Bil­dung statt Zen­sur ge­gen In­ter­net-Hass

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - STIMME DES WESTENS - VON THO­MAS REI­SE­NER VON EVA QUADBECK MEHR SCHUTZ VOR STAL­KING, SEI­TE A 4 VON MAR­TIN KESS­LER

Me­di­en­wirk­sam in­sze­nier­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas jüngst sei­ne Initia­ti­ve ge­gen In­ter­net-Het­ze auf der ei­ge­nen Face­book-Sei­te: „Lie­bes Team von Face­book, wir müs­sen re­den“, be­gann sein Post. Face­book ließ ihn weit­ge­hend ab­blit­zen. Als Er­folg mel­de­te Maas nach et­li­chen Ge­sprächs­run­den ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit: Deut­sches Recht gilt auch bei Face­book. Was ra­di­ka­le Het­zer na­tür­lich nicht da­von ab­hält, ih­ren gif­ti­gen Wort­müll wei­ter­hin im In­ter­net ab­zu­kip­pen.

Die Epi­so­de zeigt den küm­mer­li­chen Ein­fluss na­tio­na­ler Po­li­ti­ker auf mul­ti­na­tio­na­le Gi­gan­ten wie Face­book und ist – ne­ben­bei – ein Ar­gu­ment für mehr Eu­ro­pa. Sie il­lus­triert aber auch ein an­ti­quier­tes Ob­rig­keits-Ver­ständ­nis von Kom­mu­ni­ka­ti­on: Face­book hat 1,4 Mil­li­ar­den Nut­zer. Wel­ches Ge­setz soll­te solch ei­nen Da­ten­strom je­mals len­ken?

Zen­sur hat noch nie funk­tio­niert. Den küm­mer­li­chen Er­fol­gen der In­ter­net-Fahn­der steht ei­ne rie­si­ge Dun­kel­zif­fer un­ent­deck­ter In­ter­net-Het­zer ge­gen­über. So­lan­ge es Hass in der Welt gibt, wird er sich auch im In­ter­net aus­drü­cken. Hass be­kämpft man mit Bil­dung. Nicht mit Ver­bo­ten. Auch da­für ist das In­ter­net ei­ne Chan­ce. BERICHT RAZ­ZIA WE­GEN HASS-POSTS IM IN­TER­NET, TI­TEL­SEI­TE

Stra­fe für Stal­ker

Die Re­form für ei­ne bes­se­re Ver­fol­gung von Stal­kern und mehr Schutz für die Op­fer ist über­fäl­lig. Bis­lang muss­ten die Op­fer erst so ver­zwei­felt sein, dass sie bei­spiels­wei­se den Ar­beits­platz oder den Wohn­ort wech­sel­ten. Erst dann konn­ten die Tä­ter be­straft wer­den. Da­mit wa­ren die Tä­ter bes­ser ge­schützt als die Op­fer.

Was Stal­king mit ei­nem Men­schen macht, darf man nicht un­ter­schät­zen. Vie­le Op­fer lei­den über Jah­re un­ter Angst­zu­stän­den – auch wenn die kon­kre­ten Atta­cken schon auf­ge­hört ha­ben. Stal­ker le­gen es dar­auf an, Macht über das Le­ben ih­rer Op­fer zu be­kom­men. Es war al­so ein un­trag­ba­rer Zu­stand, dass es von den Ner­ven des Op­fers ab­hing, ob ein Tä­ter be­straft wer­den konn­te oder nicht.

Die­se Ge­set­zes­lü­cke wird nun ge­schlos­sen. Vie­len Be­trof­fe­nen wird das hel­fen. Doch vor dem Hin­ter­grund, dass die ge­schätz­te Dun­kel­zif­fer von Stal­kin­gOp­fern die Zahl der po­li­zei­lich er­fass­ten Fäl­le um ein Viel­fa­ches über­steigt, ist die Neu­re­ge­lung auch nur ein klei­ner Schritt für die Be­wäl­ti­gung ei­nes gro­ßen Pro­blems. BERICHT

Streit ums Kopf­tuch

Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof folgt in der Re­gel den Gut­ach­ten der Ge­ne­ral­an­wäl­te. Des­halb dürf­te die fran­zö­si­sche Mus­li­min, die ih­ren Ar­beits­platz ver­lo­ren hat, weil sie im Kun­den­ge­spräch ei­nen Schlei­er trug, am En­de Recht be­hal­ten. Dann hät­te das Ge­richt die Re­li­gi­ons­frei­heit ge­stärkt. Denn das Be­kennt­nis zu ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­on darf nicht zu Nach­tei­len füh­ren, wenn der Ge­schäfts­be­trieb da­von un­be­rührt bleibt.

Doch was für Pri­va­te gilt, ist noch lan­ge nicht auf den staat­li­chen Raum über­trag­bar. Bei ho­heit­li­chen Ak­ten wie bei Ge­richts­ur­tei­len oder Ab­nah­me von Uni­ver­si­täts­prü­fun­gen hat das Kopf­tuch als Zei­chen ei­ner re­li­giö­sen Ein­stel­lung nichts zu su­chen. Es könn­ten Zwei­fel dar­an be­ste­hen, dass den Trä­ger die­ser Ak­te nicht nur staat­li­che Vor­schrif­ten lei­ten.

Wenn ei­ne Rich­te­rin mit Kopf­tuch ei­nen De­lin­quen­ten ver­ur­teilt, könn­te es sein, dass es nicht im Na­men des Vol­kes, son­dern auch ei­ner Re­li­gi­on ge­schieht. Des­halb ist das Ur­teil ei­nes baye­ri­schen Ge­richts, das ei­ner Re­fe­ren­da­rin das Kopf­tuch er­laubt, un­ver­ständ­lich. BERICHT EU-AN­WÄL­TIN GE­GEN . . ., TI­TEL­SEI­TE

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