Groß­bri­tan­ni­en wird wie­der von ei­ner Frau re­giert

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK - VON JO­CHEN WITTMANN

The­re­sa May über­nimmt von Da­vid Ca­me­ron. Sie muss den Br­ex­it um­set­zen, will sich aber nicht nur über Eu­ro­pa de­fi­nie­ren.

LONDON End­lich an­ge­langt. The­re­sa May steht vor der Tür zur Dow­ning Street Num­mer 10 und be­müht sich um Fas­sung. Vor we­ni­gen Mi­nu­ten kam sie vom Bucking­ham-Pa­last zu­rück, wo sie der Queen sym­bo­lisch die Hand küss­te und von Eliz­a­beth II. zur Pre­mier­mi­nis­te­rin er­nannt wur­de. Jetzt hält sie ih­re ers­te An­spra­che als Re­gie­rungs­che­fin an das bri­ti­sche Volk. Mei­ne Re­gie­rung, sagt sie, „wird nicht das In­te- res­se der Rei­chen oder Mäch­ti­gen oder Pri­vi­le­gier­ten im Au­ge ha­ben, son­dern eu­res“. Mit dem Br­ex­it ste­he das Land vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen, aber sie wer­de „ei­ne küh­ne, po­si­ti­ve Rol­le für Groß­bri­tan­ni­en in der Welt schmie­den“. Sie en­det mit dem Ver­spre­chen: „Zu­sam­men wer­den wir ein bes­se­res Groß­bri­tan­ni­en bau­en.“Die Bot­schaft an die Bri­ten ist klar: May will ei­ne Re­gie­rung füh­ren, für die so­zia­le Ge­rech­tig­keit im Mit­tel­punkt steht. Und der rest­li­chen Welt si­gna­li­siert sie: Die bri­ti­sche Re­gie­rung ist nach dem Br­ex­it-Cha­os wie­der hand­lungs­fä­hig. Dann dreht sich The­re­sa May um und ver­schwin­det hin­ter der schwarz­la­ckier­ten Tür mit der sil­ber­nen Num­mer 10. Die Ar­beit be­ginnt. May muss nun das Land durch die Br­ex­it-Stür­me steu­ern.

Der Tag hat­te mit ei­nem Ab­schied von der Dow­ning Street be­gon­nen. Um kurz vor zehn trat Noch-Pre­mier Da­vid Ca­me­ron vor die Tür und stieg in sei­nen Di­enst­wa­gen. Zum letz­ten Mal ließ er sich die kur- ze Stre­cke vom Re­gie­rungs­sitz zum Un­ter­haus fah­ren. Und zum letz­ten Mal hat er sich dort in der wö­chent­li­chen Fra­ge­stun­de den Ab­ge­ord­ne­ten ge­stellt. Am En­de pas­sier­te dort et­was Sel­te­nes: Die Ab­ge­ord­ne­ten er­ho­ben sich von ih­ren Sit­zen und ap­plau­dier­ten Ca­me­ron.

Sei­ner Nach­fol­ge­rin bleibt es nun über­las­sen, Ca­me­rons Nie­der­la­ge beim Br­ex­it-Re­fe­ren­dum aus­zu­ba­den. May, die im Wahl­kampf im La­ger der EU-Freun­de stand, hat ver­si­chert: „Br­ex­it be­deu­tet Br­ex­it, und wir ma­chen dar­aus ei­nen Er­folg.“Sie ist als zä­he Ver­hand­lungs­part­ne­rin be­kannt. Doch ob sie er­rei­chen kann, Zu­gang zum Bin­nen­markt zu be­kom­men, wenn sie gleich­falls Ein­schrän­kun­gen bei der Per­so­nen­frei­zü­gig­keit will, ist un­ge­wiss. May hat schon klar­ge­macht, dass sie sich und ih­re Amts­zeit nicht nur über Eu­ro­pa de­fi­nie­ren will. Beim Kurs der So­zi­al­re­for­men, so hat May un­ter­stri­chen, bleibt es, aber in der Wirt­schafts- und Fi­nanz­po­li­tik wird es Än­de­run­gen ge­ben.

FOTO: DPA

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