Ga­b­ri­el schlägt im Fall Kai­ser’s zu­rück

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES UND GEORG WINTERS

Der Wirt­schafts­mi­nis­ter wehrt sich ge­gen die Kri­tik des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf an sei­ner Mi­nis­ter­er­laub­nis. Er will so­gar vor Ge­richt zie­hen.

BERLIN/DÜS­SEL­DORF Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) war sicht­lich ge­nervt, als er ges­tern Nach­mit­tag im Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um vor die Pres­se trat. Sei­nen ge­ra­de erst an­ge­tre­te­nen Fa­mi­li­en­ur­laub an der Nord­see muss­te er gleich wie­der un­ter­bre­chen, um sich in Sa­chen Über­nah­me von Kai­ser’s Ten­gel­mann durch Ede­ka zu er­klä­ren. Den Stopp sei­ner ent­spre­chen­den Mi­nis­ter­er­laub­nis durch das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf kom­men­tier­te er mit schar­fen An­grif­fen auf den zu­stän­di­gen Rich­ter: „Ich re­spek­tie­re die Ent­schei­dung des Ge­richts, aber ak­zep­tie­re sie nicht“, sag­te Ga­b­ri­el und füg­te hin­zu: „Das Ur­teil ent­hält ei­ne gan­ze Rei­he fal­scher Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen.“Sein Mi­nis­te­ri­um wer­de die mög­li­chen Rechts­mit­tel prü­fen und auch ein­le­gen.

Wie das „Han­dels­blatt“be­rich­te­te, soll Ga­b­ri­el dar­über hin­aus Kon­takt zum Ede­ka-Lob­by­is­ten Kle­mens Joos ge­habt und sei­ne Mit­ar­bei­ter an­ge­wie­sen ha­ben, Joos stets über die Ver­fah­rens­pro­zes­se zu in­for­mie­ren. Ga­b­ri­el wies die­se Darstel­lung zu­rück. Kein Lob­by­ist ha­be auf die Mi­nis­ter­ent­schei­dung Ein­fluss ge­nom­men.

Das Ge­richt hat­te zu Ga­b­ri­els Über­ra­schung am Di­ens­tag die Son­der­er­laub­nis für die Fu­si­on in ei­ner Eil­ent­schei­dung für rechts­wid­rig er­klärt und die­se zu­nächst au­ßer Kraft ge­setzt. Ei­ne Um­set­zung der Fu­si­on ist da­mit der­zeit nicht mög­lich, selbst wenn Ede­ka die von Ga­b­ri­el auf­er­leg­ten Be­din­gun­gen für ei­nen Zu­sam­men­schluss in der Zwi­schen­zeit er­fül­len wür­de. Der Wirt­schafts­mi­nis­ter hat­te mit sei­ner Son­der­er­laub­nis das Ve­to des Bun­des­kar­tell­amts ge­gen die Über­nah­me­plä­ne Ede­kas über­stimmt. Ga­b­ri­el hat­te be­tont, da­mit den Fort­be­stand der rund 16.000 Ar­beits­plät­ze bei Kai­ser’s Ten­gel­mann si­chern zu wol­len. Oh­ne die ge­nann­ten Auf­la­gen stün­den nach sei­ner Auf­fas­sung bis zu 5000 Jobs in den vie­len Fi­lia­len von Kai­ser’s Ten­gel­mann auf dem Spiel.

Das Ge­richt da­ge­gen sieht es als er­wie­sen an, dass Ga­b­ri­el be­fan­gen sei und sich mit den Chefs von Kai­ser’s Ten­gel­mann und Ede­ka zu Ge­heim­ge­sprä­chen ge­trof­fen ha­be. Ga­b­ri­el re­agier­te dar­auf ges­tern mit Zu­rück­wei­sung. Das Ge­richt nen­ne fal­sche Termine für sei­ne Ge­sprä­che mit den Kon­zern­chefs im De­zem­ber 2015, sag­te der SPD-Vor­sit­zen­de. Vor al­lem sei­en es kei­ne Ge­heim­ge­sprä­che ge­we­sen, die er al­lein mit den Fir­men­chefs ge­führt ha­be, son­dern es sei­en im­mer Be­am­te sei­nes Hau­ses da­bei ge­we­sen. „Auch hier er­weckt das OLG ei­nen fal­schen Ein­druck oder ist schlicht falsch in­for­miert“, sag­te Ga­b­ri­el. Die Rich­ter hät­ten im Mi­nis­te­ri­um ein­fach nach­fra­gen kön­nen. Er sei in dem Ver­fah­ren auch nicht be­fan­gen ge­we­sen, so der SPD-Po­li­ti­ker. Al­le Ver­fah­rens­be­tei­lig­te – auch Ede­ka-Kon­kur­rent Rewe – sei­en spä­ter durch Ak­ten­ein­sicht über die Ge­sprä­che mit Ede­kaChef Mar­kus Mo­sa und Ten­gel­mann-Chef Karl-Eri­van Haub in­for­miert wor­den.

Ge­nau die­se Aus­sa­ge be­strei­tet je­doch der Ede­ka-Kon­kur­rent Rewe. Die Ak­ten­ein­sicht sei dem Kon­zern im Ja­nu­ar 2016 ver­wehrt wor­den, er­klär­te ein Spre­cher. In der Tat hat das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um im Ja­nu­ar ei­ne ent­spre­chen­de An­fra­ge der Rewe-An­wäl­te ab­ge­lehnt. Dies geht aus der Ant­wort des Mi­nis­te­ri­ums her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Dar­in heißt es wört­lich: „Ein Ver­merk zum Ge­spräch von Herrn Bun­des­mi­nis­ter Ga­b­ri­el mit Herrn Mo­sa am 1. De­zem­ber 2015 so­wie wei­te­re Kor­re­spon­denz mit den An­mel­dern über die Ne­ben­be­stim­mun­gen so­wie Kor­re­spon­denz mit Drit­ten zu die­ser The­ma­tik lie­gen nicht vor, wes­halb in die­se kei­ne Ak­ten­ein­sicht ge­währt wer­den kann.“

Wäh­rend­des­sen macht sich bei Kai­ser’s Ten­gel­mann nach der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Er­nüch­te­rung breit. „Jetzt herrscht wie­der Un­ge­wiss­heit. Das kann bis zur Zer­schla­gung und Ein­zel­ver­wer­tung ge­hen“, sag­te der Kai­ser’s-Ten­gel­mann-Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de in Nord­rhein-West­fa­len, Rai­ner Schro­ers. Er hofft dar­auf, dass Ten­gel­mann-Ei­g­ner Karl-Eri­van Haub das Un­ter­neh­men nicht in Ein­zel­tei­le zer­le­gen und ver­kau­fen wird. Dar­an mag der frü­he­re Chef der Mo­no­pol­kom­mis­si­on, Jus­tus Hau­cap, aber nicht glau­ben. Aus sei­ner Sicht kann Kai­ser’s ei­gent­lich nur noch zer­schla­gen wer­den. Dann wür­de ei­ne noch of­fe­ne Zahl an Fi­lia­len wo­mög­lich ver­kauft, der Rest ge­schlos­sen. Wie vie­le üb­rig blei­ben? „Viel­leicht die Hälf­te – wenn’s gut geht, viel­leicht auch ein biss­chen mehr. Ede­ka und Rewe könn­ten Tei­le der Häu­ser über­neh­men, an­de­re auch. Für die Mit­ar­bei­ter ist das aber kei­ne gu­te Nach­richt“, sag­te Hau­cap un­se­rer Re­dak­ti­on.

„Das Ur­teil ent­hält ei­ne Rei­he fal­scher Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen“

Sig­mar Ga­b­ri­el

Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter (SPD)

FOTO: IMAGO

Vi­ze­kanz­ler und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) un­ter­brach sei­nen Ur­laub, um sich zur Cau­sa Ten­gel­mann-Ede­ka zu äu­ßern.

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