JUS­TUS HAU­CAP „Mi­nis­ter sind manch­mal be­ra­tungs­re­sis­tent“

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - WIRTSCHAFT -

Der Ex-Vor­sit­zen­de der Mo­no­pol­kom­mis­si­on ist über­rascht vom OLG-Ur­teil. Er glaubt an die Zer­schla­gung von Kai­ser’s.

DÜS­SEL­DORF (RP) Jus­tus Hau­cap ist seit An­fang 2015 De­kan der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät der Hein­rich-Hei­ne-Uni­ver­si­tät Düs­sel­dorf. Von 2008 bis 2012 war er Vor­sit­zen­der der Mo­no­pol­kom­mis­si­on in Deutsch­land. Herr Pro­fes­sor Hau­cap, kla­rer als das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf kann man ei­nen Mi­nis­ter ei­gent­lich nicht ab­wat­schen. HAU­CAP Das stimmt. Mich hat die Schär­fe des Ton­falls über­rascht. Aber auch die Ein­schät­zung des Ge­richts, dass die Si­che­rung von Ar­beit­neh­mer­rech­ten und Ar­beits­plät­zen nicht dem All­ge­mein­wohl dient. Tei­len Sie denn die Ein­schät­zung von Kar­tell­amt und Mo­no­pol­kom­mis­si­on, dass die Fu­si­on aus Wett­be­werbs­grün­den ver­bo­ten wer­den soll­te? HAU­CAP Nein, ich hal­te das für falsch. Am meis­ten freut sich jetzt doch be­zeich­nen­der­wei­se Rewe. War­um wohl? Weil die an­sons­ten er­folg­te Be­le­bung des Wett­be­werbs nun eben doch aus­blei­ben wird. Hät­te Ga­b­ri­el die OLG-Ent­schei­dung kom­men se­hen müs­sen? HAU­CAP In der Tat hat man ge­dacht, dass bei ei­nem sol­chen Ver­fah­ren al­les ge­macht wird, um Ver­fah­rens­feh­ler zu ver­mei­den – erst recht, weil bei Eon/ Ruhr­gas schon mal ei­ne Mi­nis­ter­er­laub­nis zer­schos­sen wur­de. Aber Mi­nis­ter sind ja manch­mal be­ra­tungs­re­sis­tent. Mög­li­cher­wei­se war das hier auch so. So re­sisent, dass sie Ge­heim­ge­sprä­che mit Be­tei­lig­ten füh­ren? HAU­CAP Wenn das so war, dann war es ein gro­ßer Feh­ler. Viel­leicht hat Ga­b­ri­el ja mit Ede­ka und Ten­gel­mann al­lein ge­re­det, weil bei ei­ner sol­chen Be­spre­chung auch Ge­schäfts­ge­heim­nis­se zur Spra­che kom- men, die Wett­be­wer­ber nicht mit­be­kom­men sol­len. Aber das hät­te man dann so pro­to­kol­lie­ren müs­sen. Für die­ses Ver­hal­ten ist „un­ge­schickt“noch ei­ne freund­li­che For­mu­lie­rung. Da­mit geht die Angst der Mit­ar­bei­ter, schnell ih­ren Job zu ver­lie­ren, wie­der von vorn los. Oder se­hen Sie noch ei­ne Mög­lich­keit, den De­al zu ret­ten? HAU­CAP Das wird schwie­rig. Noch läuft zwar die Kla­ge von Ede­ka und Ten­gel­mann ge­gen das Fu­si­ons­ver­bot des Kar­tell­am­tes, aber das Ver­fah­ren dürf­te sich bis zur letz­ten In­stanz über Jah­re hin­zie­hen.

Was ist mit an­de­ren Wett­be­wer­bern? HAU­CAP Rewe wür­de beim Kar­tell­amt auf die glei­chen Pro­ble­me sto­ßen wie Ede­ka. Aus­län­der wie Wal­mart und Hy­per­m­ar­ché ha­ben sich in Deutsch­land schon die Fin­ger ver­brannt und wer­den ein Ver­lust­un­ter­neh­men wie Kai­ser’s Ten­gel­mann, das sie sa­nie­ren müss­ten, nicht über­neh­men wol­len. Blie­be nur noch der ak­tu­el­le Ei­gen­tü­mer Ten­gel­mann. HAU­CAP Auch da se­he ich kei­ne Chan­ce. Karl-Eri­van Haub dürf­te we­der Ge­duld noch Lust ha­ben, noch ein­mal in Kai­ser’s zu in­ves­tie­ren. Das hat er ja auch klar ge­sagt.

GEORG WINTERS STELL­TE DIE FRA­GEN.

FOTO: BAU­ER

Pro­fes­sor Jus­tus

Hau­cap (47).

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