­sa­men Kaf­fee­trin­ken im Saar­land. Wie re­agie­ren die Lin­ken? Die prag­ma­ti­schen Lin­ken aus Ost­deutsch­land rei­ßen die Tür, an die die SPD klopft, weit auf. Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch und Thü­rin­gens Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low mei­nen, wie Ga­b­ri­el, dass ein Links­bünd­nis ein ge­lun­ge­nes Boll­werk ge­gen den Rechts­po­pu­lis­mus im Land wä­re. Mit ei­ner von Bartsch und Ra­me­low re­prä- sen­tier­ten Lin­ken könn­te sich die SPD mü­he­los auf ein ge­mein­sa­mes Re­gie­rungs­pro­gramm ei­ni­gen. Mäch­tig Ein­fluss in der Par­tei ha­ben aber eben auch Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht und ihr Ehe­mann La­fon­tai­ne. Als Bar­ley in die­ser Wo­che er­neut die rot-rot-grü­ne Op­ti­on ins Spiel brach­te, grätsch­te La­fon­tai­ne da­zwi­schen. Er be­zeich­ne­te Hil­la­ry Cl­in­ton als „ver­mut­lich nächs­te Ter­ro­ris­tin im Wei­ßen Haus“. Wa­genk­necht hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che die üb­ri­gen Par­tei­en im Bun­des­tag em­pört, als sie die EU-Po­li­ti­ker als „An­ti-De­mo­kra­ten“be­zeich­ne­te. Nun gilt in der SPD die De­vi­se: Rot-Rot-Grün ja, aber oh­ne Wa­genk­necht. Nur das er­scheint we­nig rea­lis­tisch. Wie po­si­tio­nie­ren sich die Grü­nen? Die Grü­nen hal­ten sich in die­ser De­bat­te auf­fäl­lig zu­rück. Par­tei­chef Cem Öz­de­mir hat sei­ne Par­tei auf ei­nen Kurs der Ei­gen­stän­dig­keit ein­ge­schwo­ren, nach dem man sich we­der an das ei­ne noch an das an­de­re La­ger bin­den soll­te. Der Haupt­grund, war­um die Grü­nen sich aus die­ser De­bat­te her­aus­hal­ten, ist aber, dass sie selbst der­zeit in­halt­lich und per­so­nell sehr schlecht sor­tiert sind. Gibt es in­halt­lich die Chan­ce auf ei­nen Kon­sens? Der schwie­rigs­te Knack­punkt für ei­ne rot-rot-grü­ne Ko­ali­ti­on ist die Au­ßen­und Si­cher­heits­po­li­tik. Ins­be­son­de­re die Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr sind um­strit­ten. Der ra­di­ka­le lin­ke Flü­gel for­dert ei­nen Ab­zug der Bun­des­wehr aus al­len Län­dern. Bei den Re­al­po­li­ti­kern wä­re ei­ne Ei­ni­gung zwar mög­lich, dass ei­ne neue Re­gie­rung kei­ne wei­te­ren Ein­sät­ze be­schließt. Doch auch die­se Schrit­te könn­ten SPD und Grü­ne nicht mit­ge­hen. In der So­zi­al­po­li­tik hin­ge­gen wä­ren Ei­ni­gun­gen denk­bar. Bei der Ren­te und den Be­zü­gen für Hartz-IV-Emp­fän­ger wä­re al­ler­dings mit dras­ti­schen Stei­ge­run­gen der Haus­halts­aus­ga­ben zu rech­nen, die ein ro­trot-grü­nes Bünd­nis über Steu­er­er­hö­hun­gen und Neu­ver­schul­dung fi­nan­zie­ren wür­de.

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