Bun­des­re­gie­rung plant Ge­setz für den Kampf ge­gen Ex­tre­mis­mus

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON JAN DREBES

BERLIN Pro­jek­te ge­gen po­li­ti­schen und re­li­giö­sen Ex­tre­mis­mus gibt es in Deutsch­land zu­hauf. Die Fi­nan­zie­rung und Pla­nungs­si­cher­heit ließ in der Ver­gan­gen­heit je­doch zu wün­schen üb­rig. Die Bun­des­re­gie­rung hat nun ein Ge­setz an­ge­kün­digt, wo­nach die För­de­rung sol­cher Pro­jek­te lang­fris­tig ge­si­chert wer­den soll. „Mit so ei­nem Bun­des­ge­setz kön­nen wir er­mög­li­chen, dass be­stimm­te Struk­tu­ren dau­er­haft fi­nan­ziert und ge­för­dert wer­den dür­fen“, sag­te Ju­gend­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD), die das Vor­ha­ben mit In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) nach ei­nem Ka­bi­netts­be­schluss ges­tern in Berlin prä­sen­tier­te. Bis zur Wahl 2017 soll das Ge­setz ver­ab­schie­det sein.

Hand­lungs­druck be­steht aus Sicht der Mi­nis­ter des­we­gen, weil im ver­gan­ge­nen Jahr die Zahl der rechts- und links­ex­tre­mis­tisch mo­ti­vier­ten Straf­ta­ten deut­lich zu­nahm. Das geht auch aus dem Bericht des Ver­fas­sungs­schut­zes her­vor. Dem­nach sei die rech­te Sze­ne wie­der ge­wach­sen, je­der zwei­te Neo­na­zi gel­te als ge­walt­be­reit. Au­ßer­dem gibt es ei­nen Re­kord bei den Über­grif­fen auf Flücht­lin­ge und de­ren Un­ter­künf­te – mehr als 1000 im ver­gan­ge­nen Jahr. Und auch Links­ex­tre­me wer­den dem Bericht zu­fol­ge ge­walt­be­rei­ter. Ins­ge­samt zähl­ten die Be­hör­den 5620 Straf­ta­ten mit links­ex­tre­mis­ti­schem Hin­ter­grund, da­von 1608 Ge­walt­ta­ten. 2014 wa­ren es noch 995 Ge­walt­de­lik­te. Und auch beim re­li­giö­sen Ex­tre­mis­mus gibt es Zu­lauf. Es wer­de bei der Ver­tei­lung der Gel­der nicht nach Links- und Rechts­ex­tre­mis­mus oder re­li­giö­sem Ex­tre­mis­mus un­ter­schie­den, be­ton­te Schwe­sig.

Ihr Mi­nis­te­ri­um för­dert Prä­ven­ti­ons­pro­jek­te über das Bun­des­pro­gramm „De­mo­kra­tie le­ben!“50 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen in die­sem Jahr zur Ver­fü­gung. 2017 wer­den es 74 Mil­lio­nen Eu­ro sein. Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um hat den Topf für sein Pro­gramm „Zu­sam­men­halt durch Teil­ha­be“in die­sem Jahr auf zwölf Mil­lio­nen Eu­ro ver­dop­pelt. Schwe­sig zu­fol­ge wer­den zwei Drit­tel des Gel­des an fes­te Struk­tu­ren ge­ge­ben, um die De­mo­kra­tie­för­de­rung mög­lichst lang­fris­tig zu si- chern. Da­zu ge­hö­ren bun­des­wei­te Trä­ger und die De­mo­kra­tie­zen­tren in den 16 Bun­des­län­dern, die je nach Si­tua­ti­on vor Ort selbst ent­schei­den sol­len, wel­che Be­rei­che sie be­son­ders un­ter­stüt­zen. Da­ne­ben steckt der Bund Geld in zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Mo­dell­pro­jek­te.

Kon­kret soll ge­fähr­de­ten Men­schen et­wa in Mo­sche­en oder Ge­fäng­nis­sen ge­hol­fen wer­den. Ziel sei, früh­zei­tig an Ju­gend­li­che her­an­zu­kom­men, die in Ge­fahr sei­en, in Ex­tre­mis­mus ab­zu­rut­schen, sag­ten Schwe­sig und de Mai­ziè­re. Bei­de ga­ben sich Mü­he, die an­sons­ten eher un­ge­wöhn­li­che Ge­mein­sam­keit zu be­to­nen. „Prä­ven­ti­on und Re­pres­si­on er­gän­zen sich“, er­klär­te de Mai­ziè­re. „Das Hand-in-Hand-Ar­bei­ten ist das Neue“, be­kann­te Schwe­sig.

In der Ver­gan­gen­heit hat­te es viel Streit um Pro­jek­te ge­ge­ben. Man­che woll­ten mehr Pro­jek­te ge­gen Neo­na­zis, an­de­re ver­miss­ten den Kampf ge­gen Links­ex­tre­me. Streit gab es auch um die nun ab­ge­schaff­te Ex­tre­mis­mus­klau­sel, wo­nach Initia­ti­ven zeit­wei­se zum Nach­weis ih­rer Ver­fas­sungs­treue un­ter­schrei­ben muss­ten, da­mit Geld floss.

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